VW-Chef, Blume

VW-Chef Blume in Zwickau: Betriebsrat fordert Zusagen nach 2030

Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 09:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

VW-Betriebsversammlung in Zwickau: Belegschaft verlangt verbindliche Zukunftspläne. Das Werk kämpft mit sinkender Auslastung und Stellenabbau.

VW-Chef Blume besucht Zwickau: Betriebsrat fordert Perspektiven für E-Auto-Werk
Blick in eine weitläufige, menschenleere Fertigungshalle des Volkswagen-Werks Zwickau mit montierten E-Auto-Karosserien. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Am 26. August 2026 wird der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, Oliver Blume, die Betriebsversammlung im sächsischen E-Auto-Werk Zwickau besuchen.

Der Betriebsrat des Standorts verknüpft mit diesem Termin hohe Erwartungen und fordert verbindliche Zusagen für die Zeit nach 2030. Während die aktuelle Standortgarantie noch bis zum Ende des Jahrzehnts greift, herrscht bei der Belegschaft wachsende Besorgnis über die langfristige Auslastung und die personelle Aufstellung des Werks.

Ungewissheit nach Auslaufen der Standortgarantie

Die derzeitige Beschäftigungssicherung für das Werk Zwickau endet mit dem Jahr 2030. Für die Phase danach fehlen bislang konkrete Perspektiven, was die Arbeitnehmervertreter unter Druck setzt. Die personelle Situation hat sich bereits deutlich verschärft: Aktuell umfasst die Belegschaft rund 8.000 Beschäftigte, während es zu Spitzenzeiten noch 11.000 waren. Berichten zufolge steht der Wegfall von weiteren 1.000 Arbeitsplätzen bevor.

Zusätzlich zu dem Stellenabbau in der Stammbelegschaft ist die Situation bei den befristeten Arbeitsverhältnissen angespannt. Insgesamt 2.800 befristete Verträge seien bereits ausgelaufen, weitere 400 Verträge sollen noch bis zum kommenden Juni enden. Parallel dazu belastet die Entscheidung, die Produktion bestimmter ID-Modelle künftig nach Wolfsburg zu verlagern, die Stimmung am sächsischen Standort.

Kapazitätsunterlaufung und strukturelle Anpassungen

Das Werk in Zwickau ist technisch für eine Jahreskapazität von 360.000 Fahrzeugen ausgelegt. Diese Marke wird jedoch gegenwärtig deutlich unterschritten. Für das Jahr 2026 wird lediglich mit einer Produktion von voraussichtlich 202.000 Fahrzeugen gerechnet. Infolge dieser Unterauslastung plant der Konzern drastische strukturelle Einschnitte: Im Jahr 2027 soll eine der zwei bestehenden Fertigungslinien am Standort stillgelegt werden.

Anzeige

Wer sich in Zeiten von Umstrukturierungen für die Rechte der Belegschaft einsetzt, muss seine gesetzlichen Spielräume genau kennen. Dieser kostenlose Ratgeber erklärt, wie Arbeitnehmervertreter ihre Mitbestimmung bei Themen wie Arbeitszeit und Standortentscheidungen effektiv nutzen. Kostenlosen Praxis-Leitfaden zum Betriebsverfassungsgesetz herunterladen

Angesichts dieser Entwicklung wird innerhalb der Belegschaft auch über die Einführung einer 35-Stunden-Woche diskutiert, um auf die veränderten Rahmenbedingungen zu reagieren. Als mögliche Option zur besseren Auslastung der verbleibenden Kapazitäten wird der Bau der China-Modelle ID.Unyx 08 und ID.Era 9X in Zwickau in Erwägung gezogen, eine Entscheidung hierzu steht jedoch noch aus.

Aufbau neuer Geschäftsfelder in der Kreislaufwirtschaft

Trotz der Krise in der Fahrzeugproduktion investiert Volkswagen in Zwickau in neue Aufgabenbereiche. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Demontage-Geschäft. Während dort bis zum Jahresende zunächst 100 Mitarbeiter tätig sein sollen, wird langfristig ein Ziel von 1.000 Beschäftigten angestrebt. Ab dem Jahr 2030 sieht die Planung vor, jährlich bis zu 15.000 Fahrzeuge im Rahmen der Kreislaufwirtschaft zu demontieren.

Anzeige

Wenn Standorte vor massiven Veränderungen stehen, ist die Verhandlung fairer Bedingungen für die betroffenen Kollegen entscheidend. Erfahren Sie in diesem Gratis-Report, wie Sie als Arbeitnehmervertreter bei Interessenausgleich und Sozialplan die bestmöglichen Ergebnisse erzielen. Gratis-Ratgeber für die Verhandlung von Sozialplänen sichern

Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter unterstrich die Bedeutung dieser Transformation und verwies auf die Chancen, die sich aus der EU-Altfahrzeugverordnung ergeben. Hierfür seien bereits Fördermittel bereitgestellt worden.

Panter betonte zudem die hohe Wirtschaftlichkeit des Standorts: Zwickau sei das produktivste Fahrzeugwerk in Deutschland und liege in der Produktivität rund 30 Prozent vor dem zweitplatzierten Werk. Auch im Vergleich mit dem Standort Bratislava schneide Zwickau bei der Arbeitsproduktivität besser ab.

Wirtschaftliche Relevanz für die Region

Für die Region Zwickau ist die Zukunft des Werks von existenzieller Bedeutung. Statistiken zeigen, dass jeder vierte Arbeitsplatz in der Region unmittelbar oder mittelbar an der Automobilindustrie hängt. Der Sektor erwirtschaftet zudem 29 Prozent der gesamten regionalen Industrieumsätze.

Vor diesem Hintergrund forderte Wirtschaftsminister Panter vom VW-Vorstand rationale Standortentscheidungen und plädierte zudem für eine Anpassung der Importzölle auf Elektroautos aus China, die auf Plug-in-Hybride ausgeweitet werden sollten.

Während regionale Führungskräfte und Stakeholder bereits Strategien zur Stabilisierung des Automobilstandorts diskutieren, bleibt der Besuch von Oliver Blume der entscheidende Moment für die Belegschaft, um Klarheit über die Investitions- und Produktstrategie für das nächste Jahrzehnt zu erhalten.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 69979446 |