Wärmepläne, Großstädte

Wärmepläne: Großstädte müssen bis 30. Juni liefern

12.06.2026 - 19:14:52 | boerse-global.de

Bis Juni 2026 müssen Großstädte ihre Wärmepläne vorlegen. Wärmepumpen und Netzausbau sind zentrale Strategien für die Klimaneutralität.

Wärmepläne: Deutsche Städte treiben klimaneutrale Wende voran
Wärmepläne - Eine futuristische Stadtlandschaft bei Dämmerung mit leuchtenden Fernwärmeleitungen und modernen Wärmepumpen, die Effizienz symbolisieren. 12.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Bis zum 30. Juni 2026 müssen alle deutschen Großstädte ihre Wärmepläne vorlegen. Der gesetzliche Stichtag rückt näher – und die Kommunen arbeiten auf Hochtouren. Kleinere Gemeinden haben noch bis Juni 2028 Zeit. Ziel der bundesweiten Initiative: eine verlässliche Grundlage für den klimaneutralen Umbau der Wärmeversorgung.

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Städte treiben ihre Wärmepläne voran

Viele Städte haben in den vergangenen Wochen entscheidende Schritte gemacht. Der Rat der Stadt Salzgitter beschloss Ende Mai seinen kommunalen Wärmeplan. Er sieht eine treibhausgasneutrale Versorgung bis 2040 vor. Das Dokument enthält detaillierte Bestands- und Potenzialanalysen sowie eine Umsetzungsstrategie, die alle fÜnf Jahre fortgeschrieben wird. Auch Halle (Saale) hat seinen Wärmeplan bereits verabschiedet – ebenfalls mit dem Ziel Klimaneutralität bis 2040.

Andernorts laufen die Arbeiten auf Hochtouren. In Goslar wurde Ende Mai über den aktuellen Stand informiert. Die Fertigstellung ist bis Ende 2026 geplant. Rüsselsheim am Main meldet: Die Bestandsanalyse steht kurz vor dem Abschluss. Erste Ergebnisse der Potenzialanalyse werden für Ende des Jahres erwartet. In Iserlohn endete am 11. Juni die formelle Öffentlichkeitsbeteiligung zum Abschlussbericht der interkommunalen Wärmeplanung – erarbeitet gemeinsam mit der Stadt Hemer.

Wärmepumpen als Schlüsseltechnologie

Eine Analyse von 113 bereits vorliegenden Wärmeplänen durch das Fraunhofer ISE und das Öko-Institut zeigt den technologischen Trend. Wärmepumpen kristallisieren sich als Kerntechnologie der zukünftigen Versorgung heraus. Die Planungen sehen zudem eine deutliche Ausweitung der Wärmenetze vor. Der Anteil der über Netze versorgten Gebäude soll von rund 16 auf etwa 40 Prozent steigen.

Konkrete Projekte sind bereits in der Umsetzung oder Planung:

  • Stuttgart: In Bad Cannstatt erwarb eine Projektgesellschaft eine Verkehrsinsel für den Bau einer Energiezentrale. Wärmepumpen und eine Hackschnitzelanlage sollen rund 950 Wohneinheiten an ein neues Wärmenetz anschließen. Baustart ist Ende 2026 oder spätestens 2027. Die Investitionssumme liegt im zweistelligen Millionenbereich.

  • Hohenwart: In der oberbayerischen Gemeinde startete das bundesweit erste Wasserstoffnetz im Regelbetrieb. Bestehende Gasleitungen versorgen private Haushalte und Gewerbe mit 100 Prozent Wasserstoff. Dafür kommen spezielle Umrüstkits für Brennwertgeräte zum Einsatz.

  • Wehr: Die Stadt plant in Zusammenarbeit mit einem Energiedienstleister die Erweiterung der Nahwärmeversorgung in der Hauptstraße. Die Bauarbeiten sollen im Frühjahr 2027 beginnen.

Kosten und Sanierung: Die großen Hürden

Die Umsetzung der Wärmeplanung ist mit erheblichen finanziellen und baulichen Herausforderungen verbunden. Am Beispiel der Gemeinde Gescher zeigten Experten: Für ein rentables Wärmenetz sind oft Anschlussquoten von über 70 Prozent nötig. Die Umstellungskosten für einzelne Haushalte werden dort auf 10.000 bis 15.000 Euro geschätzt.

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Parallel zur Wärmeplanung rückt der energetische Zustand des Gebäudebestands in den Fokus. Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) weisen darauf hin: Etwa 75 Prozent der Gebäude in Deutschland wurden vor 1977 errichtet und gelten als sanierungsbedürftig. Um die Planungsprozesse zu beschleunigen, stellten die Wissenschaftler einen Prototyp einer KI-gestützten Analyseplattform vor. Sie wertet Gebäudedaten automatisiert aus.

Zusätzlicher Druck entsteht durch die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD). Sie sieht vor: Der Primärenergieverbrauch von Wohngebäuden muss bis 2030 um 16 Prozent sinken, bis 2035 um mindestens 20 Prozent. Ziel ist ein vollständig CO2-neutraler Gebäudebestand bis 2050. Um kommunale Akteure bei den komplexen Ausschreibungs- und Vergabeverfahren zu unterstützen, bietet die Sächsische Energieagentur (SAENA) Ende Juni ein spezialisiertes Fachwebinar an.

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