Europa, Deutschland

Studie: Gas-Export in EU beschert Putin Milliardeneinnahmen

30.09.2025 - 10:54:54 | dpa.de

Welchen Anteil tragen Unternehmen aus der EU daran, dass Russland seinen Krieg gegen die Ukraine führen kann? Eine Studie analysiert LNG-Geschäfte - das Ergebnis ist auch für Deutschland unangenehm.

  • EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat US-Präsident Donald Trump in Aussucht gestellt, dass EU-Unternehmen künftig noch mehr LNG in Amerika kaufen. (Archivbild) - Foto: Evan Vucci/AP/dpa
    EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat US-Präsident Donald Trump in Aussucht gestellt, dass EU-Unternehmen künftig noch mehr LNG in Amerika kaufen. (Archivbild) - Foto: Evan Vucci/AP/dpa
  • Solche Shahed-Drohnen sorgen in der Ukraine regelmäßig für erhebliche Zerstörungen und Todesopfer. (Archivbild) - Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa
    Solche Shahed-Drohnen sorgen in der Ukraine regelmäßig für erhebliche Zerstörungen und Todesopfer. (Archivbild) - Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa
  • Unternehmen aus der EU importieren noch immer russisches LNG im Milliardenwert. (Archivbild) - Foto: Uncredited/AP/dpa
    Unternehmen aus der EU importieren noch immer russisches LNG im Milliardenwert. (Archivbild) - Foto: Uncredited/AP/dpa
'.$caption.' '.$caption.' '.$caption.'

Russland profitiert nach einer Studie der Umweltschutzorganisation Greenpeace noch immer in erheblichem Maße von Energiegeschäften mit Unternehmen aus Deutschland und anderen EU-Staaten. Allein in den ersten acht Monaten dieses Jahres seien 12,8 Milliarden Kubikmeter (bcm) russisches Flüssigerdgas (LNG) in die EU importiert worden, heißt es in einer kurz vor einem EU-Gipfel in Kopenhagen veröffentlichten Untersuchung. 

Im ganzen Jahr 2021, also vor dem Beginn von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine, seien es 15,9 Milliarden Kubikmeter LNG gewesen. Deutlich zurückgegangen sind demnach nur die Lieferungen von Pipeline-Gas aus Russland.

Nach Schätzungen von Greenpeace hat allein das russische Unternehmen Yamal LNG in den Jahren zwischen 2022 und 2024 insgesamt 40 Milliarden US-Dollar (34 Mrd. Euro) eingenommen und davon rund 9,5 Milliarden US-Dollar an Gewinnsteuer in die russische Staatskasse abgeführt. Als wichtigste Kunden in der EU nennt die Organisation den französischen Ölkonzern Total, das bundeseigene deutsche Energieunternehmen Sefe sowie die spanische Naturgy.

Demnach steuerte Total schätzungsweise 2,5 Milliarden US-Dollar zu den Gewinnsteuern des russischen Staates bei, Sefe 1,45 Milliarden US-Dollar und Naturgy 1,25 Milliarden US-Dollar. Mit jeweils dreistelligen Millionenbeträgen folgten dann Engie (Frankreich), Shell (UK/Niederlande) sowie das in Zypern registrierte Unternehmen Gunvor.

Milliarden für die russische Kriegskasse

Von den 9,5 Milliarden Dollar Gewinnsteuer habe Russland schätzungsweise 271.000 Angriffsdrohnen vom iranischen Bautyp Shahed, 2.686 T-90M-Kampfpanzer oder 9,5 Millionen 152-mm-Artilleriegeschosse kaufen können, kritisierte Greenpeace. Die Menge der Artilleriegeschosse entspreche etwa drei Jahren der aktuellen russischen Jahresproduktion von drei Millionen Schuss. Bei den Drohnen gehe es um eine Menge, die etwa 271 Mal größer sei als die, die Russland im Frühjahr in einer Woche gegen die Ukraine eingesetzt habe.

Als besonders problematisch sehen die Autoren, dass die vier wichtigsten russischen LNG-Importländer Frankreich, Spanien, Belgien und die Niederlande den Zahlen zufolge von 2022 bis Juni 2025 mehr Geld für den Import von russischem LNG ausgaben, als sie der Ukraine im gleichen Zeitraum an bilateraler Hilfe bereitstellten. Sie importierten demnach russisches LNG im Wert von 34,3 Milliarden Euro, während sie 21,2 Milliarden Euro an bilateraler Unterstützung für die Ukraine bereitstellten.

Bemerkt wird zudem, dass der französische Konzern Totalenergies einen 20 Prozent-Anteil an Yamal LNG und einen Anteil von 19,4 Prozent an der Muttergesellschaft Novatek hält. Demnach profitierte das Unternehmen während der Energiekrise erheblich von diesen Beteiligungen. Seit 2022 habe TotalEnergies schätzungsweise 5,06 Milliarden US-Dollar an Dividenden aus Yamal LNG sowie zusätzliche 1,74 Milliarden US-Dollar an Dividenden aus Novatek erhalten, schreiben die Autoren.

Bundeswirtschaftsministerium verweist auf Vertragsbedingungen

Europäische Energieunternehmen erklären ihre fortgesetzten Geschäfte mit Yamal LNG insbesondere mit dem Bedarf und/oder langfristigen Verträgen. Das gilt auch für das deutsche Unternehmen Sefe, das früher Gazprom Germania hieß, eine Tochter des russischen Staatskonzerns Gazprom war und als Folge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und der Energiekrise in Deutschland verstaatlicht wurde. Es ist bis 2038 an Yamal gebunden.

Eine Sprecherin des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie in Berlin erklärte am Dienstag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, gemäß den sogenannten «Take or Pay»-Bedingungen des bestehenden Altvertrags müsste Sefe für die vereinbarten Mengen zahlen, selbst wenn diese nicht abgenommen würden. Auch würde es die Nichtabnahme Yamal ermöglichen, diese Mengen erneut zu verkaufen, was die russische Wirtschaft dann doppelt unterstützen würde. Zudem betonte die Sprecherin, dass Deutschland mittlerweile unabhängig von russischem Gas sei und das von Sefe gekaufte LNG nicht auf dem deutschen Markt lande.

Umweltschützer sehen Weg aus Gasfalle

In ihren Schlussfolgerungen zu der Untersuchung kritisieren die Greenpeace-Experten, die noch immer bestehende Abhängigkeit von russischem LNG fülle direkt die Kriegskasse von Kremlchef Wladimir Putin und bedrohe Frieden und Sicherheit in Europa. Gleichzeitig sorge der verstärkte Import von US-Gas dafür, dass sich Europa der politischen Agenda von US-Präsident Donald Trump aussetze, der sich zunehmend als unzuverlässiger Partner erweise.

Der einzige Ausweg aus der «Gasfalle» bestehe darin, dass Europa seine Abhängigkeit von fossilem Gas beende, indem es auf ein Energiesystem umstelle, das auf heimischer, erneuerbarer Energie basiere.

Eine solche Entwicklung ist bislang allerdings nicht in Sicht. Zwar hat die EU-Kommission jüngst vorgeschlagen, die Einfuhr von russischem LNG in die EU spätestens Anfang 2027 komplett zu stoppen und Unternehmen Sicherheiten für den Fall von möglichen Schadenersatzforderungen wegen nicht erfüllter langfristiger Verträge zu geben. Zugleich wurde allerdings US-Präsident Trump in Aussicht gestellt, dass amerikanisches LNG entstehende Lücken füllen könnte.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!

Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Trading-Empfehlungen – dreimal die Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für immer kostenlos

wirtschaft | 68235424 |

Weitere Meldungen

Interne Chats belegen Kooperation von Webers EVP mit Rechten. Eine WhatsApp-Gruppe und ein Treffen lassen daran Zweifel aufkommen. Die Brandmauer zur AfD stehe auch im Europaparlament - das beteuerte CSU-Politiker Manfred Weber noch vor kurzem. (Ausland, 14.03.2026 - 13:54) weiterlesen...

Merz will EU-Einreiseverbot für russische Ukraine-Kämpfer. Auch in der EU werden sie als Gefahr gesehen. Nun soll es Konsequenzen geben. Kreml-Chef Wladimir Putin schickt Hunderttausende Soldaten in den Krieg gegen die Ukraine. (Ausland, 14.03.2026 - 05:10) weiterlesen...

Deutschlands ESC-Beitrag nicht mehr in Top 100. Sie ist nun aber erst mal wieder raus aus den Charts. Eine andere ESC-Teilnehmerin sorgte diese Woche ohnehin für mehr Gesprächsstoff. Sarah Engels vertritt Deutschland beim Eurovision Song Contest. (Unterhaltung, 14.03.2026 - 00:03) weiterlesen...

Immer mehr gestrandete Reisende zurück in Deutschland BERLIN/FRANKFURT/DUBAI - Immer mehr Menschen, die wegen des Iran-Kriegs im Nahen Osten gestrandet waren, konnten inzwischen wieder nach Deutschland und Europa zurückkehren. (Boerse, 12.03.2026 - 18:43) weiterlesen...

Piloten streiken: Hunderte Flugausfälle bei der Lufthansa. Die Gewerkschaft spricht von einer stärkeren Wirkung als erwartet. Am ersten Tag des Pilotenstreiks fallen in Frankfurt und München Hunderte Flüge aus. (Politik, 12.03.2026 - 12:52) weiterlesen...

Trotz Havertz-Tor: Bayer 04 glaubt an seine Chance in London. Kapitän Andrich blickt zuversichtlich Richtung London. Der Bayer-Geschäftsführer spricht über eine mögliche Havertz-Rückkehr. Havertz trifft gegen seinen Ex-Club, doch Bayer bleibt kämpferisch. (Sport, 12.03.2026 - 11:39) weiterlesen...