Vorgezogene, Altersrente

Vorgezogene Altersrente: 162 Euro Abschlag im Monat im Durchschnitt

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 13:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Jörg Dittrich verlangt strengere finanzielle Abzüge für einen vorgezogenen Ruhestand und lehnt Sonderregeln für das Handwerk ab.
Eine verlassene Baustelle mit gestapelten Holzbalken und unfertigem Mauerwerk unter einem bewölkten Himmel. Illustration mit AI erstellt.

Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Jörg Dittrich, dringt auf eine Verschärfung der finanziellen Bedingungen für einen vorgezogenen Ruhestand. In einem Interview mit der Rheinischen Post sprach sich Dittrich dafür aus, die Rentenabschläge bei einem früheren Rentenbeginn anzuheben, um das effektive Rentenalter in der Gesellschaft insgesamt zu steigern.

Ausnahmen für das Handwerk lehnt der ZDH-Präsident dabei ausdrücklich ab, obwohl ihm bewusst sei, dass dieser Vorstoß auch innerhalb der eigenen Organisation auf Widerspruch stoßen werde.

Demografischer Druck und Debatte im Handwerk

Dittrich begründete seine branchenunabhängige Forderung mit der demografischen Entwicklung. Das Rentensystem sei in seiner jetzigen Ausgestaltung aus rein mathematischen Gründen nicht mehr finanzierbar.

Zwar erreichten in seiner eigenen Berufsgruppe als Dachdecker laut ZDH-Angaben rund 90 Prozent der Beschäftigten die reguläre Altersgrenze nicht, dennoch dürfe es keine Sonderregeln geben. Zugleich bezeichnete Dittrich Pläne für eine Einbeziehung von Abgeordneten in die gesetzliche Rentenkasse als unklug.

Neben den Rentenabschlägen ging Dittrich auf das Thema Minijobs ein. Eine vollständige Abschaffung lehnt er ab. Allerdings fordert er Einschränkungen in jenen Fällen, in denen Personen ihren gesamten Lebensunterhalt ohne Sozialabgaben ausschließlich über Minijobs bestreiten.

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Am 2. November 2026 unterstrich der Verbandspräsident zudem, dass die Pauschalbesteuerung für Minijobs erhalten bleiben müsse und eine etwaige Reform die Betriebe nicht mit zusätzlichen Kosten belasten dürfe.

Für das Handwerk zeichnete Dittrich mit Blick auf das Jahr 2027 eine angespannte Lage: Der Baubereich werde voraussichtlich um 0,9 Prozent schrumpfen und die Gesundheitsgewerke um 0,3 Prozent. In den vergangenen zwei Jahren habe der Wirtschaftsbereich bereits über 150.000 Arbeitsplätze verloren.

Vorschläge der Bundesbank und bestehende Abzüge

Mit dem Vorstoß für stärkere Abzüge steht der Handwerksverband nicht allein. Auch die Bundesbank hält die derzeit gültigen Abschläge von monatlich 0,3 Prozent für unzureichend. Die Notenbank regt eine Staffelung an, die sich an der Distanz zur Regelaltersgrenze orientiert.

Für den Geburtsjahrgang 1964 empfiehlt sie bei einem Rentenbeginn zwischen 63 und 64 Jahren einen monatlichen Abzug von 0,37 Prozent. Wer mit 65 statt mit 67 Jahren in Rente gehe, müsste nach dieser Modellrechnung einen Abschlag von 9,7 Prozent hinnehmen, verglichen mit derzeit 7,2 Prozent.

Gegenwärtig legt die Deutsche Rentenversicherung einen Abschlag von 0,3 Prozent pro vorgezogenem Monat zugrunde, wobei der Höchstabschlag bei einer Vorverlegung um vier Jahre 14,4 Prozent beträgt.

Die sogenannte Rente mit 63 greift für den Jahrgang 1961 faktisch erst ab 64 Jahren und sechs Monaten, für Versicherte ab dem Geburtsjahrgang 1964 ab 65 Jahren.

Nach Angaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales belief sich der durchschnittliche Abschlag bei vorgezogenen Altersrenten im Jahr 2025 auf monatlich 162 Euro brutto. Dies betraf 281.414 Renten und damit 30,4 Prozent aller Altersrenten.

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Im Jahr 2020 hatte der Betrag noch bei 103 Euro für 193.839 Fälle (23,4 Prozent) gelegen, was einem Anstieg von rund 57 Prozent entspricht. Die Zahlen gingen aus einer Anfrage der Bundestagsabgeordneten Sarah Vollath hervor.

Nach Erhebungen des Statistischen Bundesamts lag das durchschnittliche Renteneintrittsalter im Jahr 2025 bei 64,7 Jahren, nachdem es 2005 noch 63,1 bis 63,2 Jahre betragen hatte.

Laut Deutscher Rentenversicherung, die den Durchschnittswert für 2024 ebenfalls mit 64,7 Jahren angibt, steigt die Regelaltersgrenze bis 2031 schrittweise auf 67 Jahre an. Im Jahr 2024 beanspruchten rund 269.000 Personen die Rente für besonders langjährig Versicherte, was 28,7 Prozent aller neuen Altersrenten ausmachte.

Politischer Zeitplan und offene Streitpunkte

Auf politischer Ebene hatten sich Union und SPD am 31. August 2026 in Münster auf eine gebündelte Umsetzung der Rentenreform verständigt. Nachdem die damalige Arbeitsministerin Bas eine fünfjährige Übergangsphase in Aussicht gestellt hatte und am 12. Oktober 2026 zurückgetreten war, folgte am 14. Oktober 2026 die Vereidigung von Alexander Schweitzer als neuem Bundesarbeitsminister. Schweitzer positionierte sich umgehend gegen ein Aus für die abschlagsfreie Rente.

Dittrich äußerte vor diesem Hintergrund Sorge um die Reformfähigkeit der Koalition, gestützt auf die offene Führungsfrage bei der SPD und die anstehende Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im April. Ein entsprechender Gesetzentwurf soll nach bisherigen Plänen bis Ende 2026 im Kabinett verhandelt und im ersten Quartal 2027 vom Bundestag beschlossen werden.

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