Wärmepumpen, Mehrfamilienhäuser

Wärmepumpen: 80 Prozent der Mehrfamilienhäuser könnten umsteigen

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Rund 40 Prozent der Mehrfamilienhäuser könnten laut einer Techem-Analyse bereits ohne Heizkörpertausch auf eine Niedertemperaturheizung umsteigen. Mit neuen Heizkörpern steige der Anteil auf etwa 80 Prozent – und Wärmepumpen hätten 2025 im untersuchten Bestand die niedrigsten Raumheizkosten verursacht.

Wie können Mehrfamilienhäuser kostengünstig und umweltfreundlich beheizt werden? Der Energiedienstleister Techem sieht bei einer bestimmten Technik viele Vorteile. (Symbolbild) - Bild: Elisa Schu/dpa
Wie können Mehrfamilienhäuser kostengünstig und umweltfreundlich beheizt werden? Der Energiedienstleister Techem sieht bei einer bestimmten Technik viele Vorteile. (Symbolbild) - Bild: Elisa Schu/dpa

Rund 40 Prozent der Mehrfamilienhäuser in Deutschland sind laut einer Techem-Studie bereits ohne Heizkörpertausch für Niedertemperatur-Heizungen wie Wärmepumpen geeignet.

Großes Potenzial mit begrenztem Umbau

Der Gebäudedienstleister aus Eschborn wertete dafür die Wärmedaten von 1,1 Millionen Wohnungen aus. Wird ein Heizkörpertausch vorgenommen, steigt der Anteil der geeigneten Häuser der Analyse zufolge auf rund 80 Prozent.

Mit Niedertemperaturheizkörpern mit Gebläse liege die Eignung sogar bei etwa 90 Prozent, erklärte ein Sprecher. Nur rund zehn Prozent benötigten größere Umbauten, etwa eine Fußboden- oder andere Flächenheizung sowie zusätzliche Dämmung.

Wärmepumpen mit niedrigsten Raumheizkosten

Nach Angaben aus dem Techem Atlas für Energie, Wärme und Wasser 2026 hatten die mit Wärmepumpen versorgten Mehrfamilienhäuser 2025 unter den betrachteten Heizsystemen die niedrigsten Wärmekosten pro Quadratmeter. Die Verbrauchskosten seien seit 2021 weitgehend stabil geblieben, während konventionelle Heizungen deutliche Anstiege verzeichnet hätten.

Im Durchschnitt zahlten Haushalte mit Wärmepumpe demnach 8,80 Euro je Quadratmeter für die Raumheizung. Bei Pelletheizungen waren es 9,36 Euro, bei Ölheizungen 12,97 Euro, bei Erdgas 13,92 Euro und bei Fernwärme 16,02 Euro.

Deutliche Unterschiede zwischen Regionen

Die Heizkosten unterschieden sich regional stark. Am teuersten war Heizen laut Untersuchung im Saarland mit durchschnittlich 14,50 Euro je Quadratmeter, gefolgt von Schleswig-Holstein mit 12,77 Euro und Hessen mit 12,76 Euro.

Berlin wies mit 10,34 Euro die niedrigsten durchschnittlichen Heizkosten auf. Nordrhein-Westfalen kam auf 10,69 Euro, Bremen auf 10,72 Euro. Unter den Städten lagen Ravensburg mit 13,34 Euro, Reutlingen mit 13,22 Euro und Sömmerda mit 13,10 Euro vorn; in Bielefeld waren es 8,99 Euro. Rheine und Würzburg folgten mit jeweils 9,93 Euro.

Technische Eignung ist nicht gleich Sanierungsfreiheit

Die Studie verschiebt den Blick auf Mehrfamilienhäuser: Für den Umstieg auf eine Wärmepumpe muss nicht automatisch jedes Gebäude vollständig saniert werden. Entscheidend sind die benötigte Vorlauftemperatur, der energetische Zustand des Hauses, die Größe der Heizflächen und die Auslegung der Anlage. Niedertemperatursysteme arbeiten besonders effizient, wenn sie Wärme mit vergleichsweise niedrigen Wassertemperaturen abgeben können.

Für Eigentümergemeinschaften und Wohnungsunternehmen bleibt die Umsetzung dennoch anspruchsvoll. Ein Heizkörpertausch, die Dämmung einzelner Bauteile, die Installation einer geeigneten Wärmequelle und die Abstimmung mit Mietern verursachen Investitionen und benötigen Planung. Die von Techem genannten Verbrauchskosten beschreiben zudem den untersuchten Gebäudebestand; sie sind kein allgemeiner Preisvergleich für jede Wohnung und jede Wärmepumpe.

Heizkosten hängen von mehreren Faktoren ab

Die Unterschiede zwischen den Energieträgern zeigen die Bedeutung der laufenden Kosten für Mieter. Neben dem Preis für Strom, Gas, Öl oder Fernwärme beeinflussen Dämmstandard, Wohnfläche, Witterung, Heizverhalten und die Effizienz der konkreten Anlage die Abrechnung. Sinkende Energiepreise können den Abstand zwischen Systemen zeitweise verändern.

Politisch bleibt der Gebäudebestand ein zentraler Bereich der Wärmewende. Deutschland will bis 2045 klimaneutral werden; zugleich ist die Ausgestaltung der Heizungsregeln 2026 verändert worden. Für Leser bedeutet die Studie vor allem: Eine Wärmepumpe ist auch im Mehrfamilienhaus häufig technisch möglich, die günstigste Lösung lässt sich aber nur nach einer gebäudebezogenen Prüfung und unter Einbeziehung der Investitionskosten bestimmen.

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