Wissenschaftszeitvertragsgesetz, Befristung

Wissenschaft: Verdi fordert Ende der Befristungsregeln

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 10:18 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Vor der Bundestagsanhörung zur Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes verlangt Verdi mehr unbefristete Stellen und kritisiert die Pläne der Bundesregierung als unzureichend.

Verdis Forderungen für Hochschulbeschäftigte

  • Verdi fordert die Abschaffung der besonderen Befristungsregeln in Wissenschaft und Forschung.
  • Rund 80 Prozent der wissenschaftlich Beschäftigten an Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind laut Verdi befristet angestellt.
  • Sylvia Bühler verlangt dauerhafte Beschäftigung für Promovierte als Regelfall.
  • Verdi kritisiert außerdem die unveränderte Tarifsperre und eine mögliche Ausweitung sachgrundloser Befristungen.

Vor der Anhörung im Bundestag zur Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes fordert Verdi grundlegende Änderungen. Die Gewerkschaft hält den Gesetzentwurf der Bundesregierung für unzureichend und warnt vor weiteren Kettenbefristungen.

Gewerkschaft verlangt Ende der Sonderregeln

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi fordert die Abschaffung der besonderen Befristungsregeln in der Wissenschaft. Vor der Anhörung im Bundestag zur Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes kritisierte Verdi den Gesetzentwurf der Bundesregierung scharf.

Die Bundesregierung sende an Wissenschaftler die fatale Botschaft: "Wir haben kein Interesse an verlässlichen Berufsperspektiven an deutschen Hochschulen", sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler.

Befristungen prägen den Wissenschaftsalltag

Rund 80 Prozent der wissenschaftlichen Beschäftigten an Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind laut Verdi befristet angestellt. Bühler erklärte, dass jahrelange Kettenbefristungen auch für promovierte Wissenschaftler der Normalfall seien und dazu führten, dass die klügsten Köpfe vergrault würden.

Die Sonderregeln für Befristungen in der Wissenschaft müssten abgeschafft oder das Gesetz so reformiert werden, dass mehr unbefristete Beschäftigungsperspektiven geschaffen würden. Der Gesetzentwurf enthalte nur geringfügige Verbesserungen und falle hinter die Pläne der vorherigen Regierung zurück.

Verdi kritisiert Lage nach der Promotion

"Es muss klargestellt werden, dass Promovierte nicht mehr in einer Qualifikationsphase sind. Sie müssen im Regelfall dauerhaft angestellt sein", forderte Bühler.

Zudem kritisiert Verdi die unveränderte Tarifsperre, die bessere tarifliche Regelungen verhindere. Die Bundesregierung tue nichts, um die massenhaften Befristungen zu begrenzen, wolle aber die Möglichkeit für sachgrundlose Befristungen ausweiten.

Laut Studien verzichteten befristet Beschäftigte häufig darauf, Eltern zu werden oder im Betrieb Kritik zu äußern, was Bühler als "fatal" bezeichnete.

Studenten in einer Bibliothek (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz erlaubt Hochschulen und Forschungseinrichtungen, wissenschaftliches Personal außerhalb der allgemeinen Regeln des Teilzeit- und Befristungsrechts zu beschäftigen. Die Sonderregelungen knüpfen Befristungen vor der Promotion und danach an Qualifizierungsphasen sowie an die Finanzierung aus Drittmitteln.

Für Hochschulen schafft dieses Modell Flexibilität bei Qualifizierungsstellen und projektbezogener Forschung. Für Beschäftigte bedeutet es dagegen häufig, dass berufliche und private Entscheidungen unter unsicheren Vertragsbedingungen getroffen werden müssen. Besonders umstritten ist die Lage nach der Promotion, wenn weitere befristete Verträge mit Qualifizierung, Projektfinanzierung oder Haushaltsmitteln begründet werden.

Reform zwischen Flexibilität und Dauerstellen

Die von Verdi genannte Befristungsquote macht deutlich, dass die Debatte nicht nur einzelne Karrierewege betrifft, sondern die Personalstruktur des deutschen Wissenschaftssystems. Eine Abschaffung der Sonderregeln würde Befristungen stärker an die allgemeinen arbeitsrechtlichen Voraussetzungen binden. Eine begrenztere Reform könnte dagegen Qualifizierungszeiten, Mindestlaufzeiten und Dauerstellenanteile neu ordnen.

Für die Hochschulen wären die finanziellen Folgen entscheidend: Mehr unbefristete Stellen erfordern eine verlässlichere Grundfinanzierung und könnten die Zahl kurzfristiger Projektstellen verringern. Für Beschäftigte würden längere Vertragslaufzeiten und klarere Übergänge nach der Promotion die Planbarkeit verbessern. Die Bundestagsanhörung ist damit ein wichtiger Schritt für die Frage, ob der Gesetzentwurf die strukturelle Abhängigkeit von Befristungen tatsächlich reduziert.

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