Wirtschaftssicherheit: Regierung veröffentlicht nationale Strategie am 1. August
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 01:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Bruttoinlandsprodukt legte im zweiten Quartal 2026 um 0,2 Prozent zu. Es ist das dritte Quartalsplus in Folge. Gestützt wird das Wachstum vor allem durch Exporte und staatliche Ausgaben, während der private Konsum verhalten bleibt und Investitionen sinken.
Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Juli zum dritten Mal in Folge auf 86,6 Punkte. Ökonomen sehen darin eine Trendwende in der Industrie, gestützt auf einen Rekord-Auftragsbestand von rund 8,9 Monaten. Für das Gesamtjahr bleiben die Prognosen mit 0,5 Prozent Wachstum jedoch moderat. Erst 2027 wird ein kräftigerer Aufschwung von 0,9 Prozent erwartet.
Inflation springt auf 2,8 Prozent
Die Teuerungsrate kletterte im Juli auf 2,8 Prozent – nach 2,3 Prozent im Juni. Marktbeobachter machen das Auslaufen des Tankrabatts und gestiegene Energiepreise verantwortlich, die um 8,3 Prozent anzogen. Die wirtschaftliche Erholung bleibt damit fragil.
Strategie gegen Lieferketten-Risiken
Das Bundeswirtschaftsministerium veröffentlichte am 1. August Details zur nationalen Wirtschaftssicherheitsstrategie. Ziel: Abhängigkeiten in kritischen Bereichen reduzieren und die Resilienz gegenüber globalen Krisen stärken. Anlass waren unter anderem die Angriffe auf Handelsschiffe im Roten Meer zwischen November 2023 und Mitte 2025, die Versicherungsprämien für Frachten explodieren ließen.
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Besonders deutlich wird das Problem bei Halbleitern: Über 90 Prozent der Produktion hochentwickelter Chips entfallen auf Taiwan. Die deutsche Wirtschaft reagiert bereits – 84 Prozent der Großunternehmen nutzen laut einer BDI-Umfrage ein Risikomanagement, 81 Prozent diversifizieren ihre Bezugsquellen.
Die Strategie folgt dem europäischen Ansatz von 2023 mit den Säulen Förderung, Schutz und Partnerschaft. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hatte bereits im Juni betont, wirtschaftliche Sicherheit als Teil der nationalen Sicherheit zu begreifen.
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Reiche fordert Reformen
Angesichts der schwachen Dynamik mahnte die Ministerin Ende Juli Reformen an: niedrigere Lohnnebenkosten, massiven Bürokratieabbau und mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt. Die Regierung hatte Anfang Juli bereits ein Reformpaket beschlossen – mit Maßnahmen zur Rentenreform, stabileren Sozialabgaben und einem Sparpaket für die gesetzliche Krankenversicherung.
Vietnam zeigt, wie es geht
International gewinnt die Verbindung von Sicherheit und Wirtschaft an Bedeutung. Vietnam verabschiedete Ende Juli eine Resolution für einen Paradigmenwechsel: weg von der reinen Schutzlogik, hin zu konstruktiver Sicherheitspolitik. Bis 2030 will das Land eine Führungsrolle im E-Government der ASEAN-Staaten übernehmen und die Cyber-Sicherheit massiv ausbauen. Zudem sollen die Kriminalitätsraten jährlich um zehn Prozent sinken – ein klares Signal an Investoren.
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