Volkswagen exportiert China-Technik auf neue Märkte
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 18:07 Uhr | dpa, AD HOC NEWSVWs China-Geschäft verliert an Umfang
- Volkswagen verzeichnete im dritten Quartal in China 405.800 Auslieferungen.
- Der Konzern senkte seine chinesischen Produktionskapazitäten zuletzt um mehr als eine Million Fahrzeuge.
- Für Südamerika kündigte Volkswagen Technologien aus China noch vor Ende des Jahrzehnts an.
Volkswagen nutzt China künftig als Exportbasis
Volkswagen richtet seine China-Strategie neu aus und will aus der Volksrepublik künftig stärker andere Märkte beliefern. Das Unternehmen stellte den Kurswechsel im ostchinesischen Hefei unter das Motto „In China, Beyond China“.
Schwacher Markt setzt VW unter Druck
Der Konzern hatte sich mit seinen chinesischen Gemeinschaftsunternehmen bislang vor allem auf den lokalen Automarkt konzentriert. Neben dem hohen Konkurrenz- und Preisdruck chinesischer Marken belastet nun auch der schwache Gesamtmarkt das Geschäft.
VW-China-Chef Ralf Brandstätter sagte dem „Handelsblatt“, der Gesamtmarkt in China sei „im freien Fall“. Nach mehr als 24 Millionen verkauften Fahrzeugen im Jahr 2025 erwarten Marktforscher für das laufende Jahr weniger als 19 Millionen.
Marktanteil soll bei elf Prozent bleiben
Bis 2030 rechnen Marktforscher mit einem chinesischen Gesamtmarkt von 19 bis 21 Millionen Fahrzeugen. Brandstätter nannte kein konkretes VW-Absatzziel, bekräftigte aber, der Konzern wolle seinen Marktanteil langfristig bei elf Prozent halten.
Aus diesen Angaben ergeben sich rechnerisch rund 2,1 bis 2,3 Millionen Fahrzeuge. Im April hatte Brandstätter die frühere Erwartung von 3,5 bis 4 Millionen VW-Fahrzeugen für 2030 bereits auf rund 3,2 Millionen gesenkt.
Exporte sollen Rückgang teilweise ausgleichen
Volkswagen exportiert bereits Fahrzeuge aus China in den Nahen Osten sowie nach Kasachstan und Usbekistan. Mexiko, Ägypten, Vietnam und Australien sollen folgen; für Südamerika kündigte der Konzern die Übernahme in China entwickelter Technologien noch vor Ende des Jahrzehnts an.
Die Grundlage bilden unter anderem eine neue Elektronikarchitektur, Fahrzeugplattformen und Fahrerassistenzsysteme. Das am Entwicklungsstandort Hefei vorgestellte Technologiesystem „Vega“ soll diese Lösungen schneller und kostengünstiger entwickeln, integrieren und skalieren.
China wird zum Entwicklungszentrum
Volkswagen will China damit nicht nur als Absatzmarkt, sondern auch als Innovations- und Exportknotenpunkt für das weltweite Geschäft nutzen. Die Technologie soll in Verbrennern, Elektroautos und Hybridfahrzeugen für den Globalen Süden eingesetzt werden.
Im dritten Quartal sanken die weltweiten VW-Auslieferungen um 14,3 Prozent auf 1,89 Millionen Fahrzeuge. Das China-Geschäft ging um 38,5 Prozent auf 405.800 Autos zurück und machte damit mehr als 80 Prozent des weltweiten Rückgangs aus.
Chinesische Hersteller drängen ins Ausland
Nach Daten des chinesischen Pkw-Verbandes CPCA sanken die Verkäufe auf dem Gesamtmarkt von Januar bis September um 21,7 Prozent. Zugleich stiegen die Fahrzeugexporte der Hersteller im September um 73,7 Prozent.
Volkswagen hat seine chinesischen Kapazitäten zuletzt um mehr als eine Million Fahrzeuge verringert und will sie weiter reduzieren. Ob der Konzern in China noch Geld verdient, ließ Brandstätter vor den Quartalszahlen offen.
Volkswagen reagiert mit dem Strategiewechsel auf zwei Entwicklungen, die sich im chinesischen Autogeschäft verstärken: Der heimische Markt schrumpft, während chinesische Hersteller ihre Fahrzeuge und Kostenvorteile zunehmend auf Auslandsmärkte tragen. Für internationale Hersteller reicht es damit nicht mehr, in China lediglich für chinesische Kunden zu produzieren.
China wird zum Exportstandort
Die neue Ausrichtung verbindet Entwicklung, Produktion und Export. VW will dabei in China entwickelte Elektronik, Plattformen und Assistenzsysteme auch für Fahrzeuge nutzen, die für andere Regionen bestimmt sind. Das kann Entwicklungszeiten verkürzen und Kosten senken, erhöht aber zugleich die Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten, Produktionsstandorten und regulatorischen Rahmenbedingungen.
Für den Konzern ist der Schritt vor allem eine Antwort auf den sinkenden Absatz. Im dritten Quartal fiel der VW-Absatz in China um 38,5 Prozent auf 405.800 Fahrzeuge; weltweit gingen die Auslieferungen um 14,3 Prozent zurück. Gleichzeitig drängen chinesische Autobauer mit hohen Exportzuwächsen in neue Märkte. VW versucht daher, vorhandene Strukturen in China nicht nur zu sichern, sondern für Regionen mit Wachstumspotenzial nutzbar zu machen.
Chancen und Grenzen
Die geplanten Exporte können einen Teil des Rückgangs im chinesischen Geschäft ausgleichen, ersetzen den früheren Absatzumfang aber nicht automatisch. In Südostasien, Afrika und Südamerika trifft VW auf unterschiedliche Kaufkraft, Handelsregeln und Wettbewerber. Entscheidend wird deshalb sein, ob die in China entwickelten Modelle außerhalb des Landes bei Preis, Qualität und lokaler Anpassung überzeugen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Stern: „Autobauer in Fernost: Blick auf neue Märkte - Volkswagen ändert China-Strategie“ (28.10.2026)
Der Beitrag bestätigt den Wechsel vom bisherigen China-Fokus zu einer stärkeren Exportorientierung. Er legt den Schwerpunkt auf die geplanten Märkte im Globalen Süden sowie auf die in China entwickelte Technologie als Grundlage künftiger Fahrzeuge.
FOCUS online: „VW-China-Chef sieht Markt „im freien Fall““ (28.10.2026)
Der Artikel bestätigt die Exportpläne und rückt stärker die Absatzkrise in China in den Mittelpunkt. Zusätzlich beleuchtet er die gesenkten Erwartungen für den chinesischen Markt und die offene Frage, ob VW dort noch Gewinne erzielt.
Beide Beiträge sehen den Strategiewechsel als Reaktion auf den Druck im chinesischen Autogeschäft. Unterschiede bestehen vor allem beim Schwerpunkt: Während der Stern die neue internationale Nutzung chinesischer VW-Strukturen hervorhebt, betont FOCUS online die Absatz- und Ertragsrisiken.
