VW-Sparplan: Bis zu 120.000 Stellen und vier Werke auf dem Spiel
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 13:51 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Der Betriebsrat hat Vorstandschef Oliver Blume offiziell das Vertrauen entzogen. Grund sind verstreichende Ultimaten und drastische Sparpläne.
Eskalation nach verpasster Frist
Die Arbeitnehmervertretung hatte Blume eine Frist bis zum vergangenen Freitag gesetzt. Er sollte vor der Belegschaft zu den geplanten Umbauplänen Stellung nehmen. Doch der CEO ließ das Ultimatum verstreichen – ohne die Mitarbeiter direkt zu informieren.
Stattdessen soll Blume das Management bereits über Details der Sparmaßnahmen unterrichtet haben. Der Betriebsrat spricht von einem respektlosen Vorgehen. Als Konsequenz kündigte er außerordentliche Betriebsversammlungen an. Sie sollen nach der Sommerpause ab dem 10. August 2026 stattfinden.
Zukunftsplan im Aufsichtsrat gescheitert
Bereits Mitte der Woche erlitt Blume eine schwere Niederlage. Sein vorgelegter „Zukunftsplan“ scheiterte im Aufsichtsrat. Die Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen stimmten dagegen. Das Ergebnis: 12 zu 7 Stimmen gegen den Vorstand.
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Damit fehlt Blume die Rückendeckung für eine radikale Neuausrichtung. Die Pläne sehen eine drastische Reduzierung der Komplexität vor. Die Modellpalette soll um 50 Prozent gestrafft werden, die Anzahl der Ausstattungsvarianten um 75 Prozent. Ziel ist eine weltweite Produktionskapazität von maximal neun Millionen Fahrzeugen pro Jahr.
Hunderttausend Stellen vor dem Aus
Das Ausmaß des geplanten Personalabbaus übertrifft alle bisherigen Schätzungen. Zwischen 100.000 und 120.000 Stellen stehen laut Medienberichten zur Disposition. Vier deutsche Werke sollen geschlossen werden.
Konkret gefährdet: Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm. Für Emden und Zwickau ist eine Schließung ab 2031 im Gespräch, Hannover könnte ab 2032 folgen, Neckarsulm ab 2034. Im Managementbereich sollen zusätzlich rund 5.000 Stellen wegfallen. Der Vorstand rechtfertigt die Einschnitte mit einer existenzbedrohenden Lage. Ohne radikale Gegenmaßnahmen drohe ab 2030 die Verlustzone.
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China-Einbruch verschärft die Krise
Die angespannte Situation wird durch schwache Geschäftszahlen befeuert. Im zweiten Quartal fielen die Auslieferungen auf rund 2,05 bis 2,1 Millionen Fahrzeuge – ein Minus von bis zu 8,6 Prozent. Besonders dramatisch: Der Absatz in China brach um 36,6 Prozent ein.
Angesichts der Blockade im Aufsichtsrat erwägt der Vorstand nun die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung. Die IG Metall und der Betriebsrat haben massiven Widerstand angekündigt. An 13 Standorten kam es bereits zu Protestkundgebungen der Belegschaft.
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