Vorsteuerabzug, EuG-Urteil

Vorsteuerabzug: EuG-Urteil bringt Unternehmen Liquiditätsvorteil

01.06.2026 - 00:39:12 | boerse-global.de

EuG-Urteil ermöglicht früheren Vorsteuerabzug, während das Jahressteuergesetz 2026 die Forschungsförderung auf 25 Millionen Euro anhebt.

Vorsteuerabzug: EuG-Urteil bringt Unternehmen Liquiditätsvorteil - Foto: über boerse-global.de
Vorsteuerabzug: EuG-Urteil bringt Unternehmen Liquiditätsvorteil - Foto: über boerse-global.de

Finanzvorstände stehen vor konkreten Chancen, ihre Liquidität zu optimieren.

Vorsteuerabzug: EuG-Urteil bringt Liquiditätsschub

Ein wegweisendes Urteil des Europäischen Gerichts (EuG, Rechtssache T-689/24) vom 11. Februar 2026 hat die Spielregeln für den Vorsteuerabzug neu geschrieben. Unternehmen dürfen die Vorsteuer künftig bereits in dem Monat geltend machen, in dem die Leistung erbracht wurde – vorausgesetzt, die Rechnung geht vor Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung ein.

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Bisher verloren Firmen oft den sofortigen Abzug, wenn die Rechnung nicht bis zum Monatsende vorlag. „Das Urteil verschafft Unternehmen einen erheblichen Liquiditätsvorteil", erklärt Matthias Luther, Steuerexperte bei A&M. Kapital bleibt früher im Unternehmen, Zinseffekte für zurückliegende Perioden sind möglich, und Sanktionsrisiken sinken.

Die Finanzabteilungen müssen ihre Buchhaltungsprozesse nun anpassen, um Rechnungen rechtzeitig zu verarbeiten und die neuen Meldefristen einzuhalten.

Jahressteuergesetz 2026: Mehr Geld für Forschung

Das Bundesfinanzministerium hat den Entwurf für das Jahressteuergesetz 2026 vorgelegt – mit deutlichen Anreizen für Innovation. Die steuerliche Forschungsförderung steigt von 15 auf 25 Millionen Euro jährlich pro Unternehmen.

Ein weiterer Kernpunkt: die Digitalisierung der Finanzverwaltung. Eine geplante Änderung der Abgabenordnung (§ 29c AO) erlaubt Finanzämtern künftig, Künstliche Intelligenz mit echten Bürger- und Unternehmensdaten zu trainieren. Die Trainingsdaten müssen nach maximal einem Jahr gelöscht werden. Die finale Entscheidungsgewalt bleibt beim Menschen – die KI dient lediglich als Unterstützungswerkzeug.

Internationale Compliance: Krypto und verdeckte Gewinnausschüttungen

Der Druck auf Unternehmen mit Auslandsaktivitäten wächst. Das Bundeskabinett hat die Regeln für den Crypto-Asset Reporting Framework (CARF) gebilligt. Ab dem 30. September 2027 werden Krypto-Transaktionen mit Nicht-EU-Staaten automatisch ausgetauscht. Innerhalb der EU läuft der DAC8-Austausch bereits – die ersten Meldungen für das Steuerjahr 2026 müssen bis zum 31. Juli 2027 erfolgen.

Das Finanzgericht Münster hat sich am 17. Februar 2026 mit verdeckten Gewinnausschüttungen (vGA) aus ausländischen Tochtergesellschaften befasst. Im Fall einer spanischen Tochter entschieden die Richter: Die Einkommensminderung nach § 8b KStG ist wirtschaftlich-abstrakt zu verstehen. Eine doppelte Nichtbesteuerung wurde vermieden, weil die Kapitalgewinne in Spanien bereits steuerfrei waren. Der Fall geht nun zum Bundesfinanzhof (BFH).

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Krisenprävention: Strengere Regeln für Eigenverwaltung

Unternehmen in der Restrukturierung stehen vor höheren Hürden. Das SanInsFoG verlangt für den Eintritt in die Eigenverwaltung einen umfassenden Sechs-Monats-Finanzplan und eine Krisenanalyse. Dazu gehören ein Statusbericht über Verhandlungen mit Gläubigern und ein Vergleich der Verfahrenskosten.

Auch technische Steuermaßnahmen bleiben zentral für die Kapitalerhaltung. Bei Personengesellschaften ist die Verwaltung der Kapitalkonten entscheidend, um den Ausschluss des Verlustausgleichs nach § 15a EStG zu vermeiden. Gewinne aus dem Verkauf von Grundstücken oder Gebäuden lassen sich durch Rücklagen nach § 6b EStG steuerlich stunden – bei Kapitalgesellschaften allerdings auf maximal 500.000 Euro pro Geschäftsjahr begrenzt.

Reformdruck: Steuerausfälle in Milliardenhöhe

Der Vorstoß für schärfere Steuerregeln kommt nicht von ungefähr. Anne Brorhilker, Geschäftsführerin von Finanzwende, beziffert die jährlich Verluste durch Steuerhinterziehung und Geldwäsche auf jeweils rund 100 Milliarden Euro. Sie fordert eine zentrale Ermittlungsbehörde und eine Reform des Strafrechts, um Steuerhinterziehung härter zu bestrafen.

Parallel dazu arbeiten über 30 europäische Banken unter dem Namen Qivalis an einem gemeinsamen Euro-Stablecoin – als Alternative zu US-dominierten Digitalwährungen. Die EU-Kommission schätzt, dass neue Steuern auf Krypto-Vermögenswerte künftig bis zu 6,4 Milliarden Euro jährlich einbringen könnten.

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