Vonovia-Aktie: Herabstufung auf 16 Euro nach Berliner Wahlsieg
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 22:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach dem Wahlsieg der Linken bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl und den erneut vorgebrachten Enteignungsplänen geraten die Aktien von Wohnungsunternehmen an den Kapitalmärkten unter Druck. Das Analysehaus Exane BNP Paribas senkte das Kursziel für den DAX-Konzern Vonovia von 19 auf 16 Euro und stuft das Papier mit Underperform ein.
Bereits an den ersten beiden Handelstagen nach der Wahl verzeichnete die Aktie deutliche Abschläge. Am Dienstag fiel der Kurs zwischenzeitlich auf 17,06 Euro, was den tiefsten Stand seit dem Sommer 2023 darstellt. Seit Jahresbeginn summiert sich der Kursverlust auf gut 30 Prozent, während andere Auswertungen ein Minus von rund 34 Prozent ausweisen.
Immobilienaktien weiten Verluste aus
Bereits am Montag, dem 21. September 2026, gab die Vonovia-Aktie deutlich nach. Während der DAX um ein Prozent zulegte, fiel das Papier zeitweise um bis zu 2,3 Prozent auf 17,29 Euro und schloss mit einem Minus von 1,2 Prozent; andere Börsenberichte bezifferten das Tagesminus auf 2,2 Prozent oder auf 1,47 Prozent bei einem Xetra-Schlusskurs von 17,44 Euro.
Der Abwärtstrend erfasste den gesamten Sektor. Bei der Vonovia-Tochter Deutsche Wohnen gab die Aktie um 1,34 Prozent auf 16,22 Euro nach. TAG Immobilien verzeichnete ein Minus von 0,93 Prozent auf 11,20 Euro, während LEG Immobilien um 0,54 Prozent auf 46,31 Euro nachgab. Im MDax rutschten Werte wie Aroundtown, LEG Immobilien und TAG Immobilien auf weitere mehrjährige Tiefststände ab.
Der europäische Branchenindex STOXX Europe 600 Real Estate hielt sich zeitgleich mit einem leichten Zuwachs von 0,12 Prozent im Plus. Neben der Berliner Wohnungspolitik belastete auch das Zinsumfeld die Branche; die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen lag bei 3,47 Prozent.
Pläne für Vergesellschaftung und Mietenbegrenzung
Auslöser der Verunsicherung ist der Ausgang der Abgeordnetenhauswahl in Berlin. Die Linke ging mit 25,7 Prozent der Stimmen als stärkste Kraft hervor, gefolgt von der CDU mit 18,8 Prozent, der AfD mit 16,3 Prozent, den Grünen mit 14,3 Prozent und der SPD mit 12,1 Prozent.
Spitzenkandidatin Elif Eralp bekräftigte das Ziel, den Volksentscheid Deutsche Wohnen und Co enteignen aus dem Jahr 2021 umzusetzen, und machte dies zur Koalitionsbedingung. Der Entscheid, der damals von 59,1 Prozent der Abstimmenden unterstützt wurde, sah die Vergesellschaftung von Wohnungsbeständen privater Unternehmen mit mehr als 3.000 Wohnungen vor.
Eralp nannte acht betroffene Konzerne und kündigte an, dass die Entschädigungen deutlich unter dem Verkehrswert liegen sollten. Vorgesehen ist die Gründung einer Anstalt des öffentlichen Rechts, die Kredite aufnehmen und die Bestände übernehmen soll.
Die Herabstufung auf 16 Euro und der Kursverlust von rund 30 Prozent seit Jahresbeginn werfen die Frage auf, wie stark das Berliner Vergesellschaftungsvorhaben die Bewertung von Vonovia tatsächlich belastet. Eine kostenlose Analyse ordnet die Folgen für Ihr Depot ein — von den betroffenen Wohnungsbeständen bis zu den rechtlichen Hürden auf Bundesebene. Kostenlose Vonovia-Analyse jetzt anfordern
Schätzungen zufolge könnten rund 240.000 Wohnungen in Landeshand übergehen. Von den rund 1,7 Millionen Mietwohnungen in der Hauptstadt wäre damit etwa jede achte bis neunte Wohnung betroffen.
Zudem plant die Partei einen einjährigen Mietenstopp bei landeseigenen Gesellschaften mit anschließender Deckelung der Erhöhungen auf höchstens ein Prozent pro Jahr sowie ein kommunales Neubauprogramm von jährlich 7.500 Wohnungen. Der Berliner Senat für Stadtentwicklung bezifferte den jährlichen Neubaubedarf am 22. September 2026 auf rund 20.000 Einheiten.
Hürden auf Bundesebene und Gegenwind aus der Branche
Vonovia besitzt gemeinsam mit der Tochter Deutsche Wohnen gut 130.000 Wohnungen in Berlin, in der Region Berlin und Umland sind es rund 138.000 Einheiten.
Der Anteil des Konzerns am gesamten Wohnungsbestand der Hauptstadt liegt bei unter acht Prozent. Vonovia-Chef Luka Mucic betonte, das Unternehmen sei Teil der Lösung auf dem Berliner Wohnungsmarkt. Derzeit befänden sich rund 1.000 neue Einheiten im Bau, seit 2013 seien 6.000 Wohnungen errichtet worden.
Mucic verwies zudem auf eine Nachwahlumfrage, der zufolge 51 Prozent der Berliner gegen Enteignungen seien und 37 Prozent dafür; eine Vergesellschaftung schaffe zudem keine neuen Wohnungen. Ende Juni lag die Durchschnittsmiete im Vonovia-Bestand bei 8,26 Euro je Quadratmeter, bei Neuvermietungen betrug sie 10,80 Euro je Quadratmeter.
Beobachter weisen zudem auf beträchtliche rechtliche und finanzielle Hürden hin. Eine Expertenkommission war 2023 zu dem Schluss gelangt, dass eine Entschädigung dem Verkehrswert entsprechen müsste, was Kosten in Milliardenhöhe verursachen würde.
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Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte an, Vergesellschaftungsgesetze der Länder durch eine bundesgesetzliche Regelung auszuschließen, und betonte, dass in Deutschland kein Privateigentum enteignet werde. Während Grüne und BSW die Pläne der Linken unterstützen, lehnen CDU, SPD und AfD Enteignungen ab.
Analyst Jonathan Kownator von Goldman Sachs, wo die Kaufempfehlung für Vonovia Anfang September gestrichen worden war, wertet die anstehende Regierungsbildung als anhaltenden Unsicherheitsfaktor für den Konzern.
