Wirtschaftswende, Gründer

Wirtschaftswende: 100 Gründer fordern Reformen in Zehn-Punkte-Plan

17.06.2026 - 16:41:09 | boerse-global.de

Über 100 Start-up-Gründer verlangen in einem Brandbrief tiefgreifende Reformen, darunter weniger Bürokratie und flexiblere Kündigungsregeln.

Start-up-Gründer fordern Wirtschaftswende: Zehn-Punkte-Plan
Wirtschaftswende - Geschäftsleute diskutieren in einem modernen Konferenzraum über Wirtschaftswachstum und Investitionen. 17.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

In einem Brandbrief an die Bundesregierung verlangen sie tiefgreifende Reformen – von weniger Bürokratie bis zu flexibleren Kündigungsregeln.

Der Zehn-Punkte-Plan der Unternehmer hat es in sich: Sie wollen privates Kapital für die Altersvorsorge mobilisieren, um den Venture-Capital-Markt zu stärken. Zudem fordern sie eine deutliche Flexibilisierung des Kündigungsschutzes für Spitzenverdiener. Unternehmensgründungen sollen innerhalb von 24 Stunden möglich sein.

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Die Dringlichkeit ist enorm. Laut einer aktuellen Civey-Umfrage trauen 78 Prozent der Unternehmen der Regierung keine substanziellen Reformen mehr zu.

Österreich zieht vor

Während Deutschland noch diskutiert, handelt Österreich bereits. Das Wirtschaftsministerium kündigte gestern ein „Schlüsseltechnologie-Beschleunigungsgesetz“ an. Damit sollen Anlagen in Halbleiterindustrie, Robotik, Biotechnologie und KI-Infrastruktur schneller genehmigt werden.

Projekten von „überragendem öffentlichem Interesse“ soll künftig Vorrang eingeräumt werden. Ziel: Der Industrieanteil an der Wirtschaftsleistung steigt von 17 auf 20 Prozent. 18 Millionen Euro stellt das Land für Pilotanlagen bereit.

Milliarden für KI und Handelsabkommen mit den USA

Auch auf europäischer Ebene tut sich etwas. Beim G7-Gipfel in Évian wurden heute weitreichende Investitionen in KI-Infrastruktur besprochen. Frankreich treibt das Projekt „Marengo“ mit 109 Milliarden Euro voran – 75 Milliarden davon kommen von privaten Partnern für Rechenzentren.

Das EU-Parlament stimmte gestern für ein Zollabkommen mit den USA. Industriegüter werden zollfrei, US-Agrarprodukte erhalten besseren Marktzugang. Ein integriertes Sicherheitsnetz erlaubt der EU, Zugeständnisse auszusetzen, wenn die USA gegen Vereinbarungen verstoßen. Im Gegenzug senken die USA Zölle auf Stahlprodukte auf maximal 15 Prozent.

Lieferketten unter Stress

Der Präsident des ZEW schlug gestern ein „European Supply Security Board“ vor. Das Gremium soll Diversifizierungsvorgaben überwachen und Stresstests für Lieferketten durchführen – besonders bei Chips und Seltenen Erden.

Eine BDI-Befragung von vorgestern zeigt: 77 Prozent der Industrieunternehmen haben eine Resilienzstrategie. Dennoch sieht die Hälfte der Betriebe große Risiken in der Energieversorgung und im Transportwesen.

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Energiebranche warnt vor Import-Blockade

Der Wirtschaftsverband en2x fordert heute eine nationale Kohlenwasserstoffagenda. Grund: Die ab Januar 2027 greifende EU-Methanverordnung könnte theoretisch bis zu 90 Prozent der Mineralölimporte blockieren. Dabei machen Mineralölprodukte derzeit 36 Prozent des Primärenergieverbrauchs aus.

Die Chemieindustrie sieht zusätzliche Belastungen durch neue Benchmarkwerte im EU-Emissionshandel. Der VCI rechnet ab 2026 mit jährlichen Mehrkosten im dreistelligen Millionenbereich.

Bauwirtschaft schlägt Alarm

Branchenverbände und die IG BAU fordern verbesserte KfW-Förderkonditionen und steuerliche Freibeträge beim Grunderwerb. Der Hintergrund ist dramatisch: 2025 wurden nur rund 206.600 Wohnungen fertiggestellt – der Bedarf liegt bei 400.000 pro Jahr.

Die regionale Konjunktur zeigt ebenfalls Risse. Die IHK Gießen-Friedberg meldet einen Rückgang des Konjunkturklimaindex auf 88 bis 93 Punkte. Ein Drittel der Betriebe plant, weniger zu investieren. Hauptrisiken: wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und schwache Inlandsnachfrage.

Tankrabatt verpufft

Die Monopolkommission untersuchte gestern die Wirksamkeit des Tankrabatts. Ergebnis: Von den Steuerentlastungen zwischen 100 und 200 Millionen Euro kam nichts bei den Verbrauchern an. Das Geld blieb in der Wertschöpfungskette hängen. Besonders in Süddeutschland wurde der Rabatt deutlich weniger weitergegeben als im Nordwesten.

Die aktuellen Kraftstoffpreise: 1,764 Euro für Diesel, 1,826 Euro für Super E10.

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