Weiterbildung: Nur 29% der Betriebe haben schriftliche Strategie
Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 09:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine aktuelle Untersuchung des TÜV-Verbands offenbart eine deutliche Diskrepanz zwischen der wahrgenommenen Bedeutung von Fortbildungen und ihrer tatsächlichen organisatorischen Verankerung. Während der Fachkräftemangel zunimmt und generative Künstliche Intelligenz (KI) in die Arbeitswelt drängt, fehlt es in der Mehrheit der Betriebe an schriftlich fixierten Qualifizierungsstrategien.
Nach einer am 26. August 2026 veröffentlichten Studie des TÜV-Verbands messen 87 Prozent der Unternehmen der beruflichen Weiterbildung eine hohe Bedeutung bei. Dennoch verfügen lediglich 29 Prozent der Betriebe über eine schriftlich geregelte Weiterbildungsstrategie. Die Datenerhebung basiert auf einer forsa-Befragung von 500 Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitenden, die im Zeitraum vom 26. Januar bis zum 11. März 2026 durchgeführt wurde.
Begrenzte Ressourcen für Mitarbeiterentwicklung
Die Investitionsbereitschaft und die zeitlichen Freistellungen für Qualifizierungsmaßnahmen bewegen sich laut den Studienergebnissen auf einem moderaten Niveau. Demnach gewähren 74 Prozent der befragten Unternehmen ihren Beschäftigten lediglich einen bis fünf Weiterbildungstage pro Jahr. Finanziell investieren 65 Prozent der Betriebe maximal 1.000 Euro pro Mitarbeiter und Jahr in entsprechende Maßnahmen.
Diese Zurückhaltung kollidiert mit der zunehmenden Personalknappheit. Die IHK Düsseldorf beziffert den aktuellen Fachkräftemangel in der Region auf 51.000 Personen und prognostiziert einen Anstieg auf 110.000 bis zum Jahr 2034. Auch in Baden-Württemberg verschärft sich die Lage: Die dortige IHK meldete am 27. August 2026 für den aktuellen Zeitraum 31.413 neue Ausbildungsverträge, was einem Rückgang von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Fachkräftelücke im Bundesland liege derzeit bei 143.000 und könne bis 2035 auf 373.000 anwachsen.
Qualifizierungslücke bei Künstlicher Intelligenz
Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Laut TÜV-Verband nutzen bereits 56 Prozent der Unternehmen generative KI, jedoch schulen nur 27 Prozent ihre Belegschaft gezielt im Umgang damit. Dabei priorisieren 72 Prozent der Betriebe anwendungsnahe KI-Fähigkeiten.
Eine zeitgleich veröffentlichte Studie von KPMG unter 480 Entscheidern zeichnet ein differenziertes Bild: Während 98 Prozent der dort Befragten angaben, über eine KI-Strategie zu verfügen – ein massiver Anstieg gegenüber rund 33 Prozent vor zwei Jahren –, werde die Technologie nur in 39 Prozent der Fälle aktiv durch das Top-Management gesteuert. Zudem gaben 65 Prozent an, dass ihre Strategie durch den EU AI Act beeinflusst werde.
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Der „KI-Monitor 2026“ der TU Darmstadt unterstreicht das Defizit auf Ebene der Beschäftigten. Nur 15 Prozent der Befragten haben bisher ein KI-Training absolviert. Unter Erwerbstätigen liegt dieser Anteil bei 23,2 Prozent, während er bei Arbeitssuchenden lediglich 4 Prozent beträgt. Gleichzeitig nehme mit steigendem KI-Verständnis die Sorge um den Arbeitsplatz zu.
Förderangebote und betriebliche Initiativen
Um die Qualifizierungslücke zu schließen, verweisen Wirtschaftsverbände auf staatliche Unterstützung. Der Branchenverband Bitkom veröffentlichte am 26. August 2026 einen Leitfaden zum Qualifizierungschancengesetz. Dieses bietet Förderungen insbesondere für kleine Firmen, ältere Beschäftigte oder zum Nachholen von Berufsabschlüssen an. Voraussetzung sei unter anderem, dass die Schulungen mindestens 120 Stunden à 45 Minuten umfassen.
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Auch regionale Akteure bauen ihre Angebote aus. Das IHK-Forum in Düsseldorf bietet rund 20 KI-Lehrgänge an, wobei die Kosten zwischen 2.000 und 3.500 Euro pro Teilnehmer liegen. Nachdem 2025 knapp 250 Personen teilnahmen, wird für 2026 eine Verdopplung der Teilnehmerzahl erwartet.
Großunternehmen wie Rheinmetall setzen ebenfalls auf eigene Infrastrukturen. Im Zuge von Investitionen über 260 Millionen Euro am Standort Kassel plant der Konzern ein neues Logistikzentrum sowie ein Drohnen-Testzentrum, das auch 1.200 Quadratmeter Schulungsfläche umfasst. Ziel ist die Schaffung von mehr als 1.000 neuen Arbeitsplätzen, was die strategische Verknüpfung von Standortausbau und Qualifizierung unterstreicht.
