Hagelversicherung, Jahresbilanz

Wien - Rekorde werden durch Erderwärmung zur traurigen Normalität: 250 Millionen Euro Gesamtschaden in der österreichischen Landwirtschaft im heurigen Jahr.

29.12.2023 - 08:30:50

Hagelversicherung – Jahresbilanz 2023: Erderwärmung bringt massive Zunahme an Schäden

Das Jahr 2023 geht in Österreich gemeinsam mit dem Jahr 2018 als das wärmste Jahr in die 256-jährige Messgeschichte ein. Die Konsequenzen der Erderwärmung durch die steigende Treibhausgaskonzentration sind fatal und treffen vor allem die Landwirtschaft mit ihrer Werkstatt unter freiem Himmel: „Frost, Hagel, Sturm, Überschwemmung und vor allem Dürre verursachten heuer einen Gesamtschaden in der österreichischen Landwirtschaft von 250 Millionen Euro. Rund 70 Prozent davon, also 170 Millionen Euro, sind auf die Dürre zurückzuführen“, zieht Dr. Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung, Bilanz über das Jahr 2023 und ergänzt: „Die rekordbrechenden Temperaturen werden in Zukunft keine Ausnahme mehr darstellen, sondern zur Normalität werden, wenn wir die Erderwärmung nicht in den Griff bekommen. Die Folgen des Klimawandels in Form der zunehmenden Naturkatastrophen führen zu großen ökologischen, wirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Schäden. Es braucht daher rasch ein gesellschaftspolitisches Umdenken.“

2023: Von Frost über Hagel, Sturm und Überschwemmung zu massiver Dürre

Die erste Jahreshälfte war für die heimische Landwirtschaft sehr herausfordernd: Einem verfrühten Vegetationsbeginn durch einen milden März folgte ein relativ kühler April. Die Folge des Temperatursturzes Anfang April waren schwere Frostschäden an Obstkulturen in der Höhe von 35 Millionen Euro, insbesondere in der Steiermark. Sehr niederschlagsintensive Wochen, vor allem im Osten und Süden Österreichs, führten sowohl im April als auch im Juli zu schweren Überschwemmungen. Ebenso kam es zu Hagel- und Sturmschäden an landwirtschaftlichen Kulturen. In Summe entstand durch diese Wetterextreme ein Schaden von 45 Millionen Euro an landwirtschaftlichen Kulturen. Das dominierende Thema war aber in den Sommermonaten die extreme Dürre, vor allem im Norden und Westen Österreichs. So folgten dem siebent wärmsten Sommer der Messgeschichte der heißeste September und Oktober seit Beginn der Aufzeichnungen. In Summe entstand durch den fehlenden Niederschlag und durch eine Vielzahl an Tagen mit Temperaturen jenseits der 30 °C ein Dürreschaden von 170 Millionen Euro, unter anderem an Maiskulturen und dem Grünland. Der November war einer der fünf niederschlagsreichsten November der Messgeschichte, im Dezember war vor allem der Sturm das dominierende Thema. Insgesamt entstand somit in der Landwirtschaft im Jahr 2023 ein Gesamtschaden von 250 Millionen Euro.

Der Klimawandel kostet viel Geld und bringt viele Gefahren

Rekorde sind an sich ein Zeichen von Höchstleistungen und führen zu Bewunderung. Nicht so bei der globalen Temperatur, wo jährlich Rekorde gebrochen werden. So wird 2023 nach Einschätzung der Weltwetterorganisation (WMO) weltweit als das wärmste Jahr seit der Industrialisierung in die Geschichte eingehen. „Der Mensch hat bei einer Temperaturabweichung von 2 °C Fieber und ist krank. Das gleiche gilt auch für unseren Planeten Erde. Wenn wir das Paris-Ziel von 1,5 °C nicht erreichen, werden die Schäden durch Wetterextremereignisse weiter ansteigen. Somit ist auch die landwirtschaftliche Produktion in Österreich massiv gefährdet. Global, kontinental und national sind daher konsequente Klimaschutzmaßnahmen erforderlich. So muss nach dem Pariser Klimaabkommen jedes einzelne Land seinen Beitrag leisten. Die Umsetzung der von der Wissenschaft seit langem geforderten Maßnahmen zur Reduktion der CO2-Emissionen durch weitere Investitionen in den Ausbau erneuerbarer Energieträger und die weitere Forcierung des öffentlichen Verkehrs, ist in Österreich ein Gebot der Stunde. Alles andere ist altes Denken. Außerdem drohen Österreich, wie der Rechnungshof festgestellt hat, Strafzahlungen in Höhe von bis zu 9 Milliarden Euro, wenn die Klimaziele verfehlt werden“, so Weinberger.

Nicht nur mehr Klimaschutz ist dringend erforderlich, sondern auch mehr Bodenschutz

Zur Verbesserung der Klimabilanz ist Österreich aber auch gefordert das größte hausgemachte Umweltproblem, den Bodenverbrauch, in den Griff zu bekommen. Mehr als 11 Hektar Äcker und Wiesen werden täglich durch Verbauung zerstört. Durch diese grob fahrlässige Umweltzerstörung werden nicht nur die heimische Lebensmittelversorgung und das Leben von Menschen, Tieren und Pflanzen gefährdet. Außerdem nehmen dadurch Überschwemmungsschäden massiv zu, da Wasser bei Starkniederschlägen nicht versickern kann. Das wurde uns auch heuer wieder an vielen Orten Österreichs vor Augen geführt. Letztlich ist Bodenschutz durch die CO2-Speicherung auch Klimaschutz und daher für uns alle überlebenswichtig. Eines muss uns nämlich bewusst sein: Nur ein stabiler Agrarsektor mit ausreichend Böden ist auf Dauer in der Lage regionale Lebensmittel zu produzieren. Daher sage ich als Finanzmanager: Wir brauchen jetzt konsequente Änderungen beim globalen Klimaschutz. Wir müssen aber auch beim Bodenverbrauch in Österreich das alte Denken beenden und die Böden vor Verbauung schützen. Ansonsten steht vieles – wie beim Klimawandel – zur Disposition", so Weinberger abschließend.

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