VW-Krise: Aufsichtsrat berät über 50.000 Stellenabbau am 4. September
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 19:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Am Freitag, den 4. September 2026, tritt der Aufsichtsrat der Volkswagen AG zusammen, um über die tiefgreifende Krise des Automobilherstellers zu beraten.
Marktbeobachter bewerten die Chancen für einen schnellen Durchbruch und eine Einigung zwischen dem Management und der Arbeitnehmerseite derzeit als gering. Konzernchef Oliver Blume drängt auf weitreichende Einschnitte, um ein umfassendes Sparpaket noch vor dem Ende des laufenden Jahres festzuschreiben.
Strategiewechsel mit dem „Konzern-Zielbild 2030“
Im Rahmen der Sitzung wird Blume das überarbeitete „Konzern-Zielbild 2030“ vorlegen. Ein früherer Entwurf seiner Strategie war bereits am 9. Juli 2026 im Aufsichtsrat gescheitert, nachdem das Gremium den Plan mit 7 zu 12 Stimmen abgelehnt hatte.
Die neue Zielsetzung sieht eine deutliche Steigerung der Profitabilität vor. Bis zum Jahr 2030 strebt VW eine Umsatzrendite von 8 % bis 10 % an. Zuletzt lag dieser Wert bei lediglich 3,8 %.
Um diese Renditeziele zu erreichen, plant die Konzernführung massive Kostensenkungen, insbesondere in Bereichen außerhalb der direkten Fertigung. Blume verweist hierbei auf die Wettbewerbssituation und betont, dass die Arbeitskosten am Standort Deutschland doppelt so hoch ausfielen wie im europäischen Durchschnitt.
Standorte und Arbeitsplätze unter Druck
Ein zentraler Streitpunkt der Verhandlungen ist der geplante Stellenabbau. Im Raum steht die Streichung von weiteren 50.000 Arbeitsplätzen, wobei diese Zahl unternehmensintern als theoretische Rechengröße eingestuft wird. Besonders kritisch wird die Lage für vier deutsche Standorte bewertet: Die Werke in Emden, Zwickau, Neckarsulm und Hannover gelten als gefährdet.
Finanzvorstand Arno Antlitz informierte bereits darüber, dass für diese Standorte aktuell keine wirtschaftliche Nachfolgebelegung vorgesehen sei. Ohne einen entsprechenden Kapazitätsabbau drohe dem Unternehmen ein jährlicher Kostennachteil in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. Bereits am 31. August 2026 hatte Antlitz auf einer Betriebsversammlung in Hannover vor rund 5.500 Teilnehmern die Notwendigkeit von Kostensenkungen hervorgehoben.
Wenn im Unternehmen einschneidende Veränderungen und betriebsbedingte Kündigungen drohen, ist die Sicherung fairer Bedingungen für die Belegschaft entscheidend. Dieser kostenlose Ratgeber unterstützt Arbeitnehmervertreter dabei, ihre Mitbestimmungsrechte bei der Gestaltung von Sozialplänen optimal zu nutzen. Kostenlosen Ratgeber für gerechte Sozialpläne herunterladen
Widerstand von Gewerkschaft und Land Niedersachsen
Gegen die Pläne des Managements formiert sich massiver Widerstand. Die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner wirft Blume vor, mit den angedachten Werksschließungen gegen eine bestehende Betriebsvereinbarung von Ende 2024 zu verstoßen. Sie kündigte an, dass Schließungen mit der Gewerkschaft nicht umsetzbar seien und kündigte Widerstand innerhalb des Aufsichtsrats an. Für den 21. September 2026 bereitet die Gewerkschaft zudem einen Aktionstag vor.
Unterstützung erhält die Arbeitnehmerseite durch das Land Niedersachsen, das 20 % der Stimmrechte hält und die aktuellen Pläne gemeinsam mit dem Betriebsrat blockiert. Benner forderte zudem politischen Schutz vor Billigimporten aus China, um die heimische Produktion zu stützen.
Der rechtssichere Umgang mit bestehenden Vereinbarungen und deren Durchsetzung ist ein zentrales Instrument der betrieblichen Mitgestaltung. Erfahrene Arbeitnehmervertreter finden in diesem kostenlosen Leitfaden praxiserprobte Muster und Checklisten, um die Interessen der Belegschaft wirksam zu vertreten. Kostenlose Muster-Betriebsvereinbarung jetzt sichern
Wirtschaftliche Kennzahlen und Aktionärsdruck
Die wirtschaftliche Situation des Konzerns wird durch eine schwache Performance auf dem chinesischen Markt zusätzlich belastet. Prognosen zufolge könnte der China-Gewinn von 1 Milliarde Euro auf 200 Millionen Euro einbrechen.
In der ersten Jahreshälfte 2026 erwirtschaftete der Konzern bei einem Umsatz von 158,1 Milliarden Euro eine operative Marge von 3,8 %. An der Börse spiegelte sich die Verunsicherung zuletzt wider: Die VW-Aktie notierte auf der Plattform Tradegate bei 77,22 Euro, was einem Rückgang von 1,69 % entsprach.
Auch die Haupteigner erhöhen den Druck auf den Vorstandsvorsitzenden. Die Porsche- und Piëch-Erben fordern Resultate, da auch die Porsche SE, die 53,3 % der Stimmrechte an Volkswagen hält, an Wert verliert. Ihr Börsenwert sank von 12,2 Milliarden Euro im Vorjahr auf aktuell 8,4 Milliarden Euro.
Sollte am Freitag keine Einigung erzielt werden, droht eine weitere Eskalation. In diesem Fall könnte frühestens Mitte Oktober eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen werden. Dort bestünde die theoretische Möglichkeit, Aufsichtsratsbeschlüsse mit einer Mehrheit von 75 % zu revidieren, wenngleich damit gerechnet wird, dass solche Schritte langwierige Anfechtungsklagen nach sich ziehen würden.
