VW-Aufsichtsrat blockiert Sparpaket: Bis zu 100.000 Jobs vorerst sicher
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 19:49 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Mit 7 zu 12 Stimmen verweigerten Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen den Plänen von Konzernchef Oliver Blume die Zustimmung. Der Versuch, durch Werksschließungen und drastische Kostensenkungen die Effizienz zu steigern, ist damit vorerst gescheitert.
Widerstand gegen Werksschließungen und Stellenabbau
Der Kern des Konflikts: Das Sparpaket sah den Abbau von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen vor. Zudem standen die Schließungen von vier Werken im Raum – Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm.
Das Land Niedersachsen, das 20 Prozent an VW hält, stellte sich gemeinsam mit der Arbeitnehmerseite gegen diese Pläne. Die Vertreter lehnten Werksschließungen ausdrücklich ab. Begleitet wurde die Sitzung von bundesweiten Protesten der IG Metall. In Wolfsburg versammelten sich rund 500 Teilnehmer, in Emden etwa 1.500 Beschäftigte.
Strategie 2030: Radikaler Abbau geplant
Trotz der Ablehnung hält der Vorstand an der Notwendigkeit einer Transformation fest. Die „Strategie 2030“ sieht eine drastische Straffung des Portfolios vor. Die Modellpalette soll um 50 Prozent reduziert werden, die Anzahl der Ausstattungsvarianten um 75 Prozent sinken. Ziel ist eine weltweite Produktionskapazität von rund 9 Millionen Fahrzeugen pro Jahr.
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Der Vorstand präsentierte dem Kontrollgremium einen „Zukunftsplan“ mit zwölf Initiativen. Konkrete Angaben zur Umsetzung des Stellenabbaus blieb die Konzernspitze in der Sitzung jedoch schuldig. Experten halten radikale Schritte angesichts der Marktlage für erforderlich – bisherige Sparvorgaben aus dem Jahr 2024 brachten zwar Kostensenkungen von 20 Prozent, das reicht aber nicht mehr.
Sinkende Absatzzahlen setzen VW unter Druck
Hintergrund des harten Sparkurses sind schwache Geschäftszahlen, besonders in China. Im zweiten Quartal sank der weltweite Absatz um 8,6 Prozent auf 2,08 Millionen Fahrzeuge. Auf dem chinesischen Markt brachen die Auslieferungen um 33 Prozent auf 424.300 Einheiten ein.
Auch innerhalb der Markengruppe zeigen sich deutliche Einbußen. Die Kernmarke VW verzeichnete ein Minus von 14 Prozent, Porsche musste einen Rückgang von 18 Prozent hinnehmen. Audi verbuchte ein Minus von 8 Prozent. Einziger Lichtblick: Skoda legte um 5 Prozent zu. Bereits im ersten Quartal war der Nettogewinn um 28 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro eingebrochen.
Ultimatum des Betriebsrates
Die Arbeitnehmerseite fordert nun kurzfristig belastbare Informationen über die Zukunft der bedrohten Standorte. Die Betriebsratschefin stellte dem Vorstand nach der ergebnislosen Sitzung ein Ultimatum bis zum 10. Juli – dem heutigen Tag.
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Da die Entscheidung über die „Radikalkur“ vertagt wurde, rechnen Beobachter mit einer Fortsetzung der Verhandlungen nach der Sommerpause. Die IG Metall kündigte bereits weiteren Widerstand an, sollte der Vorstand an den Schließungsplänen für Standorte wie Zwickau oder Chemnitz festhalten.
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