VW-Werk, Zwickau

VW-Werk Zwickau: Kretschmer schlägt Auffanggesellschaft für Jobs vor

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sachsens Ministerpräsident wirbt für eine neue Gesellschaft, während Opposition und BSW Lohnzugeständnisse ohne Garantien ablehnen.
Weitläufiges, leeres Fabrikgelände mit großen Stahlbauten und Industriehallen unter einem bewölkten Himmel. Illustration mit AI erstellt.

Auf Antrag der Linksfraktion hat sich der Sächsische Landtag in Dresden mit der Zukunft des sächsischen Volkswagen-Standorts Zwickau befasst. Hintergrund der parlamentarischen Auseinandersetzung sind bisherige Planungen des Konzerns, die Fahrzeugfertigung in dem westsächsischen Werk im Jahr 2031 auslaufen zu lassen.

Vor dem Plenum verteidigte Ministerpräsident Michael Kretschmer seinen Vorschlag zur Sicherung der Arbeitsplätze gegen deutliche Kritik aus der Opposition.

Kretschmers Vorstoß für eine Auffanggesellschaft

Der CDU-Regierungschef wirbt für die Gründung einer eigenständigen Auffanggesellschaft unter dem Namen Autounion Sachsen GmbH, die das von einer Schließung bedrohte Werk übernehmen könnte. Kretschmer begründete seine Initiative im Parlament damit, dass ein reines Abwarten den schleichenden Niedergang des Standorts Zwickau-Mosel bedeuten würde.

Sein Konzept sieht neben einer gesellschaftsrechtlichen Neuordnung auch ein neues Arbeitszeitmodell, einen innovativen Tarifvertrag sowie eine geringere Vergütung vor. Kretschmer kündigte an, zeitnah das Gespräch mit den Gewerkschaften und dem Betriebsrat suchen zu wollen, und wies entsprechende Vorwürfe der Fraktion Die Linke zurück.

Aus den Reihen der eigenen Partei betonte der CDU-Abgeordnete Kay Ritter, dass in erster Linie das Management in der Verantwortung stehe. Der Konzern müsse sich klar zum Fortbestand des Standorts bekennen.

Widerspruch aus der Opposition und Forderung nach Garantien

Die Linksfraktion trat in der Plenardebatte unter der Losung an, dass Lohnkürzungen keine Lösung seien und die sächsischen Standorte gemeinsam mit den Beschäftigten gerettet werden müssten. Die Linken-Politikerin Susanne Schaper kritisierte den Vorstoß des Ministerpräsidenten und erklärte, reines Kümmern stelle noch kein tragfähiges Konzept dar. Schaper forderte einen direkten Dialog mit der Belegschaft.

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Skepsis äußerte auch das Bündnis Sahra Wagenknecht. Der BSW-Abgeordnete Bernd Rudolph verlangte einen klaren Nachweis für den wirtschaftlichen Nutzen längerer Arbeitszeiten und niedrigerer Entgelte. Erforderlich seien ein solides Geschäftsmodell sowie konkrete Investoren, Produkte und Aufträge. Mögliche Zugeständnisse der Arbeitnehmerseite dürfe es ausschließlich im Gegenzug für verbindliche Beschäftigungsgarantien geben.

Sparpläne und Kostendruck im Volkswagen-Konzern

Der Standort Zwickau gilt als industrielles Kernland Westsachsens. Der Autobauer ist der größte Arbeitgeber der Region; schätzungsweise 60.000 Menschen hängen direkt oder indirekt von dem Werk ab, das seit 2019 vollständig auf die Produktion von Elektrofahrzeugen umgestellt ist.

Der Volkswagen-Konzern steht jedoch vor tiefgreifenden Einschnitten. Ein vom Vorstand gemeinsam mit der Unternehmensberatung Boston Consulting ausgearbeiteter Zukunftsplan sieht vor, bis 2030 konzernweit 50.000 zusätzliche Stellen abzubauen und die Fertigung in vier deutschen Werken auslaufen zu lassen.

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Betroffen von diesen Überlegungen sind neben Zwickau auch die Standorte Emden, Hannover und Neckarsulm. VW-Vorstand Manfred Döss, der die Sanierungsmaßnahmen vorantreibt, verwies darauf, dass man in der aktuellen Lage keine wirtschaftlich tragfähige Grundlage für eine Folgebelegung dieser Werke sehe.

Als Treiber für die Verlagerungsdebatte gelten auch internationale Kostenunterschiede: Im slowakischen Werk in Bratislava liegen die Arbeitskosten bei der Fahrzeugproduktion um einige tausend Euro je Fahrzeug unter dem deutschen Niveau.

Im September verabschiedete der VW-Aufsichtsrat, in dem das Land Niedersachsen mit seinem 20-Prozent-Anteil zwei Mandate hält, einen 43 Punkte umfassenden Beschluss zur Neuausrichtung.

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