VW-Krise, Arbeitsplätze

VW-Krise: Bis zu 130.000 Arbeitsplätze weltweit bedroht

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 07:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Volkswagen will die Fertigung in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm schrittweise beenden. Hohe Kosten und Stellenabbau prägen die Pläne.

Volkswagen plant Produktionsausstieg an vier deutschen Standorten
Leere Industriehalle mit hohen Decken und Stahlträgern, die eine Atmosphäre von industriellem Wandel vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Der Volkswagen-Konzern steht vor einer fundamentalen Umgestaltung seiner industriellen Basis in Deutschland. Berichten von Anfang September 2026 zufolge hat der Vorstand einstimmig weitreichende Beschlüsse gefasst, die das Ende der Fahrzeugproduktion an mehreren traditionsreichen Standorten vorsehen.

Diese Pläne sind Teil einer Reaktion auf eine interne Lagebeurteilung, die die wirtschaftliche Situation des Unternehmens als existenzbedrohend einstuft.

Zeitplan für das Produktionsende und Verlagerungspläne

Die Vorstandsplanung sieht einen gestuften Ausstieg aus der Fertigung an vier deutschen Standorten vor. Den Berichten vom 2. und 3. September 2026 nach soll die Produktion in den Werken Emden und Zwickau im Jahr 2031 eingestellt werden. Für den Standort Hannover ist das Produktionsende für das Jahr 2032 vorgesehen, während das Werk in Neckarsulm im Jahr 2034 folgen soll.

Strategisch beabsichtigt die Konzernführung, die bisher in Deutschland angesiedelte Fertigung in andere europäische Länder zu verlagern. Als potenzielle Zielstandorte für die künftige Produktion werden Tschechien, die Slowakei und Polen genannt. Innerhalb Deutschlands soll zudem der Standort Leipzig eine Rolle in der künftigen Produktionsstrategie spielen.

Wirtschaftliche Hintergründe und Kostendifferenzen

Die Notwendigkeit dieser Maßnahmen wird intern mit massiven Kostennachteilen des Standorts Deutschland begründet. Laut Analysen, die im Rahmen der Berichterstattung am 3. September 2026 bekannt wurden, beliefen sich die Fertigungskosten in deutschen Werken im Jahr 2025 auf durchschnittlich 6.490 Euro pro Fahrzeug. Im Vergleich dazu lagen die Kosten an anderen europäischen Standorten bei 2.832 Euro.

Besonders deutlich wird das Gefälle im Vergleich zwischen dem Werk Emden und dem Standort Tianjin in China. Während in Emden die Fabrikkosten pro Fahrzeug mit 4.850 Euro beziffert werden, liegen sie in Tianjin bei 1.078 Euro.

Auch bei der Produktivität zeigt sich eine Diskrepanz: In Emden werden pro Mitarbeiter 29 Autos gefertigt, in Tianjin sind es 51,3. Die Personalkosten pro Mitarbeiter und Jahr belaufen sich in Deutschland auf 163.000 Euro, verglichen mit 74.000 Euro in China und 41.000 Euro in anderen Regionen.

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Im Werk Hannover werden die Fertigungskosten pro Fahrzeug sogar mit 9.000 Euro angegeben, während sie in Wolfsburg bei 3.000 Euro und in Spanien bei 2.500 Euro liegen.

Auswirkungen auf die Beschäftigung und interne Warnungen

Die geplanten Maßnahmen haben erhebliche Konsequenzen für die Belegschaft. Interne Dokumente, die unter dem Schlagwort „Titanic hat Eisberg gerammt“ zirkulieren, warnen vor drohenden Verlusten ab dem Jahr 2030. Je nach Quelle variieren die Zahlen zum Stellenabbau: Ein Papier nennt die Streichung von bis zu 50.000 weiteren Stellen, wovon die Hälfte auf Deutschland entfallen würde. Andere Szenarien gehen von bis zu 100.000 bedrohten Arbeitsplätzen aus.

Ein weiterer Plan sieht vor, zusätzlich zu bereits 70.000 beschlossenen Stellenstreichungen weitere 60.000 Arbeitsplätze abzubauen. Damit wären insgesamt 130.000 der weltweit 650.000 Stellen betroffen. In einem konkreten Szenario des Managements ist von 47.000 geplanten Streichungen die Rede, wobei 26.000 auf deutsche Standorte entfallen würden.

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Konflikte innerhalb der Konzernführung

Die Umsetzung dieser Pläne stößt auf erheblichen Widerstand und verdeutlicht die tiefen Gräben zwischen den Machtblöcken im Konzern. Auf der einen Seite steht der Vorstand unter der Leitung von Oliver Blume, unterstützt von den Familien Porsche und Piëch, die 53,3 Prozent der Stimmrechte halten.

Auf der anderen Seite agieren der Betriebsrat und die IG Metall, die über 50 Prozent der Sitze im Aufsichtsrat verfügen, sowie das Land Niedersachsen mit einem Anteil von 20 Prozent.

Rechtlich sieht der Vorstand Spielraum, das Auslaufen der Werke auch ohne explizite Zustimmung des Aufsichtsrats umzusetzen, da ein Produktionsende im Gegensatz zu einer formalen Werksschließung nicht zwangsläufig zustimmungspflichtig sei. Für den Fall einer Blockade im Aufsichtsrat wird die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung in Erwägung gezogen.

Vertreter der Arbeitnehmerseite und politische Akteure wie der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer betonten in Stellungnahmen vom 3. September 2026, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen sei. Branchenexperten ordnen die aktuellen Vorstandspläne zudem teilweise als Maximalforderungen ein, um in den anstehenden Verhandlungen eine starke Ausgangsposition für künftige Kompromisse zu schaffen.

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