Wirtschaftsreformen: Deutsche-Bank-Chef Sewing drängt auf mehr Tempo
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 17:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einem Interview mit der Bild am Sonntag hat der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Christian Sewing, schnellere und konsequentere Reformen sowie einen deutlichen Bürokratieabbau verlangt. Nur so lasse sich die deutsche Wirtschaft nachhaltig wiederbeleben. Vor dem Hintergrund anhaltender Standortdebatten forderte Sewing die Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz auf, wirtschaftspolitische Reformen mit Nachdruck fortzuführen.
Lockerung beim Kündigungsschutz und Kritik an Subventionen
Konkret regte Sewing unter anderem Anpassungen im Arbeitsrecht an. Er schlug vor, die jährliche Gehaltsgrenze für bestimmte Kündigungsschutzregelungen von derzeit 180.000 Euro (202.000 US-Dollar) abzusenken. Die bestehende Einschränkung für diese Einkommensgruppe bewertete er als richtigen ersten Schritt; der Kündigungsschutz müsse für Beschäftigte oberhalb dieser Schwelle nun weiter nach unten ausgeweitet werden.
Darüber hinaus äußerte sich der Bankchef zu weiteren Reformvorhaben. Das zum Jahreswechsel geplante Altersvorsorgedepot begrüßte er grundsätzlich, warnte jedoch vor dessen Verwässerung. Gleichzeitig kritisierte Sewing staatliche Eingriffe wie den Tankrabatt.
Mit dieser Kritik steht er nicht allein: Auch die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer forderte in einem ARD-Interview nachhaltigere staatliche Investitionen und bemängelte, Geld werde teils für Maßnahmen wie den Tankrabatt falsch ausgegeben. Schnitzer mahnte an, dass für ein dauerhaftes Wachstum auch Unternehmen mehr investieren müssten, wofür stabile Rahmenbedingungen erforderlich seien.
Wer sich mit den aktuellen Forderungen nach Reformen im Arbeitsrecht befasst, sollte auch die bestehenden gesetzlichen Verpflichtungen im Blick behalten. Dieser kostenlose Ratgeber unterstützt Sie dabei, die geltende Arbeitszeiterfassungspflicht rechtssicher und ohne teure Software-Abos umzusetzen. Kostenlose Mustervorlage zur Arbeitszeiterfassung sichern
Politische Ränder als Risiko für Investoren
Neben regulatorischen Hemmnissen sieht Sewing in den politischen Rahmenbedingungen ein wachsendes Risiko für den Wirtschaftsstandort. Er warnte, dass die Zugewinne extremer Parteien bei Landtagswahlen im Vormonat die wirtschaftlichen Aussichten gefährdeten und ein erhebliches Risiko für Deutschland darstellten. Solche Wahlerfolge könnten ausländische Investoren abschrecken.
Sewing verwies in diesem Zusammenhang auf das Abschneiden der AfD, die in Sachsen-Anhalt die absolute Mehrheit nur knapp verfehlte und sich zwei Wochen später in Mecklenburg-Vorpommern an die Spitze setzte. Zudem bezeichnete er die Berliner Enteignungsdebatte als investitionsfeindlich. Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin hatte die Linkspartei ihr bestes Ergebnis erzielt und die Enteignung von Wohnungsbeständen in Aussicht gestellt.
Divergenz zwischen Regierungsprognose und Stimmungslage
Die Reformrufe fallen in eine Phase uneinheitlicher Konjunktursignale. Die Bundesregierung hob ihre Prognose für das deutsche Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2026 zuletzt auf 1,3 Prozent an, nachdem im April noch ein Zuwachs von 0,5 Prozent prognostiziert worden war.
Während die Politik über weitreichende Änderungen im Kündigungsschutz debattiert, müssen Unternehmen bereits heute rechtssichere Vertragsgrundlagen schaffen. Erfahren Sie in diesem Gratis-E-Book, wie Sie Ihre Arbeitsverträge an das neue Nachweisgesetz anpassen und teure Bußgelder vermeiden. Gratis-Ratgeber für rechtssichere Arbeitsverträge herunterladen
Laut Wirtschaftsministerin Katherina Reiche stützt sich die Herbstprojektion neben schuldenfinanzierten Investitionen in Infrastruktur und Bundeswehr auf die Exporte, die 2026 um 3,7 Prozent zulegen sollen. Für 2027 erwartet die Regierung 1,1 Prozent und für 2028 noch 0,6 Prozent Wachstum.
Unter Wirtschaftsexperten und in der Bevölkerung überwiegt dagegen Skepsis. Das Ifo-Geschäftsklima fiel auf den tiefsten Stand seit drei Jahren; Umfragen zeigen zudem, dass 81 Prozent der Bevölkerung bislang keine Konjunkturbelebung spüren.
Der Ökonom Achim Truger konstatierte, die erhoffte Erholung sei bisher nicht eingetreten. Auch Volker Wieland sieht derzeit noch keine Trendwende, da die Wirtschaftsleistung für eine solche Bestätigung über einen längeren Zeitraum hinweg spürbar wachsen müsse.
Mehr zum Thema bei Handelsblatt: „Reformpläne: Deutsche-Bank-Chef Sewing fordert mehr Tempo bei Reformen“

