Wirtschaftskammer Österreich: 200 Stellen bis Ende 2027 gestrichen
03.06.2026 - 12:31:22 | boerse-global.deDie Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) baut massiv um: 200 von 800 Vollzeitstellen am Wiener Hauptsitz fallen bis Ende 2027 weg. Das gab Präsidentin Martha Schultz am Dienstag bekannt.
Einsparungen von 100 Millionen Euro jährlich
Ziel der Reform ist es, die Mitgliedsbeiträge zu senken. Ab 2030 sollen jährlich 100 Millionen Euro eingespart werden. Das Geld stammt aus einer Analyse der Unternehmensberatung KPMG. Die Entlastung soll vor allem über die Senkung der „Kammerumlage 2“ (KU2) an die Unternehmen weitergegeben werden.
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Der Stellenabbau betrifft ein Viertel der Belegschaft der Bundesorganisation. Er beginnt in der zweiten Jahreshälfte 2026 und erfolgt schrittweise. Ausgenommen sind Lehrlinge und Auszubildende. Auch die Fachverbände und Tochtergesellschaften bleiben verschont. Die neun Landeskammern müssen jedoch eigene Sparmaßnahmen prüfen.
Insgesamt beschäftigt die WKÖ rund 5.500 Mitarbeiter und erzielt jährliche Einnahmen von über 1,3 Milliarden Euro.
Führungsebene wird verschlankt
Die Reform greift tief in die Struktur der Kammer ein. Das Generalsekretariat wird von vier auf zwei Mitglieder verkleinert. Generalsekretärin Eva-Maria Liebmann wechselt zur Steirischen Wirtschaftskammer – ihre Position wird nicht neu besetzt. Thomas Spann übernimmt die Leitung des Transformationsprozesses.
Neben dem Personalabbau stehen auch Projekte auf der Streichliste. Die digitale Schulungsplattform „Wise up“ wird eingestellt. Auch der Thinktank „Oecolution“, einst von einem Regierungsstaatssekretär gegründet und von der Kammer finanziert, wird geschlossen. Die WKÖ will sich künftig auf ihre Kernaufgaben konzentrieren.
Betriebsrat kritisiert fehlenden Sozialplan
Die Ankündigung sorgt für Unmut in der Belegschaft. Nach einer Betriebsversammlung am Mittwoch sprach Betriebsratschef Andreas Taust von einer „extrem gedrückten Stimmung“. Ein Sozialplan für die 200 betroffenen Mitarbeiter liege noch nicht vor.
Der Betriebsrat wirft der Führung vor, nicht rechtzeitig eingebunden worden zu sein. Präsidentin Schultz betont, der Stellenabbau erfolge „sozialverträglich“ – durch natürliche Fluktuation und Pensionierungen. Konkrete Details zu Abfindungen oder Unterstütungsangeboten fehlen jedoch.
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Politik fordert weitergehende Reformen
Die Reaktionen aus der Politik fallen gemischt aus. FPÖ, Grüne und NEOS begrüßen den Bürokratieabbau grundsätzlich, halten die Maßnahmen aber für unzureichend.
Die Grünen verweisen auf ein Einsparpotenzial von 175 Millionen Euro bei einer umfassenderen Konsolidierung. FPÖ und NEOS kritisieren, dass die Kürzungen vor allem die Bundesorganisation in Wien treffen – die neun Landeskammern blieben weitgehend unangetastet. Zudem profitiere die Entlastung über die KU2 nicht von den 95 Prozent der Kammer-Mitglieder, die als Einzelunternehmer tätig sind.
Der Reformprozess fällt in eine Phase des Führungswechsels: Ex-Präsident Harald Mahrer war im November 2025 zurückgetreten. Zudem prüft der Rechnungshof derzeit die Finanzen der Organisation.
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