Wasserstoff-Membranen: Evonik senkt Produktionskosten um 25 Prozent
10.06.2026 - 19:29:48 | boerse-global.de
Die unter dem Namen Duraion geführte Technologie soll die Produktionskosten für grünen Wasserstoff deutlich senken. Das Besondere: Das Verfahren kommt ohne Edelmetalle aus und erzeugt Wasserstoff direkt unter Druck. Fachstudien beziffern das Einsparpotenzial bei den Investitionskosten auf mindestens 25 Prozent.
Die Kapazität der neuen Beschichtungsanlage reicht laut Unternehmensangaben aus, um jährlich Membranen für eine Elektrolyseleistung von bis zu 2,5 Gigawatt bereitzustellen. Das entspricht etwa einem Viertel der für 2030 in Deutschland angestrebten Kapazität. Parallel dazu eröffnete Evonik ein Technologiezentrum in Shanghai, um die internationale Anwendung der AEM-Elektrolyse voranzutreiben.
Derzeit liegen die Kosten für grünen Wasserstoff noch um das Zwei- bis Vierfache über denen der fossilen Erzeugung. Die neue Membran-Technologie soll diesen Abstand verkleinern.
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Neue Testplattform für die Zementindustrie
Auch die Baustoffbranche treibt den Klimaschutz voran. In Martres-Tolosane hat der Zementhersteller Holcim die Testplattform CaptureLab in Betrieb genommen. Auf der industriellen Forschungsanlage werden reale Emissionen der Zementproduktion analysiert, um verschiedene Abscheidungssysteme unter Praxisbedingungen zu testen.
Als erster Partner startete Air Liquide dort eine Pilotanlage namens Cryocap FG. Das Verfahren nutzt Kryotechnik – also eine Trennung bei extrem niedrigen Temperaturen – um eine CO2-Rückgewinnungsrate von mehr als 95 Prozent aus den Rauchgasen zu erreichen. Die Anlage arbeitet lösungsmittelfrei und wird ausschließlich mit elektrischer Energie betrieben. Dank modularer Bauweise soll die Technologie flexibel an verschiedenen Standorten einsetzbar sein.
Rückschläge bei CCS-Großprojekt in Norwegen
Doch die industrielle Umsetzung bleibt schwierig. Die CCS-Anlage von Heidelberg Materials im norwegischen Brevik – weltweit als Pilotprojekt gehandelt – blieb im ersten Betriebsjahr hinter den Erwartungen zurück. Seit der Inbetriebnahme im Juni 2025 konnte die CO2-Abscheidung nur um 15 Prozent gesenkt werden, obwohl eine Reduktion um 50 Prozent projektiert war.
Statt der geplanten 50 Tonnen CO2 pro Stunde wurden lediglich Raten zwischen 35 und 38 Tonnen erreicht. Konstruktionsfehler und Lecks führten laut Medienberichten zu mehrfachen Betriebsstillständen – unter anderem im Herbst 2025 und im Frühjahr 2026. Vor dem Start stieß die Zementfabrik jährlich rund 800.000 Tonnen Kohlendioxid aus. Experten sehen in den technischen Problemen einen Beleg für die Komplexität der Nachrüstung bestehender Industrieanlagen.
Politische Weichenstellungen und Marktentwicklungen
Flankiert werden die technologischen Bemühungen durch politische Entscheidungen. Die Bundesregierung verabschiedete heute eine neue Luftfahrtstrategie, die Deutschland als führenden Standort für klimaschonende Luftfahrt stärken soll. Teil des Pakets: die Rücknahme der letzten Luftverkehrsteuer-Erhöhung. Das Entlastungsvolumen liegt bei rund 500 Millionen Euro. In der Branche gilt dies als Schritt zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit bei gleichzeitigem Umbau zu synthetischen Kraftstoffen.
Dass die Energiewende in anderen Sektoren bereits an Dynamik gewinnt, zeigen aktuelle Daten. Nahezu drei Viertel der 2025 fertiggestellten Wohngebäude nutzen die Wärmepumpe als primäre Heizquelle. Erdgas spielt in Neubauten mit rund 10 Prozent nur noch eine untergeordnete Rolle – im gesamten Gebäudebestand liegt der Anteil nach Daten des Zensus 2022 allerdings weiterhin bei fast 54 Prozent.
Auch im Stromsektor gibt es Meilensteine. In den USA überholte die Einspeisung aus Photovoltaik im Mai erstmals den Beitrag der Kohlekraftwerke zum Strommix. In Deutschland verzeichnete Thüringen im ersten Quartal 2026 einen Anteil der erneuerbaren Energien von fast 60 Prozent an der Gesamteinspeisung – die Windkraft lieferte den größten Beitrag.
