VW-Krise: Aufsichtsrat lehnt Sanierungspaket ab, 120.000 Jobs gefährdet
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 05:30 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die sinkenden Absatzzahlen und ein massiver Gewinneinbruch zwingen den Konzern zum Handeln. Während Politiker und Experten die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche fordern, drohen Werksschließungen und der Abbau von bis zu 120.000 Stellen. Die Arbeitnehmervertreter stemmen sich dagegen.
Gewinne brechen ein
Die wirtschaftliche Lage bei Volkswagen hat sich dramatisch verschlechtert. Im zweiten Quartal 2026 sank der Absatz um knapp neun Prozent. Der Nettogewinn fiel im ersten Quartal um 28 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro. Schon 2025 war der operative Gewinn um 44 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro eingebrochen. Die Branche diskutiert nun über drastische Kostensenkungen.
Rückkehr zur 40-Stunden-Woche?
Im Zentrum der Debatte steht die 35-Stunden-Woche. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer fordert eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche – ohne Lohnausgleich. Das soll die hohen Produktionskosten in Deutschland senken. Er schlägt vor, die Tarifautonomie zeitweise auszusetzen. Unterstützung kommt vom sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer.
Die Gewerkschaften und Teile der Politik laufen Sturm. Die ehemalige Grünen-Chefin Ricarda Lang spricht von einer faktischen Lohnkürzung. Sie fordert VW auf, sich auf bezahlbare Elektroautos zu konzentrieren. Die IG Metall lehnt längere Arbeitszeiten strikt ab und begleitete die Verhandlungen mit bundesweiten Protesten.
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Aufsichtsrat stoppt Sanierungspaket
Eine entscheidende Sitzung des VW-Aufsichtsrats am 9. Juli 2026 endete ohne Einigung. Konzernchef Oliver Blume legte das Sanierungspaket „Zielbild 2030“ vor – es wurde mit 12 zu 7 Stimmen abgelehnt. Der Plan sah vor, die Produktionskapazität auf 9 Millionen Fahrzeuge zu senken und die Modellpalette zu halbieren.
Noch härter treffen die Personalpläne. Medienberichten zufolge könnten bis zu 120.000 Stellen gestrichen werden, darunter 5.000 im Management. Besonders gefährdet sind die Standorte Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm. Dort arbeiten rund 40.000 Mitarbeiter.
Ultimatum der Arbeitnehmerseite
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Betriebsratschefin Daniela Cavallo stellte dem Vorstand ein Ultimatum: Bis zum 10. Juli 2026 fordert sie eine klare Stellungnahme zu den Sparplänen. Sie und das Land Niedersachsen lehnen Werksschließungen kategorisch ab. Bereits jetzt wurden rund 37.000 Aufhebungsverträge unterschrieben – ursprünglich war man von 50.000 Stellen ausgegangen. Eine Beschäftigungssicherung bis 2030 sieht bei betriebsbedingten Kündigungen hohe Strafzahlungen vor.
Experte Dudenhöffer rechnet mit harten Jahren für VW. Einen Aufschwung erwartet er erst in fünf bis sieben Jahren. Die Verhandlungen sollen nach der Sommerpause weitergehen. Der Druck auf die Branche wächst: Auch Mercedes-Benz denkt über längere Arbeitszeiten nach, und erste Zulieferer haben bereits längere Wochenarbeitszeiten ohne finanziellen Ausgleich vereinbart.
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