VW-Konflikt: IG Metall zieht Revisionsklausel und kündigt Aktionstag an
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 20:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Konflikt um die künftige Ausrichtung von Volkswagen haben die IG Metall und der Automobilhersteller Gespräche über den geplanten Konzernumbau aufgenommen. Die Gewerkschaft zog dazu die Revisionsklausel aus dem bestehenden Zukunftstarifvertrag, der ursprünglich eine Laufzeit bis Ende 2030 hat. Volkswagen stimmte der Aufnahme von Verhandlungen über die Restrukturierung des Unternehmens zu.
IG Metall pocht auf Einhaltung bestehender Zusagen
Die IG Metall fordert Volkswagen zu Überprüfungsgesprächen gemäß dem Zukunftstarifvertrag auf. Sollte in diesen Verhandlungen keine Einigkeit erzielt werden, droht die Arbeitnehmervertretung mit der Anrufung der Schlichtungsstelle.
Ziel der Gewerkschaft ist die Einhaltung der im Tarifabschluss vom 20. Dezember 2024 getroffenen Zusagen. Dieser sah Investitionen in neue Modelle sowie den Abbau von 35.000 Stellen in Deutschland bis zum Jahr 2030 vor, schloss jedoch betriebsbedingte Kündigungen aus.
Bezirksleiter Thorsten Gröger unterstrich in diesem Zusammenhang, dass Vertragstreue keine Einbahnstraße darstelle. Die Gewerkschaft bereitet sich bereits auf eine Eskalation vor: Für den 21. September 2026 ist ein Aktionstag bei Volkswagen sowie in der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg geplant.
Dort fordern die Beschäftigten namhafter Unternehmen wie Mercedes-Benz, Porsche und Bosch ebenfalls Investitionszusagen und den Erhalt tariflicher Standards. Am 25. September 2026 will die IG Metall zudem ihre Lohnforderung für die kommende Tarifrunde beschließen, wobei in Umfragen unter den Beschäftigten die hohen Lebenshaltungskosten als größte Sorge genannt wurden.
Der „Zukunftsplan 2030“ und die wirtschaftliche Lage bei VW
Der VW-Aufsichtsrat hatte am 3. September den sogenannten „Zukunftsplan 2030“ einstimmig verabschiedet. Das Programm zielt darauf ab, die operative Umsatzrendite bis zum Ende des Jahrzehnts auf 9 Prozent zu steigern.
Im ersten Halbjahr 2026 lag dieser Wert bei lediglich 3,8 Prozent, was einem operativen Ergebnis von 3,80 Euro pro 100 Euro Umsatz entspricht. Um die Zielmarke zu erreichen, ist laut Konzernangaben eine Ergebnisverbesserung von 31 Milliarden Euro notwendig.
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Der Plan sieht drastische Einschnitte vor: Weltweit sollen weitere 50.000 Stellen gestrichen werden, die Hälfte davon an deutschen Standorten. Damit würde die Zahl der wegfallenden Arbeitsplätze in Deutschland auf insgesamt mindestens 75.000 steigen.
Volkswagen berichtet zudem von einer Überkapazität von 500.000 Fahrzeugen in Europa. In der Folge sollen die Investitionen auf 135 Milliarden Euro sinken, was einer Kürzung um 50 Milliarden Euro entspricht.
Jedes zweite Modell steht derzeit vor dem Aus, und Werke wie Emden, Zwickau, Hannover sowie das Audi-Werk in Neckarsulm verfügen über keine gesicherte Produktperspektive mehr. Parallel dazu prüft der Konzern den Verkauf von Beteiligungen wie Ducati, Gotion, Quantumscape und Carbon.
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Politischer Druck und regionale wirtschaftliche Herausforderungen
Die wirtschaftliche Anspannung bei Volkswagen löst auch politische Debatten aus. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer forderte Kanzler Friedrich Merz dazu auf, den Dialog mit den Gewerkschaften bei wirtschaftspolitischen Reformen zu intensivieren.
Deutschland müsse seine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Staaten wie Polen und China stärken, wobei der Fokus auf Wachstum, Energiepreisen und Deregulierung liegen sollte. Innerhalb der CDU fordert CDA-Chef Dennis Radtke einen Kurswechsel, da der bisherige Kurs als gescheitert gelte.
Die Situation in Sachsen verdeutlicht den industriellen Wandel: Während ein Spitzengespräch in Dresden ein Zielbild für das Jahr 2040 entwarf, berichten Arbeitgeberverbände vom Verlust von 19.000 Industriejobs innerhalb von drei Jahren.
Der Pharmakonzern GSK kündigte zudem an, sein Impfstoffwerk in Dresden bis Sommer 2028 zu schließen und die Produktion nach Kanada zu verlagern, wovon 650 Beschäftigte betroffen sind. Laut der Gewerkschaft IG BCE sind in sächsischen Schlüsselbranchen derzeit insgesamt rund 4.250 Arbeitsplatzverluste bekannt oder geplant.
