VW-Tarifkonflikt: 7. Oktober entscheidet über Stellenabbau
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 03:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Volkswagen steht vor einer deutlichen Verschärfung seiner Sparbemühungen. Im Rahmen einer Betriebsversammlung in Wolfsburg erklärte VW-Markenchef Thomas Schäfer, dass das bestehende Performance-Programm nicht ausreiche und man nun massiv nachlegen müsse.
Angesichts einer sinkenden Ertragskraft und struktureller Probleme forderte das Management eine schnellere Umsetzung der Maßnahmen, während die Arbeitnehmerseite vor massiven sozialen Verwerfungen und harten Auseinandersetzungen warnte.
Zuspitzung der wirtschaftlichen Lage bei der Kernmarke
Markenchef Thomas Schäfer betonte vor den Beschäftigten, dass keine Zeit zu verlieren sei. Die bereits für 2024 vereinbarten Maßnahmen reichten offenbar nicht mehr aus, um die Wettbewerbsfähigkeit der Kernmarke sicherzustellen.
Als belastende Faktoren nannte das Unternehmen den Einbruch des chinesischen Marktes sowie eine steigende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen, die derzeit nur geringe Margen erzielen.
Jüngst hatte Volkswagen zudem seine Gewinnprognose für das laufende Jahr gesenkt, was unter anderem auf eine Milliardenabschreibung bei der Tochtergesellschaft Porsche zurückzuführen ist. Dort wurde der 75-prozentige Anteil neu bewertet.
Vertriebschef Martin Sander bezeichnete die aktuelle Situation als Wendepunkt. Während im Stammwerk Wolfsburg Sonderschichten für Modelle wie den Tiguan und den Golf gestrichen wurden, fährt das Elektrowerk in Emden die Produktion durch Zusatzschichten hoch.
Dennoch bleibt die wirtschaftliche Lage angespannt: Die operative Umsatzrendite lag im ersten Halbjahr 2026 bei lediglich 3,8 Prozent, während das offizielle Ziel des Konzerns bei 9 Prozent liegt. Die VW-Vorzugsaktie reagierte auf die Unsicherheiten und notierte zuletzt bei 75,12 EUR, was einem Rückgang von 1,48 Prozent entspricht.
Stellenabbau und Werksschließungen im Fokus
Ein zentraler Streitpunkt bleibt der Umfang des Personalabbaus. Konzernchef Oliver Blume plant Berichten zufolge eine Reduzierung der Modellpalette und eine Senkung der Produktionskapazitäten um rund eine Million Fahrzeuge.
Die Kernmarke liegt im ersten Halbjahr bei 3,8 Prozent operativer Umsatzrendite, das Konzernziel steht bei 9 Prozent — und am 7. Oktober treffen sich Tarifparteien und Kapitalmarkttag auf denselben Tag. Wer die Zahlen hinter dem Stellenabbau einordnen will, findet im kostenlosen Report die belegten Kennzahlen, die offenen Kostenpositionen und die Szenarien für die Aktie. Kostenlosen VW-Report jetzt anfordern
Weltweit könnten im Zuge dieser Strategie bis zu 100.000 Arbeitsplätze wegfallen. Konkreter für Deutschland sind Pläne des Konzernvorstands, wonach rund 25.000 Stellen im Inland abgebaut werden sollen, wobei insgesamt von bis zu 50.000 konzernweiten Streichungen in Deutschland die Rede ist.
Bisher wurden in der Kernmarke in Deutschland gut 16.300 Austritte vollzogen; bis zum Jahr 2030 sind bereits knapp 28.800 Abgänge fest vereinbart. Das Ziel liegt jedoch bei 35.000 Stellen weniger bis zum Ende des Jahrzehnts. Unklar bleibt weiterhin, wie dieser Abbau sozialverträglich gestaltet werden kann, da die Frage nach betriebsbedingten Kündigungen ungeklärt ist.
Die bestehende Beschäftigungssicherung gilt eigentlich bis Ende 2030. In Finanzkreisen wird kalkuliert, dass der geplante Stellenabbau Kosten von bis zu 10 Milliarden Euro verursachen könnte. Sollte die Produktion an Standorten wie Emden, Zwickau, Hannover oder Neckarsulm eingestellt werden, könnten weitere 6 Milliarden Euro hinzukommen.
Forderungen der Arbeitnehmerseite und Tarifkonflikt
Betriebsratschefin Daniela Cavallo kritisierte die Pläne scharf und sprach von einer drohenden „Sparwut“, die den Beschäftigten in den kommenden Wochen begegnen werde. Sie wies darauf hin, dass ein Großteil der bisherigen Gewinnkraft verloren gegangen sei.
Cavallo forderte unter anderem einen steuerfreien Dividendenverzicht der Aktionäre sowie politische Unterstützung in Form von günstigerem Industriestrom und Schutzzöllen auf chinesische Plug-in-Hybride.
Flankiert wird der Widerstand von der IG Metall. Die Vorsitzende Christiane Benner warf dem Vorstand am Standort Wolfsburg vor, die Branche mit voller Geschwindigkeit in eine Krise zu steuern. Die Gewerkschaft mobilisierte an mehr als 200 Orten über 100.000 Teilnehmer zu Protestaktionen gegen Werksschließungen. Besonders in Baden-Württemberg beteiligten sich allein in Sindelfingen mehr als 20.000 Menschen an Kundgebungen.
Die Beschäftigungssicherung gilt bis Ende 2030 und ist unkündbar — doch offen bleibt, wie der geplante Abbau von 35.000 Stellen sozialverträglich gelingen soll. Der kostenlose Report zeigt, welche Instrumente heute vereinbart sind, welche Fragen die Tarifrunde ab dem 7. Oktober klären muss und was das für Beschäftigte und Anteilseigner bedeutet. VW-Report für Beschäftigte und Aktionäre sichern
Die entscheidende Phase der Verhandlungen beginnt am 7. Oktober, wenn die Tarifparteien zusammenkommen. Zeitgleich will Volkswagen am Kapitalmarkttag weitere Details zur wirtschaftlichen Neuausrichtung bekannt geben. Die aktuellen Tarifverträge laufen zum 31. Oktober aus, was den Zeitdruck für beide Seiten erhöht.
Währenddessen gibt es Überlegungen für neue Kooperationen an bedrohten Standorten: In Osnabrück wird eine mögliche Zusammenarbeit mit dem israelischen Rüstungskonzern Rafael geprüft, was seitens der IG Metall grundsätzlich begrüßt wird.
