VW-Schließungen, Werke

VW-Schließungen: Vier Werke dicht, bis zu 100.000 Stellen weg

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 23:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Volkswagen will vier deutsche Fabriken bis 2034 schließen, die Produktion verlagern und weltweit bis zu 100.000 Stellen abbauen.

Volkswagen plant Aus für vier deutsche Werke bis 2034
Leere, industrielle Montagehalle eines Automobilwerks mit unbesetzten Fertigungsanlagen in einer gedimmten Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Der Vorstand der Volkswagen AG hat am Dienstag weitreichende Entscheidungen zur Umstrukturierung des Konzerns getroffen, die das Aus für vier deutsche Produktionsstandorte bedeuten. Wie das Unternehmen mitteilte, soll die Fertigung in den Werken Emden und Zwickau im Jahr 2031 eingestellt werden.

Für das Werk Hannover ist das Produktionsende für 2032 vorgesehen, während der Standort Neckarsulm im Jahr 2034 folgen soll. Diese Maßnahmen sind Teil eines umfassenden Sparpakets, das der Vorstandsvorsitzende Oliver Blume bis zum Jahresende finalisieren will.

Verlagerung der Produktion und Kostendruck

Im Zuge der Standortschließungen plant der Konzern eine weitreichende Neuordnung der Produktionskapazitäten in Europa. Die Nachfolgemodelle bestehender Baureihen sollen künftig an kostengünstigeren Standorten gefertigt werden. So ist vorgesehen, den ID.4 NF nach Mlada Boleslav und den Q4e NF nach Bratislava zu verlagern. Die Produktion des B-Space soll nach Pozna? ziehen, während der A8 NF künftig in Leipzig vom Band laufen wird.

Hintergrund dieser Entscheidungen ist eine erhebliche Differenz bei den Produktionskosten. Laut Vorstandsangaben beliefen sich die Fabrikkosten in Deutschland im Jahr 2025 auf 6.490 € pro Fahrzeug, während sie an den übrigen EU-Standorten lediglich 2.832 € pro Fahrzeug betrugen.

Konzernchef Blume verwies zudem darauf, dass die Arbeitskosten im Inland doppelt so hoch seien wie an vergleichbaren europäischen Standorten. Eine Senkung dieser Kosten wird bis Juni 2027 angestrebt.

Finanzvorstand Arno Antlitz ergänzte, dass für den Standort Hannover nach 2030 keine wirtschaftlich tragfähige Nachfolgebelegung absehbar sei. Er betonte, dass ein europaweiter Kapazitätsabbau von rund 500.000 Fahrzeugen notwendig sei, um einen jährlichen Kostennachteil von 1,5 Mrd. € zu vermeiden.

Umfangreicher Stellenabbau und Renditeziele

Die Restrukturierung geht mit einem massiven Abbau von Arbeitsplätzen einher. Während das „Zielbild 2030“ bereits erhebliche Einschnitte vorsah, reichen die bisher geplanten 50.000 Stellenstreichungen laut Vorstandskreisen nicht mehr aus. Weltweit könnten bis zu 100.000 Stellen wegfallen.

Ziel des Managements ist es, die Rendite von derzeit 3,8 % auf einen Korridor von 8 bis 10 % zu steigern. Finanzvorstand Antlitz bezeichnete die Werkschließungen zwar als die teuerste und letzte Lösung, sah angesichts der Marktgegebenheiten jedoch kaum Alternativen.

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Widerstand der Arbeitnehmervertreter

Die Ankündigungen stießen bei der Belegschaft und der Gewerkschaft auf scharfen Protest. Die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner warf dem Vorstand einen Verstoß gegen die Ende 2024 getroffene Betriebsvereinbarung vor und kündigte entschiedenen Widerstand gegen die Schließungspläne an.

Die Gewerkschaft betonte, dass allein am Standort Emden etwa 30.000 Arbeitsplätze direkt betroffen seien. Benner erklärte, dass Werkschließungen mit der IG Metall nicht umsetzbar seien.

Bereits am Montag hatten rund 5.500 Beschäftigte an einer Betriebsversammlung in Hannover teilgenommen, um gegen die Pläne zu demonstrieren. Der Betriebsrat fordert unter anderem eine verbindliche Nachfolgelösung für die Transporter-Produktion in Hannover ab dem Jahr 2031. Die IG Metall plant für den 21. September einen ersten großen Aktionstag, um den Druck auf die Konzernleitung zu erhöhen.

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Eine entscheidende Weichenstellung wird am kommenden Freitag erwartet, wenn der Aufsichtsrat zusammentritt, um über die vorgeschlagenen Werksschließungen zu beraten. Ein offizieller Sprecher des Konzerns lehnte eine Stellungnahme im Vorfeld der Sitzung ab.

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