VW-Tarifverhandlung, Metall

VW-Tarifverhandlung: IG Metall nutzt Klausel gegen 50.000 Stellenabbau

Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die IG Metall nutzt eine Vertragsklausel für Gespräche mit VW. Hintergrund sind verschärfte Sparpläne mit bis zu 50.000 wegfallenden Stellen.

Volkswagen: IG Metall verlangt Tarifgespräch zu Stellenabbau
Leere, weitläufige Industriehalle mit hohen Decken und einfallendem Tageslicht als Symbol für industrielle Veränderung. Illustration mit AI erstellt.

Die IG Metall-Tarifkommission hat einstimmig beschlossen, eine Klausel aus dem bestehenden Zukunftstarifvertrag für ein offizielles Überprüfungsgespräch mit dem VW-Vorstand zu nutzen. Das Unternehmen begrüßte diesen Schritt und rechnet mit einem Beginn der Gespräche noch vor Ende des laufenden Quartals.

Vertragstreue und geänderte Rahmenbedingungen

Der im Dezember 2024 geschlossene Zukunftstarifvertrag, der ursprünglich bis Ende 2030 läuft, bildet die Grundlage für die aktuellen Auseinandersetzungen. Die Vereinbarung sah den Abbau von 35.000 Stellen in Deutschland vor, schloss jedoch im Gegenzug betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen bis zum Laufzeitende aus.

Der Bezirksleiter der IG Metall in Hannover, Thorsten Gröger, forderte im Rahmen einer Pressekonferenz die Einhaltung der vertraglichen Zusagen ein. Er erhob keine neuen Forderungen, äußerte jedoch deutliche Zweifel an den bisherigen Zusagen des Managements bezüglich neuer Modelle und innovativer Produktionsverfahren.

Volkswagen-Personalvorstand Arne Meiswinkel betonte hingegen, dass das Recht auf ein Überprüfungsgespräch auch dem Unternehmen zustehe. Er begründete dies mit einer wesentlichen Änderung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seit Ende 2024.

Das Verfahren für solche Krisengespräche ist in Paragraf 7 des Tarifvertrags geregelt. Demnach ist bei wesentlichen Änderungen ein Gespräch pro Quartal vorgesehen. Sollte keine Einigkeit erzielt werden, sieht der Manteltarifvertrag die Anrufung einer Schlichtungsstelle vor.

Sanierungspläne und finanzielle Herausforderungen

Hintergrund der Verhandlungen ist eine deutliche Verschärfung des Sparkurses bei Volkswagen. Ein vom Aufsichtsrat unterstützter Sanierungsplan sieht nun den Wegfall von rund 50.000 Stellen weltweit vor, wovon die Hälfte auf deutsche Standorte entfällt. Zudem stehen die Schließung von vier deutschen Werken sowie der Verkauf des Standorts Osnabrück zur Debatte.

Die Konzernführung verwies darauf, dass die 2024 vereinbarten Maßnahmen nicht ausreichen würden, um die angestrebte operative Umsatzrendite von 9 Prozent zu erreichen. Im ersten Halbjahr wurden lediglich 3,80 Euro je 100 Euro Umsatz erzielt.

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Interne Kalkulationen beziffern die Kosten für den Stellenabbau und mögliche Werksschließungen auf bis zu 16 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030. Allein für das Produktionsende an den Standorten Emden, Zwickau, Hannover und beim Audi-Werk in Neckarsulm werden jeweils rund 2 Milliarden Euro veranschlagt.

In Emden, wo rund 6.600 Beschäftigte tätig sind, bezeichnete VW-Chef Blume die Arbeitskosten als mehr als doppelt so hoch wie an vergleichbaren europäischen Standorten. Trotz einer steigenden Nachfrage nach Elektrofahrzeugen und einer Aufwertung des Modells ID.4 bleibt die Zukunft des Werks ab 2031 ungewiss.

Kommunaler Widerstand und Branchenkontext

Die Oberbürgermeister der betroffenen deutschen VW-Standorte forderten bei einem Treffen mit Markenvorstand Thomas Schäfer klare Zukunftsperspektiven. Der Braunschweiger Oberbürgermeister Thorsten Kornblum betonte dabei das Ziel, Werksschließungen mit allen Mitteln zu verhindern. Die Kommunen fordern zudem politische Unterstützung durch Ausgleichszölle gegen günstige Importe aus China sowie Maßnahmen gegen hohe Energiepreise und Bürokratie.

Die Spannungen bei Volkswagen spiegeln einen breiteren Trend in der deutschen Industrie wider. In Dresden informierte das Pharmaunternehmen GSK die Belegschaft über die Schließung seines Impfwerks bis Sommer 2028, wovon rund 650 Mitarbeiter betroffen sind. Als Gründe wurden eine weltweit rückläufige Nachfrage und Überkapazitäten genannt. Auch Schneider Electric plant den Abbau von etwa 110 Stellen an den Standorten Marktheidenfeld und Lahr.

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Parallel dazu verschärfen sich die Auseinandersetzungen bei Mercedes. Das Unternehmen droht mit Werksschließungen in Deutschland, sollte die Arbeitszeit nicht ohne Lohnausgleich von 35 auf 40 Wochenstunden erhöht werden.

Die IG Metall berechnet dies als eine Lohnkürzung von etwa 12,5 Prozent pro Stunde. Ein Kostenvergleich verdeutlicht den Druck: Laut Eurostat kostete eine Industriearbeitsstunde im Jahr 2025 in Deutschland 49,50 Euro, während sie in Ungarn lediglich 15,60 Euro betrug.

Vor diesem Hintergrund forderte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer die Bundesregierung zu einem intensiveren Dialog mit den Gewerkschaften auf. Er mahnte Reformen bei Energiepreisen und Deregulierung an, um die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Ländern wie Polen und China zu sichern.

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