Wirtschaftsprognose: IW verdreifacht Wachstum für 2026 auf 1,2%
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 09:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der aktuellen Herbstprognose des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeichnet sich eine deutliche Aufwärtskorrektur für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland ab.
Das Institut erwartet für das Jahr 2026 nun ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,2 Prozent. Damit verdreifacht das IW seine Einschätzung aus dem Mai, als die Forscher lediglich von einem Plus von 0,4 Prozent ausgegangen waren. Für das darauffolgende Jahr 2027 wird ein Zuwachs von knapp 1 Prozent prognostiziert.
Fiskalische Kennzahlen und Arbeitsmarkt im Fokus
Trotz der verbesserten Wachstumsaussichten bleibt die Haushaltslage angespannt. Das IW beziffert das Staatsdefizit für das Jahr 2026 auf rund 4 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Schuldenquote wird zum Ende des betreffenden Jahres voraussichtlich bei rund 66 Prozent liegen. Bei der Preisentwicklung rechnen die Forscher für 2026 mit einer Inflation von gut 2,5 Prozent.
Die Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibt herausfordernd. Das Institut prognostiziert eine Arbeitslosenzahl von knapp 3 Millionen Menschen, was einer Quote von 6,3 Prozent entspricht. Der private Konsum, eine wichtige Säule der Binnennachfrage, soll laut IW lediglich um 0,3 Prozent zulegen.
Erst für 2027 wird erwartet, dass das Wachstum zu jeweils etwa der Hälfte vom Konsum und von Investitionen getragen wird. In der zweiten Jahreshälfte 2026 könnte das Momentum jedoch aufgrund hoher Energiepreise, schwacher Investitionen und drohender Jobverluste wieder nachlassen.
Unterstützung durch den Welthandel und europäische Partner
Die positiven Impulse kommen vor allem aus dem Ausland. Das IW prognostiziert für die Weltwirtschaft ein Plus von 2,3 Prozent, während der Welthandel um 5 Prozent wachsen soll. Davon profitieren die deutschen Ausfuhren: Für 2026 werden reale Exportsteigerungen von 2,8 Prozent erwartet, während die Importe um 2 Prozent zunehmen sollen.
Auch andere namhafte Forschungsinstitute wie das Ifo, das DIW, das RWI und das IMK haben ihre Prognosen zuletzt angehoben. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) ist dabei besonders optimistisch und korrigierte seine Erwartung für 2026 auf 1,3 Prozent sowie für 2027 auf 1,4 Prozent nach oben.
Das IW hat seine Wachstumsprognose für 2026 von 0,4 auf 1,2 Prozent verdreifacht — getragen von Welthandel und Exporten, während Staatsdefizit, Konsum und Automobilbranche die Gegenposition bilden. Wer seine Budgetplanung darauf aufbauen will, braucht die Zahlen nebeneinander statt nacheinander. Der Report ordnet die Prognosen von IW, IMK, BDI und VDMA ein und liefert ein Szenario-Raster für die Haushaltsplanung. Kostenlosen Konjunktur-Report 2026 anfordern
Laut IMK-Direktor Sebastian Dullien stützen starke Exporte die Entwicklung; im ersten Halbjahr 2026 summierten sich diese bereits auf 817,8 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von 3,9 Prozent entspricht.
Industrie zwischen Auftragsplus und strukturellen Sorgen
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hob seine Prognose für 2026 ebenfalls auf 1 Prozent an, nachdem im Juni noch eine Senkung auf 0,4 Prozent erfolgt war. Als Hauptgrund nannte der Verband das starke Geschäft mit europäischen Partnern. Dennoch mahnte die BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner zur Vorsicht.
Von einem breiten industriellen Aufschwung könne keine Rede sein, da die Industrieproduktion im zweiten Quartal 2026 um 1,2 Prozent unter dem Vorjahresniveau lag. Die Kapazitätsauslastung der Unternehmen liegt mit 78 Prozent zudem fünf Prozent unter dem langjährigen Mittel.
Gönner betonte, dass das Wachstum maßgeblich von staatlichen Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung getrieben werde, während private Investitionen schwach blieben. Sie forderte die Umsetzung bereits angekündigter Reformen.
Besonders die Automobilbranche steht unter Druck. Nach Daten des IMK setzte Volkswagen im ersten Halbjahr 2026 rund 280.000 Fahrzeuge weniger ab. Die Beschäftigtenzahl in der Autobranche sank um 5,8 Prozent auf 691.500 Personen, den tiefsten Stand seit 2005. Im gesamten verarbeitenden Gewerbe fielen 144.100 Stellen weg. Zudem schränken laut IMK 42 Prozent der Befragten ihren Konsum aufgrund der aktuellen Sozialstaatsdebatte ein.
Die Beschäftigtenzahl in der Automobilbranche ist um 5,8 Prozent auf 691.500 Personen gefallen, im verarbeitenden Gewerbe fielen 144.100 Stellen weg — und der Maschinenbau erwartet für 2026 das vierte Minusjahr in Folge. Wer Investitions- und Personalentscheidungen absichern muss, findet in diesem Leitfaden die Exportchancen-Liste für den Mittelstand und eine Risiko-Ampel für die Branchen mit dem größten Korrekturbedarf. Exportchancen-Checkliste jetzt sichern
Ein differenziertes Bild zeigt sich im Maschinenbau. Während der Branchenverband VDMA für 2026 das vierte Minusjahr in Folge mit einem realen Produktionsrückgang von 2 Prozent erwartet, hellen sich die Aussichten für 2027 mit einem prognostizierten Plus von 3 Prozent auf.
Laut dem Statistischen Bundesamt stieg der Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe im Juli 2026 real um 1,5 Prozent gegenüber dem Vormonat. Besonders im sonstigen Fahrzeugbau (+3,9 Prozent) und im Maschinenbau (+0,8 Prozent) gab es Zuwächse, während die Autoindustrie ein Minus von 1,7 Prozent verbuchte.
