VW-Betriebsrat, Vertrauen

VW-Betriebsrat: Vertrauen zu Blume beschädigt, aber reparabel

Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 12:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bei Volkswagen eskaliert der Konflikt: Die Arbeitnehmervertretung stellt sich offen gegen die Sparpläne des Vorstands und fordert eine Zukunft ohne Standortschließungen.

VW-Krise: Betriebsratschefin kritisiert Blume und warnt vor Werksschließungen
Leere, moderne Automobil-Fertigungshalle mit stillstehenden Industrierobotern in einer düsteren, industriellen Atmosphäre. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Konzernbetriebsratsvorsitzende von Volkswagen, Daniela Cavallo, hat am 25. August 2026 das Vertrauensverhältnis zum Vorstandsvorsitzenden Oliver Blume als infolge der aktuellen Restrukturierungsdebatte beschädigt eingestuft. Sie bezeichnete die Situation jedoch als reparabel.

Hintergrund sind weitreichende Pläne der Konzernführung zur Kostensenkung, die in der Belegschaft zu erheblichen Verunsicherungen geführt haben. Cavallo betonte ihre strikte Ablehnung von betriebsbedingten Kündigungen sowie Werksschließungen.

Massive Sparpläne und drohende Werksschließungen

Volkswagen-Chef Oliver Blume beurteilt die aktuelle Lage des Konzerns als mehr als kritisch. Laut seinen Ausführungen reiche die derzeitige Rendite von 3,8 Prozent nicht aus, um die Zukunftsfähigkeit zu sichern. Um die Effizienz zu steigern, sieht der Vorstand einen massiven Kapazitätsabbau vor. Konkret plant das Unternehmen, die Produktionskapazitäten um 500.000 Fahrzeuge pro Jahr zu reduzieren.

Teil dieser Strategie ist ein möglicher Abbau von 50.000 Stellen. Diese Zahl stellt laut Blume zwar keine fixe Zielgröße dar, würde jedoch zusätzlich zu bereits vereinbarten Reduzierungen um 50.000 Arbeitsplätze erfolgen. In der Debatte stehen zudem mögliche Schließungen von insgesamt fünf Werken.

Nach derzeitigen Planungen der Konzernführung könnten die Standorte Zwickau und Emden im Jahr 2031 sowie das Werk in Hannover im Jahr 2032 von einer Schließung betroffen sein. Auch die Standorte Neckarsulm und Osnabrück gelten als gefährdet.

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Belegschaft kritisiert interne Kommunikation

Die Stimmung innerhalb der Belegschaft ist nach einer internen Umfrage, die im Zeitraum vom 17. bis zum 21. August durchgeführt wurde, von Ängsten und Verunsicherung geprägt. Ein zentraler Kritikpunkt der Mitarbeiter ist die Informationspolitik der Konzernführung. Die Kommunikation des Vorstands wurde in der Befragung als desaströs bezeichnet und stellte das größte Ärgernis für die Teilnehmenden dar.

Im Rahmen der Umfrage kristallisierten sich Schwerpunktthemen heraus, die auf besonderes Interesse stießen. Dazu gehörten Fragen zur Standortsicherung in Emden, Hannover, Neckarsulm, Osnabrück und Zwickau sowie Details zum Erhalt von Arbeitsplätzen und Regelungen zur Altersteilzeit.

Zur Information der Mitarbeiter begannen am 25. August neun außerordentliche Betriebsversammlungen, unter anderem am Hauptsitz in Wolfsburg. Weitere Versammlungen in Emden und Zwickau folgen am 26. August.

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Widerstand von Gewerkschaft und Arbeitnehmervertretern

Die IG Metall wies die Pläne zum Abbau von 50.000 Stellen als Provokation zurück. Zudem kritisierte die Gewerkschaft das vom Vorstand angestrebte Renditeziel von 9 Prozent als völlig unrealistisch. Auch der Vorstand war mit seinen ursprünglichen Plänen bereits im Juli im Aufsichtsrat gescheitert.

Für die kommende Aufsichtsratssitzung am 4. September bereitet die Arbeitnehmerseite einen Alternativplan vor, der ohne Werksschließungen auskommen soll. Unterstützung erhält der Betriebsrat teilweise aus der Politik.

Der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies besuchte das Werk in Hannover und verwies auf die besondere Rolle des Landes Niedersachsen, das über ein Vetorecht verfügt. Blume beharrt unterdessen darauf, dass alle Beteiligten den Kurs des Unternehmens mittragen müssten, um die notwendige Transformation zu bewältigen.

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