Volkswagen, IG Metall

VW friert Gehälter für 660.000 Beschäftigte bis 2030 ein

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 10:31 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Gewerkschaft warnt vor möglichen Reallohnverlusten von mindestens zehn Prozent. Volkswagen äußert sich nicht zu den Plänen und verweist auf interne Verhandlungen vor dem Tarifstart Ende November.

VW-Konflikt um weltweite Personalkosten

  • Die IG Metall beruft sich auf Informationen des Europäischen- und Weltkonzernbetriebsrats.
  • Die neue Vorgabe soll seit Anfang Oktober für die weltweiten Personalkostenbudgets gelten.
  • Die Gewerkschaft fordert für die anstehenden Verhandlungen fünf Prozent mehr Geld.
  • 2024 gab es bereits eine Nullrunde für 130.000 VW-Beschäftigte.
Für die VW-Mitarbeitende drohen erneut Einschnitte. (Symbolbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa

IG Metall warnt vor Nullrunden bei Volkswagen

Volkswagen plant nach Darstellung der IG Metall, die Gehälter der weltweit mehr als 660.000 Beschäftigten bis 2030 einzufrieren. Die Gewerkschaft beruft sich auf eine Information des Europäischen- und Weltkonzernbetriebsrats, während Volkswagen die Angaben nicht kommentiert.

Vorgabe soll seit Oktober gelten

Der Konzernvorstand habe die Personalverantwortlichen weltweit zu „Nullrunden bis 2030“ angewiesen, teilte die IG Metall mit. Das aktuelle Tarifniveau solle eingefroren und auf Entgelterhöhungen verzichtet werden; die Vorgabe greife nach Gewerkschaftsangaben seit Anfang Oktober.

Die IG Metall kritisiert damit einen Bruch mit der bisherigen Praxis, in den weltweiten Personalkostenbudgets einen Inflationsausgleich und tarifliche Erhöhungen vorzusehen. Bei einer Umsetzung befürchtet die Gewerkschaft Reallohnverluste von mindestens zehn Prozent.

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Tarifverhandlungen starten voraussichtlich im November

Die Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag sollen voraussichtlich Ende November beginnen. Gesprochen wird sowohl über den VW-Haustarif als auch über den Flächentarif der Metall- und Elektroindustrie, der unter anderem für Audi, MAN und Porsche gilt.

Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld. Der Europäische- und Weltkonzernbetriebsrat bezeichnete das Vorgehen des Konzerns als absurd und verwies auf eine bislang fehlende Positionierung der Arbeitgeberseite.

Weitere Stellenstreichungen geplant

Volkswagen hatte knapp einen Monat zuvor fast alle Tarifverträge vor den Verhandlungen gekündigt. Der Konzernvorstand will in den kommenden Jahren weltweit 50.000 Stellen streichen, zusätzlich zu bisherigen Abbauplänen.

Offen ist außerdem die Zukunft der VW-Werke in Emden, Hannover und Zwickau sowie des Audi-Standorts Neckarsulm über die Jahre 2031 bis 2034 hinaus. Bei den Tarifverhandlungen 2024 hatte es bereits eine Nullrunde für 130.000 VW-Beschäftigte gegeben.

Das damals vereinbarte Gehaltsplus von fünf Prozent in zwei Stufen fließt analog zum Abschluss in der Metall- und Elektroindustrie in einen Fonds und nicht auf die Konten der Beschäftigten.

Der angekündigte Gehaltsstopp fällt in eine Phase, in der Volkswagen seine Kostenstruktur und die Beschäftigtenzahl deutlich reduzieren will. Nach den vorliegenden Angaben plant der Konzern zusätzlich zum bereits vereinbarten Abbau weitere 50.000 Stellen weltweit. Damit verbindet sich die Lohnfrage mit einem umfassenden Umbau des Unternehmens und nicht nur mit einem einzelnen Tarifabschluss.

Für die Beschäftigten hätte ein Einfrieren der Entgelte bei weiter steigenden Verbraucherpreisen direkte Folgen für die Kaufkraft. Die IG Metall beziffert den möglichen Reallohnverlust auf mindestens zehn Prozent. Ob und in welchem Umfang die Vorgabe umgesetzt wird, dürfte Gegenstand der anstehenden Tarifverhandlungen sein, die voraussichtlich Ende November beginnen.

Tarifkonflikt mit internationaler Reichweite

Die Gespräche betreffen den VW-Haustarif sowie den Flächentarif der Metall- und Elektroindustrie. Damit geht es nicht nur um Volkswagen, sondern auch um Beschäftigte bei Audi, MAN und Porsche. Die Forderung der Gewerkschaft nach fünf Prozent mehr Geld steht einem Konzernkurs gegenüber, der laut IG Metall weltweit keine Entgelterhöhungen bis 2030 vorsieht.

Zusätzliche Bedeutung erhält der Konflikt durch die offene Zukunft mehrerer deutscher Standorte. Für Werke in Emden, Hannover und Zwickau sowie den Audi-Standort Neckarsulm sind Perspektiven über die Jahre 2031 bis 2034 hinaus noch offen. Der Tarifstreit berührt deshalb zugleich Einkommen, Beschäftigungssicherung und die künftige industrielle Struktur des Konzerns.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „Krisenbranche Auto - Bericht: Volkswagen plant u.a. Einfrieren der Gehälter“ (19.10.2026)

Der Bericht bestätigt den geplanten Lohnstopp bis 2030 und hebt zusätzlich mögliche Kürzungen bei variablen Vergütungsbestandteilen sowie Sonderzahlungen hervor. Anders als die dpa-Meldung ordnet er den Vorgang stärker in die Krise der deutschen Autoindustrie und den geplanten Abbau von weltweit 50.000 weiteren Stellen ein.

NDR: „VW: Gehälter sollen laut Bericht bis 2030 eingefroren werden“ (19.10.2026)

Der NDR stellt die möglichen Folgen für die Kaufkraft der Beschäftigten sowie die geplante Kostensenkung in den Mittelpunkt. Übereinstimmung besteht beim angekündigten Einfrieren der Gehälter und bei der Zurückhaltung von Volkswagen; offen bleibt, wie die Vorgabe in den Tarifverhandlungen umgesetzt wird.

Beide Berichte greifen den geplanten Gehaltsstopp und die angespannte Lage bei Volkswagen auf. Unterschiede liegen vor allem bei der Gewichtung von Vergütungsbestandteilen, Kaufkraftverlust und Standortperspektiven.

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