Volkswagen, Personalgewinnung

VW-Krise: Experte warnt vor Folgen für die Personalgewinnung

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 07:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Volkswagen will sich tiefgreifend umbauen, zugleich warnt ein Wirtschaftspsychologe vor Folgen für die Suche nach qualifizierten Bewerbern. Entscheidend sei weniger die Zahl der Bewerbungen als deren Qualität.

Ein Wirtschaftspsychologe warnt: Die Krise bei Volkswagen kann Auswirkungen auf die Personalgewinnung haben. (Archivbild) - Bild: Moritz Frankenberg/dpa
Ein Wirtschaftspsychologe warnt: Die Krise bei Volkswagen kann Auswirkungen auf die Personalgewinnung haben. (Archivbild) - Bild: Moritz Frankenberg/dpa

Nach der Einigung auf einen verschärften Sparkurs bei Volkswagen warnt ein Wirtschaftspsychologe vor Folgen für die Personalgewinnung.

Experte sieht Risiken für Bewerberqualität

Der Osnabrücker Wirtschaftspsychologe Uwe Kanning rechnet demnach nicht zwingend mit deutlich weniger Bewerbungen, wohl aber mit einer sinkenden Eignung der Menschen, die sich auf Stellen bewerben. Ein verschlechtertes Arbeitgeberimage erschwere es zunehmend, leistungsstarke Menschen für sich zu gewinnen.

Hintergrund ist der tiefgreifende Umbau des Autobauers nach einer wochenlangen Auseinandersetzung im Aufsichtsrat. Der Vorstand um Konzernchef Oliver Blume hat ein Mandat, den Konzern umzubauen und Milliarden einzusparen.

Stellenabbau und Druck auf Standorte

Der Zukunftsplan sieht vor, die Produktion auf neun Millionen Fahrzeuge pro Jahr zu senken und die operative Umsatzrendite auf neun Prozent zu steigern. Weltweit sollen in den kommenden Jahren unter anderem 50.000 Stellen wegfallen – zusätzlich zu bisherigen Abbauprogrammen im Konzern.

Unter Druck stehen die VW-Werke in Emden, Hannover und Zwickau sowie der Audi-Standort Neckarsulm. Für diese Standorte kann der Vorstand derzeit keine wettbewerbsfähige Folgebelegung ab 2031 bis 2034 gewährleisten.

Transparenz statt Hinhaltetaktik

Kanning hält im Umgang mit Beschäftigten Offenheit für wichtiger als eine Hinhaltetaktik. Viele Menschen kämen mit Transparenz und Ehrlichkeit besser zurecht als mit immer neuen Frustrationen.

Gerade bei Unternehmen mit langjährig hohem Ansehen könne der Umbau das Selbstwertgefühl vieler Beschäftigter treffen. Je stärker der Konzern als rückständig wahrgenommen werde, desto schwieriger werde es, den positiven Ruf als Arbeitgeber zu halten.

Arbeitsmarkt unter Druck

Der Umbau bei Volkswagen betrifft nicht nur Produktion und Kosten, sondern auch die Wahrnehmung als Arbeitgeber. Wenn ein Konzern über Jahre als sicherer und prestigeträchtiger Arbeitsplatz galt, kann ein massiver Stellenabbau die Attraktivität für Bewerber spürbar verändern.

Für die Personalgewinnung ist dabei weniger die reine Zahl der Bewerbungen entscheidend als die Mischung der Bewerber. Ein belastetes Arbeitgeberimage zieht häufig mehr Unsicherheit und weniger Passung nach sich, was die Suche nach qualifizierten Fachkräften erschwert.

Signalwirkung über den Konzern hinaus

Die Lage bei VW hat auch eine über den Konzern hinausgehende Bedeutung, weil sie zeigt, wie tief der Druck in der Autoindustrie reicht. Produktion, Rendite und Beschäftigung stehen zugleich unter Veränderungsdruck, während Standorte und Belegschaften über Jahre mit Planungssicherheit rechnen müssen.

Für Beschäftigte an den betroffenen Standorten vergrößert das die Unsicherheit. Für den Konzern entsteht die Aufgabe, den Umbau so zu kommunizieren, dass er nicht nur als Kürzung, sondern als glaubwürdige Neuaufstellung verstanden wird.

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