VW-Sanierung, Aufsichtsrat

VW-Sanierung: Aufsichtsrat entscheidet über 100.000 Arbeitsplätze

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 23:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Volkswagen legt drei Sanierungskonzepte vor: Geplante Werksschließungen und Renditevorgaben stoßen bei IG Metall und Niedersachsen auf Widerstand.

Volkswagen vor Aufsichtsratsstreit über Werke, Jobs und Rendite
Leere Produktionshalle eines modernen Automobilwerks mit automatisierten Fertigungsrobotern in einer Dämmerungsstimmung. Illustration mit AI erstellt.

Am kommenden Freitag kommt der Aufsichtsrat der Volkswagen AG zu einer richtungsweisenden Sitzung zusammen, um über die künftige Ausrichtung und Sanierung des Konzerns zu beraten. Im Vorfeld des Treffens zeichnet sich jedoch ein tiefer Konflikt zwischen den beteiligten Interessengruppen ab.

Marktbeobachter sehen kaum Spielraum für einen schnellen Kompromiss, da dem Kontrollgremium drei grundlegend unterschiedliche Beschlussvorlagen vorliegen: jeweils ein Entwurf des Vorstands, der Arbeitnehmervertreter sowie des Landes Niedersachsen.

Zusätzliche Dynamik erhält der Sanierungsprozess durch den Druck der Eigentümerfamilien Porsche und Piech, die eine konsequente Restrukturierung einfordern. Konzernchef Blume verfolgt dabei das Ziel, die jährlichen Produktionskapazitäten in Europa um 500.000 Fahrzeuge zu reduzieren. Nach Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden fehle es für die Zeit ab den 2030er Jahren an einer wettbewerbsfähigen Belegung für die bestehenden Strukturen.

Vorstand plant weitreichende Werkschließungen bis 2034

Die Pläne der Konzernführung sehen einen drastischen Einschnitt in das deutsche Produktionsnetzwerk vor. Berichten zufolge hat der VW-Vorstand bereits einstimmig das Ende der Produktion an vier Standorten beschlossen. Demnach soll der Betrieb in den Werken Emden und Zwickau im Jahr 2031 eingestellt werden. Für den Standort Hannover ist das Produktionsende für das Jahr 2032 vorgesehen, während das Werk in Neckarsulm im Jahr 2034 folgen soll.

Diese Maßnahmen könnten weitreichende Folgen für die Belegschaft haben. Schätzungen zufolge stehen bis zu 100.000 Arbeitsplätze zur Disposition. Der Vorstand strebt dabei eine deutliche Verbesserung der finanziellen Kennzahlen an: Bis zum Jahr 2030 soll die Umsatzrendite auf einen Korridor von 8-10 % steigen. Aktuell liegt dieser Wert bei 3,8 %.

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IG Metall kündigt Widerstand gegen Stellenabbau an

Die Arbeitnehmerseite reagierte mit scharfer Kritik auf die Pläne der Konzernleitung. Die Vorsitzende der IG Metall, Benner, warf dem Vorstand schwere Fehler in der strategischen Planung vor. Nach Ansicht der Gewerkschaft verstoßen die angekündigten Werkschließungen gegen bestehende Vereinbarungen. Konkret verwies Benner auf eine Betriebsvereinbarung von Ende 2024, die den Standorten Sicherheit geben sollte.

Die Gewerkschaft betonte, dass man Werksschließungen in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm nicht hinnehmen werde. Zwar sei ein Abbau von 50.000 Stellen bis zum Jahr 2030 bereits vereinbart worden, dieser solle jedoch ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen.

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Die nun im Raum stehenden weitergehenden Streichungen sowie das Renditeziel von 8-10 % werden von der Arbeitnehmerseite als falsch eingestuft. Benner mahnte in diesem Zusammenhang die gesellschaftliche Verantwortung von Volkswagen an und kündigte entschlossenen Widerstand gegen die Vorhaben des Vorstands an.

Mit den drei vorliegenden Konzepten steht der Aufsichtsrat vor der Herausforderung, die gegensätzlichen Positionen von Kosteneneffizienz, Standortsicherung und politischem Einfluss des Landes Niedersachsen in Einklang zu bringen. Eine Einigung gilt angesichts der verhärteten Fronten als ungewiss.

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