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Wirtschaftsweise gegen starre Branchenöffnungen und -schließungen beim Corona-Exit

12.04.2020 - 09:41:07

Die deutschen Wirtschaftsweisen sprechen sich gegen starre Lockerungen und Beschränkungen für einzelne Branchen beim Zurückfahren der Coronabeschränkungen aus.

Die fünf im Rat der Wirtschaftsweisen vertretenen Ökonomen mahnen klare Regeln der Politik an, mit denen sich die Ausbreitung des Virus eindämmen lässt. Das Ziel bleibe es nach wie vor, eine Überlastung des gesamten Gesundheitssystems infolge schwerer Krankheitsverläufe zu vermeiden. Das geht aus einem Beitrag der Wirtschaftszeitung in der heutigen „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ hervor. Dort heißt es auch, dass Unternehmen und Einrichtungen unter der Bedingung wieder öffnen könnten, dass sie die Richtlinien für die Beschränkungen einhalten. Anstelle von sektoral definierten behördlichen Vorgaben sei dieses Vorgehen eindeutig zu bevorzugen. Die definierten Regeln könnten für Personengruppen, Unternehmen und Einrichtungen gleichermaßen formuliert werden, so der Sachverständigenrat. Dabei greifen die Ökonomen die schon geltenden Vorschriften auf: Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, maximal festgelegte Personenzahlen pro Fläche in bestimmten Räumen oder Arealen, Mindestabstände zwischen Personen, Hygienevorschriften und das Tragen der notwendigen Schutzbekleidung.

Gleichzeitig plädieren die Wirtschaftsexperten für bislang noch nicht formulierte Abwägungen unter Berücksichtigung spezifischer Bedingungen. So könnte man strengere Vorschriften für die Schutzbekleidung erlassen, wenn sich in einem Raum (Betrieb) der nötige Mindestabstand arbeitsbedingt nicht einhalten lässt. Das könnte zum Beispiel bedeuten, dass die dortigen Mitarbeiter Schutzmasken der Kategorie FFP2 oder FFP3 anstelle des empfohlenen leichten Mundschutzes tragen, wenn sie auf engerem Raum arbeiten müssten. Für die Ausarbeitung solcher Regeln müsse eine Expertenkommission eingesetzt werden. In dieser sollten Fachleute verschiedener Disziplinen vertreten sein, welche die Politik beraten, so die Wirtschaftsweisen in der FAS. Die Vorgaben ließen sich dann für bestimmte Zeiträume definieren, ihre Wirksamkeit könne überprüft werden, anschließend sei eine Verifizierung nach einem gewissen Zeitabstand möglich. Für sehr wesentlich halten die Ökonomen eine klare Kommunikation der Maßnahmen sowie ihre strikte Durchsetzung. Nur so lasse sich Vertrauen in ihre Wirksamkeit aufbauen. Mit solchen Vorgaben entstünde für die Wirtschaft, die Behörden, Schulen, KiTas, Einrichtungen des Gesundheitswesens und Privathaushalte eine klare Orientierung. Die Regeln würden Unsicherheiten beseitigen. Diese seien derzeit ursächlich für die Hemmung der wirtschaftlichen Aktivität. Die Vorgaben ließen sich selbstverständlich für verschiedene Regionen unterschiedlich formulieren, so die Ökonomen. Sie sollten an den Infektionszahlen und den Kapazitäten des Gesundheitssystems in jeder einzelnen Region ausgerichtet werden. Auch Reisebeschränkungen seien so zu differenzieren, dass trotz notwendiger Reisetätigkeit kein übermäßiger Personenverkehr entsteht.

 

Redaktion ad-hoc-news.de, A-055824

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