Volvo Dynamic Steering: Neue Notfall-Funktion gegen Reifenplatzer
04.05.2026 - 00:46:04 | boerse-global.deVolvo Trucks rüstet seine Lkw mit einer bahnbrechenden Sicherheitsfunktion nach – sie reagiert schneller als jeder Mensch.
Der schwedische Nutzfahrzeughersteller hat sein Volvo Dynamic Steering (VDS) im Sommer 2025 um eine kritische Funktion erweitert: das aktive Gegensteuern bei Reifenplatzern auf der Vorderachse. Für deutsche Spediteure und Fernfahrer ist das eine der gefährlichsten Situationen überhaupt – ein geplatzter Reifen bei Tempo 80 auf der Autobahn führt oft zu schweren Unfällen.
Blitzschnelle Reaktion bei Vorderreifen-Panne
Die im Juni 2025 vorgestellte VDS-Erweiterung erkennt einen plötzlichen Druckverlust am Vorderreifen innerhalb von Sekundenbruchteilen. Sobald die Sensoren den Defekt melden, greift das Lenksystem automatisch ein: Es bringt ein korrigierendes Drehmoment auf die Lenkung auf, um das Fahrzeug stabil zu halten.
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„Diese Innovation kann Leben retten, indem sie in einem Bruchteil der Zeit unterstützt, die ein Mensch zur Reaktion bräuchte", erklärt Anna Wrige Berling, Sicherheitsdirektorin bei Volvo Trucks. Das Problem: Bei einem geplatzten Vorderreifen neigt der Lkw schlagartig zur Seite, die Räder ziehen in Richtung der Panne. Menschliche Fahrer sind damit oft überfordert – die Folge sind tödliche Überschläge oder das Verlassen der Fahrspur.
Externe Steuerung für Präzisionsarbeit
Neben der Notfallfunktion hat Volvo die VDS-Plattform um die sogenannte External Steering (EXSTER) erweitert. Diese Schnittstelle erlaubt es Fahrern, ihren Lkw von außerhalb des Führerhauses zu steuern – ideal für Arbeiten wie Asphaltieren oder Bauarbeiten.
Per Funkfernbedienung oder kabelgebundenem Lenkgerät können Fahrer Lenkung, Beschleunigung und Bremsung bei Geschwindigkeiten bis zu zehn km/h übernehmen. Das System kommuniziert über das Karosseriebau-Modul (BBM) mit der VDS-Einheit. Der Vorteil: Kein zweiter Mitarbeiter mehr nötig, der den Lkw millimeterweise vorwärts bewegt, während der Kollege draußen arbeitet. Das senkt Unfallrisiken und spart Zeit.
Weniger Belastung für den Fahrer
Das VDS-System kombiniert klassische hydraulische Servolenkung mit einem elektronisch geregelten Elektromotor. Laut Hersteller reduziert es die nötige Lenkkraft bei niedrigen Geschwindigkeiten um 75 bis 85 Prozent. Besonders bei Rangieren oder engen Laderampen spüren Fahrer den Unterschied.
Die Elektronik filtert zudem Vibrationen und Schläge durch Schlaglöcher, Kopfsteinpflaster oder Seitenwind heraus. „Diese ständigen kleinen Lenkkorrekturen führen oft zu chronischen Verspannungen in Nacken, Schultern und Rücken", so Volvo. Der VDS-Motor, der 2.000 Mal pro Sekunde gesteuert wird, gleicht diese Kräfte automatisch aus – der Fahrer kann entspannter lenken.
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Pflicht und Komfort: EU-Vorschriften im Blick
Die neuen Lenkfunktionen kommen nicht zufällig: Seit Juli 2024 schreibt die EU-General Safety Regulation (GSR) für alle Neuzulassungen eine Reihe aktiver Sicherheitssysteme vor. Volvos VDS arbeitet mit mehreren dieser Pflichtfunktionen zusammen – darunter Spurhalteassistent (Lane Keeping Assist) und Stabilitätsassistent (Stability Assist).
Der Spurhalteassistent nutzt eine nach vorne gerichtete Kamera, um Fahrbahnmarkierungen zu erkennen. Driftet der Lkw ab, gibt das System einen sanften Lenkimpuls oder lässt das Lenkrad vibrieren. Der Stabilitätsassistent überwacht die Drehbewegung des Fahrzeugs und lenkt bei ersten Anzeichen eines Schleuderns gegenz – noch bevor die elektronische Stabilitätskontrolle (ESC) die Bremsen aktiviert.
Die aktualisierten VDS-Funktionen sind für die Modelle Volvo FH, FH Aero, FM und FMX weltweit verfügbar. Fahrer können zudem persönliche Einstellungen speichern – etwa für unterschiedliche Straßenverhältnisse oder Fahrstile.
Der Weg zum teilautonomen Fahren
Die Weiterentwicklung des VDS ist mehr als nur ein Sicherheitsgewinn: Sie bereitet den Weg zu höheren Automatisierungsstufen. Die Integration von Pilot Assist, der das Fahrzeug dauerhaft in der Spurmitte hält und den Abstand zum Vordermann regelt, zeigt das Potenzial.
Branchenexperten sehen in der Kombination aus sensorgestützter Reifenpanne-Erkennung und externer Fernsteuerung einen Vorgeschmack auf die Zukunft: Das Lenksystem wird vom mechanischen Verbindungsglied zum intelligenten Steuerungszentrum. Für Fuhrparkbetreiber in Deutschland, die ihre Unfallstatistiken verbessern und Versicherungsprämien senken wollen, dürfte diese Entwicklung entscheidend sein.
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