Gasspeicher, Katherina Reiche

Gasspeicher: Reiche weist Sefe zu zusätzlicher Einspeicherung an

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 15:38 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche weist das bundeseigene Unternehmen Sefe an, bis Mitte Dezember zusätzlich 8 Terawattstunden Erdgas zu beschaffen und einzuspeichern. Die Maßnahme soll angesichts niedriger Speicherstände und geopolitischer Risiken die Versorgung im Winter absichern.

  • Wirtschaftsministerin Reiche: «Wir haben Vorkehrungen getroffen für jedes Szenario.» - Bild: Fabian Sommer/dpa
    Wirtschaftsministerin Reiche: «Wir haben Vorkehrungen getroffen für jedes Szenario.» - Bild: Fabian Sommer/dpa
  • Speicher in Rehden. - Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa
    Speicher in Rehden. - Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa
  • Kommt eine neue Umlage? - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
    Kommt eine neue Umlage? - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
  • Die Füllstände der Speicher sind niedrig. - Bild: Peter Kneffel/dpa
    Die Füllstände der Speicher sind niedrig. - Bild: Peter Kneffel/dpa
Wirtschaftsministerin Reiche: «Wir haben Vorkehrungen getroffen für jedes Szenario.» - Bild: Fabian Sommer/dpa Speicher in Rehden. - Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa Kommt eine neue Umlage? - Bild: Bernd Weißbrod/dpa Die Füllstände der Speicher sind niedrig. - Bild: Peter Kneffel/dpa

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) weist das bundeseigene Energieunternehmen Sefe an, bis zum 15. Dezember zusätzlich 8 Terawattstunden Erdgas zu beschaffen und einzuspeichern.

Staatliche Vorsorge wegen geopolitischer Risiken

Die Anweisung erfolge in Absprache mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), teilte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums mit. Hintergrund seien die anhaltenden geopolitischen Risiken und die Sorge, dass sich die Lage weiter zuspitzen könnte.

Der Iran blockiert im Konflikt mit den USA den Verkehr durch die für den weltweiten Öl- und Gashandel wichtige Straße von Hormus weitgehend. Die Ministeriumssprecherin erklärte, der Bedarf für eines der vorbereiteten Instrumente zur Krisenvorsorge sei nun eingetreten.

Sefe erhält konkreten Beschaffungsauftrag

Ein Sefe-Sprecher bestätigte den Auftrag. Das Unternehmen werde selbst entscheiden, welche Mengen zu welchem Zeitpunkt eingespeichert würden, und die zusätzlichen Lieferungen beschaffen.

Die deutschen Gasspeicher haben insgesamt ein Volumen von rund 247 Terawattstunden. Aktuell sind sie zu knapp 58 Prozent gefüllt. Händler kaufen Gas normalerweise im Sommer, wenn die Preise niedriger sind, und verkaufen es im Winter weiter.

Hohe Preise erschweren Befüllung

Wegen der geopolitischen Krise sind die Großhandelspreise gestiegen. Dadurch ist die Einspeicherung wirtschaftlich weniger attraktiv, weil Gas derzeit teurer eingekauft werden muss, als es nach den Erwartungen für den Winter verkauft werden kann.

Die Erwartung an alle anderen Marktteilnehmer, ihren Verpflichtungen zur Befüllung für den Winter nachzukommen, bleibe unverändert bestehen. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft begrüßte die zusätzliche staatliche Absicherung und verwies auf LNG-Terminals sowie Pipeline-Lieferungen, insbesondere aus Norwegen.

Grüne kritisieren spätes Handeln

Der Grünen-Energiepolitiker Michael Kellner bezeichnete die Maßnahme als überfällig und bezweifelte, dass sie ausreiche. Reiche hatte vor drei Wochen im Bundestag erklärt, die Regierung habe Vorkehrungen für jedes Szenario getroffen.

In einem Bericht des Wirtschaftsministeriums für den Bundestag hatte es Mitte September geheißen, nach damaligem Erkenntnisstand sei eine Gasmangellage im kommenden Winter nicht zu erwarten. Bereits damals hatte das Ministerium Gespräche mit Sefe über zusätzliche Einspeicherung geführt; eine förmliche Anweisung lag zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor.

Strategische Gasreserve ab 2027 geplant

Reiche plant zusätzlich eine strategische Gasreserve. Nach einer entsprechenden Gesetzesänderung soll ihr Aufbau 2027 beginnen. Wie die Reserve finanziert wird, ist noch offen: Im Gespräch sind eine Umlage über die Gaskunden, Mittel aus dem Bundeshaushalt oder ein Mischmodell.

Sefe hieß früher Gazprom Germania und war eine Tochter des russischen Staatskonzerns Gazprom. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine und der Energiekrise wurde das Unternehmen verstaatlicht; nach Vorgaben der EU-Kommission muss der Bund Sefe bis Ende 2028 weitgehend privatisieren.

Niedrige Speicherstände erhöhen den Vorsorgedruck

Die deutschen Gasspeicher sind mit knapp 58 Prozent deutlich weniger gefüllt als in den vergangenen Jahren. Damit steht vor der Heizperiode weniger physischer Puffer zur Verfügung. Nach Einschätzung des Leipziger Gashändlers VNG reicht die vorhandene Menge für einen normalen Winter; längere Kälteperioden, geringere Importe oder technische Ausfälle könnten die Lage jedoch verschärfen.

Die zusätzliche Beschaffung durch Sefe ist deshalb vor allem eine staatliche Vorsorgemaßnahme. Sie soll einen Teil des Risikos abfedern, das aus hohen Weltmarktpreisen und unsicheren LNG-Lieferungen entsteht. Zugleich bleibt Deutschland auf laufende Importe angewiesen: Flüssiggas-Terminals, Pipeline-Lieferungen und die Beschaffung der übrigen Marktteilnehmer müssen gemeinsam zur Versorgung beitragen.

Preise und EU-Vorgaben

Die geopolitische Krise wirkt unmittelbar auf den Gasmarkt. Eine anhaltende Blockade der Straße von Hormus kann LNG verteuern und den Wettbewerb Europas mit asiatischen Abnehmern verschärfen. Niedrige Speicherstände bedeuten dann nicht automatisch eine Mangellage, erhöhen aber die Kosten und verringern den Spielraum bei einer unerwartet hohen Nachfrage.

Auf EU-Ebene gelten weiterhin Befüllungsvorgaben, zugleich wurde den Mitgliedstaaten angesichts der hohen Preise mehr Flexibilität eingeräumt. Deutschland plant darüber hinaus eine strategische Gasreserve, deren Aufbau nach einer Gesetzesänderung 2027 beginnen soll. Offen ist, ob dafür Gaskunden, der Bundeshaushalt oder ein Mischmodell aufkommen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

MDR: „Entwickelt in Bayern, gebaut bei Leipzig: Flugzeugproduktion startet am Flughafen Leipzig/Halle“ (30.09.2026)

Der Beitrag ordne ein, die Gasvorräte reichten nach Einschätzung des Leipziger Händlers VNG für einen normalen Winter. Zugleich hebe er hervor, bei lang anhaltender Kälte, geringeren Importen oder technischen Problemen könnten Schwierigkeiten entstehen; zusätzlich seien höhere Heizkosten möglich. Damit bestätige der Bericht die Vorsorgeentscheidung, setze den Schwerpunkt aber auf die Einschätzung der grundsätzlichen Versorgungssicherheit.

Euronews: „Geht uns das Gas aus? So sicher ist die EU für den Winter“ (28.09.2026)

Der Bericht beschreibe die europäischen Speicherstände als niedrig und verweise auf den teuren Wettbewerb um LNG. Zugleich schreibe er, die EU-Kommission sehe derzeit kein unmittelbares Risiko für die Versorgungssicherheit und erlaube mehr Flexibilität bei den Befüllungszielen. Anders als der MDR-Beitrag betone Euronews stärker die europäische Dimension, die Preisrisiken und mögliche Folgen für den Strommarkt.

Beide Beiträge stellten keine unmittelbare Gasmangellage fest. Unterschiede gebe es beim Schwerpunkt: Während der MDR die normale Winterversorgung in Deutschland hervorhebe, richte Euronews den Blick auf geopolitische Risiken, EU-Regeln und steigende Beschaffungskosten.

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