VW-Krise, Aufsichtsrat

VW-Krise: Aufsichtsrat entscheidet am 4. September über Sanierung

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 15:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Volkswagen ringt um den Sanierungskurs: Aufsichtsrat und Arbeitnehmerseite stehen vor einer Entscheidung über Stellenabbau und gefährdete Werke.

Volkswagen vor Sanierungsentscheidung: Eigentümer erhöhen Druck
Ein leerer, moderner Fertigungsbereich in einer Automobilfabrik mit einem unbenutzten Industrieroboterarm. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Angesichts der sich zuspitzenden Krise bei Volkswagen analysieren aktuelle Medienberichte Szenarien, in denen der VW-Aufsichtsrat den Betriebsrat bei weitreichenden Sanierungsentscheidungen überstimmen könnte. Im Zentrum steht die für den 4. September geplante Entscheidung des Aufsichtsrats über das künftige Sanierungskonzept.

Da die Arbeitnehmervertreter gemeinsam mit dem Land Niedersachsen über 12 von 20 Sitzen im Kontrollgremium verfügen, könnten sie die Pläne des Vorstands blockieren. Für diesen Fall drohen die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch laut Berichten mit der Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung, die frühestens Mitte Oktober stattfinden könnte.

Strategische Blockade im Aufsichtsrat

Eine solche Hauptversammlung könnte einen rechtlichen Hebel bieten, um den Widerstand im Aufsichtsrat zu brechen. Mit einer Mehrheit von 75 Prozent der Stimmen könnte das Aktionärstreffen einen Beschluss des Aufsichtsrats aufheben. Zwar bestünde dabei das Risiko von Anfechtungsklagen, diese hätten jedoch nach aktuellem Stand keine aufschiebende Wirkung auf die Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen.

Die Machtverhältnisse bei den Stimmrechten sind dabei klar verteilt: Die Porsche SE hält 53,3 Prozent, das Land Niedersachsen 20 Prozent und das Emirat Katar 17 Prozent, während sich der Rest im Streubesitz befindet.

Gemäß dem VW-Gesetz benötigen besonders wichtige Beschlüsse eine Zustimmung von mehr als 80 Prozent. Dies sichert dem Land Niedersachsen traditionell eine Sperrminorität. Dennoch erhöht die Drohung mit einer Hauptversammlung den Druck auf die Arbeitnehmerseite erheblich, da die Eigentümerfamilien entschlossen scheinen, den Sanierungskurs gegen Widerstände durchzusetzen.

Massiver Stellenabbau und gefährdete Standorte

Die Notwendigkeit der Sanierung wird durch die jüngsten Geschäftszahlen unterstrichen. Das VW-Konzernergebnis sank im Jahr 2025 um 44 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro. Die Holding Porsche SE rutschte im ersten Halbjahr 2026 mit 2,2 Milliarden Euro sogar in die roten Zahlen.

Konzernchef Oliver Blume verwies darauf, dass die Gemeinkosten bei Volkswagen um mehr als 30 Prozent über denen der Vergleichsunternehmen lägen. Im vergangenen Jahr seien die Kosten in den deutschen Werken bereits um 20 Prozent gesenkt worden, doch die Produktionskapazität in Europa müsse um weitere 500.000 Fahrzeuge sinken.

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Das Sanierungskonzept sieht einen drastischen Personalabbau vor. Blume bestätigte Pläne für den Abbau von 50.000 zusätzlichen Stellen weltweit, wovon etwa 25.000 auf Deutschland entfallen sollen. Zusammen mit bereits früher vereinbarten Maßnahmen ergibt sich eine Gesamtzahl von zirka 75.000 Stellen.

Bis zum Jahr 2030 sollen allein in Deutschland 50.000 Arbeitsplätze wegfallen, davon 35.000 in der Kernmarke VW. Der Betriebsrat warnt sogar vor einer Betroffenheit von bis zu 115.000 Jobs, sollte es zu Werksschließungen kommen. Aktuell verfügen die Standorte Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm über keine bestätigte Auslastung bis 2030.

Wirtschaftlicher Druck und Widerstand der Gewerkschaft

Zusätzliche Belastungen entstehen durch das schwächelnde Geschäft mit Elektrofahrzeugen. VW-Finanzchef Arno Antlitz forderte weitere Kostensenkungen für das Werk Hannover, in dem mehr als 12.000 Mitarbeiter beschäftigt sind.

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Unter anderem verteuern US-Importzölle den ID.Buzz, was die Nachfrage sinken ließ. Während der Vorstand auch den Verkauf von Werken prüft – etwa in Osnabrück, wo Gespräche mit der Rüstungsindustrie geführt werden sollen –, stößt dieser Kurs auf erbitterten Widerstand.

Die IG Metall warf dem Vorstand ein Kommunikationsdesaster vor und betonte, dass die Sparpläne nicht konkret erläutert worden seien. Bezirksleiter Thorsten Gröger erklärte, dass Zukunft nicht durch Verzicht entstehe und verwies darauf, dass die Arbeitnehmer bereits einen Beitrag von 1,5 Milliarden Euro geleistet hätten.

Da die Friedenspflicht erst Ende 2026 ausläuft, sind großflächige Arbeitsniederlegungen erst ab diesem Zeitpunkt rechtlich möglich. In einer Betriebsversammlung am 31. August protestierten die Beschäftigten bereits gegen die Schließungspläne.

Der Aufsichtsrat konnte bei einem Treffen am 27. August noch keine Einigung erzielen, was die Bedeutung der bevorstehenden Sitzung am 4. September weiter unterstreicht.

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