VW-China-Chef senkt Absatz-Ziel bis 2030 auf 2,2 Millionen
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 11:57 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSVolkswagens China-Geschäft verliert an Volumen
- Ralf Brandstätter rechnet bis 2030 mit rund 2,2 Millionen VW-Verkäufen in China.
- In den ersten neun Monaten sanken die Auslieferungen um 30 Prozent auf unter 1,4 Millionen Fahrzeuge.
- VW will Fahrzeuge sowie Plattformen, Elektronikarchitekturen und Software aus China stärker exportieren.
Volkswagen korrigiert China-Ziel deutlich nach unten
Volkswagen stellt sich auf einen dauerhaften Einbruch seines China-Geschäfts ein. VW-Chinachef Ralf Brandstätter sagte dem Handelsblatt, der Gesamtmarkt in China sei im freien Fall.
Absatz sinkt unter wichtige Schwelle
Bis 2030 könnte Volkswagen in China nur noch rund 2,2 Millionen Autos jährlich verkaufen. Noch im Frühjahr hatte Brandstätter für diesen Zeitraum 3,2 Millionen Einheiten angestrebt; in Spitzenzeiten setzte der Konzern dort mehr als vier Millionen Fahrzeuge pro Jahr ab.
In den ersten neun Monaten dieses Jahres brachen die Auslieferungen um 30 Prozent auf unter 1,4 Millionen Fahrzeuge ein. Ende des Jahres könnte Volkswagen damit erstmals seit 2010 in China unter zwei Millionen verkauften Autos bleiben.
Export soll an Bedeutung gewinnen
Brandstätter sagte, China sei keine Wachstumsmaschine mehr und Volkswagen stelle sich darauf ein. Der Konzern will deshalb zunehmend Fahrzeuge aus China in verschiedene Weltregionen anbieten.
Ein konkretes Exportziel nannte der Manager nicht. Neben Autos sollen auch in China entwickelte Plattformen, Elektronikarchitekturen und Software in andere Regionen gelangen, damit sich die Entwicklungskosten auf größere Fahrzeugvolumina verteilen.
Volkswagen erlebt in China eine strukturelle Verschiebung des Automarkts. Der Konzern konkurriert dort nicht mehr nur mit etablierten internationalen Herstellern, sondern zunehmend mit chinesischen Anbietern, die bei Elektroautos, Software und digitalen Diensten hohe Entwicklungsgeschwindigkeit mit teils niedrigeren Kosten verbinden.
Der Absatzrückgang trifft VW deshalb an einem besonders wichtigen Punkt. China war über Jahre der größte Einzelmarkt des Konzerns und trug wesentlich zu den weltweiten Verkaufszahlen sowie zu den Ergebnissen der dortigen Gemeinschaftsunternehmen bei. Sinkende Volumina erhöhen zugleich den Druck, Entwicklungs- und Produktionskosten auf weniger Fahrzeuge zu verteilen.
China wird zum Entwicklungsstandort
Die angekündigte stärkere Nutzung chinesischer Plattformen, Elektronikarchitekturen und Software deutet auf eine veränderte Rollenverteilung hin: China ist für Volkswagen nicht mehr allein Absatzmarkt, sondern soll auch als Quelle wettbewerbsfähiger Technologien dienen. Exporte aus China können helfen, Kapazitäten auszulasten und neue Märkte schneller mit passenden Modellen zu versorgen.
Für Kunden in anderen Regionen könnte das mehr Auswahl bei preisgünstigeren Elektrofahrzeugen und eine schnellere Einführung digitaler Funktionen bedeuten. Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit von chinesischen Entwicklungs- und Lieferketten. Für Volkswagen entscheidet sich damit zunehmend, ob der Konzern den Wandel vom volumengetriebenen China-Geschäft zu einer global nutzbaren Technologie- und Produktionsbasis bewältigen kann.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
stern: „Autobauer in Fernost: Blick auf neue Märkte - Volkswagen ändert China-Strategie“ (28.10.2026)
Der Beitrag ordnet die schwierige Lage von Volkswagen in China in eine breitere Neuorientierung der Autobauer ein. Er nennt für das dritte Quartal einen Rückgang der VW-Verkäufe um 38,5 Prozent auf 405.800 Fahrzeuge und setzt damit einen zusätzlichen Quartalsakzent zur langfristigen Absatzprognose.
stern: „Autobauer in Fernost: Markt unter Druck: Volkswagen ändert China-Strategie“ (28.10.2026)
Dieser Beitrag hebt ebenfalls den chinesischen Absatzrückgang hervor und beziffert dessen Anteil am weltweiten Minus. Gemeinsam ist beiden Darstellungen der Fokus auf den wachsenden Marktdruck; der dts-Bericht legt darüber hinaus besonderes Gewicht auf die Exportstrategie und den Technologietransfer aus China.
Die Berichte stimmen beim Druck auf das China-Geschäft überein, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte: Quartalsentwicklung und Konzernbilanz stehen der langfristigen Absatzplanung und der technologischen Anpassung gegenüber.
