Volkswagen plant Stellenabbau: Bis zu 50.000 Jobs auf dem Prüfstand
Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 20:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts sinkender Renditen und hoher Fixkosten sieht sich die Führung des Volkswagen-Konzerns zu weitreichenden Maßnahmen gezwungen. Vorstandsvorsitzender Oliver Blume bezeichnete die aktuelle wirtschaftliche Situation des Automobilherstellers als mehr als kritisch.
Für das Jahr 2026 wird eine operative Rendite des Konzerns von 3,8 % ausgewiesen. Obwohl die Fabrikkosten in den deutschen Standorten bereits im Jahr 2025 um 20 % gesenkt werden konnten, reiche dieser Fortschritt nach Einschätzung der Unternehmensführung nicht aus, um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.
Kapazitäten und Standorte auf dem Prüfstand
Der Konzernchef betonte, dass das Unternehmen derzeit überdimensioniert sei. In der aktuellen Debatte stehen die Zukunft von bis zu vier Werken sowie die Streichung von bis zu 50.000 Stellen im Raum. Blume stellte jedoch klar, dass die Zahl von 50.000 Stellen keine fixe Zielgröße für den geplanten Stellenabbau darstelle. Eine endgültige Entscheidung über mögliche Werksschließungen ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht getroffen worden.
Um die Belegschaft über die aktuelle Lage zu informieren, sind bis zum 31. August 2026 insgesamt neun Betriebsversammlungen angesetzt. Der Auftakt dazu erfolgt am 25. August 2026 in Wolfsburg. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Werk in Zwickau, das Blume in der kommenden Woche besuchen wird. Der dortige Betriebsrat fordert insbesondere Klarheit über die strategische Ausrichtung des Standorts für die Zeit nach 2030.
Herausforderungen am Standort Zwickau
Das Werk in Zwickau, in dem rund 8.000 Mitarbeiter beschäftigt sind, steht vor einer signifikanten Transformation. Während die Kapazität auf 360.000 Fahrzeuge ausgelegt ist, werden für das Jahr 2026 lediglich rund 202.000 produzierten Einheiten erwartet.
Für das Jahr 2027 ist die Stilllegung einer Fertigungslinie geplant, und ab 2030 soll die Demontage von jährlich 15.000 Fahrzeugen erfolgen. Perspektivisch plant Volkswagen, den Standort zu einem Zentrum für Kreislaufwirtschaft auszubauen.
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Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter hob hervor, dass Zwickau das produktivste Werk innerhalb des Konzerns sei und eine um 30 % höhere Produktivität als der zweitbeste Standort aufweise. Er bestätigte, dass die Ziele für die Fabrikkosten für 2025 erreicht wurden und der Standort auch 2026 auf Kurs bleibe. Zudem forderte Panter politische Anpassungen bei den Importzöllen für Elektroautos sowie deren Ausweitung auf Plug-in-Hybride.
Finanzzahlen und tarifliche Anpassungen
Die wirtschaftliche Anspannung spiegelt sich auch in den Finanzdaten wider. Im ersten Quartal 2026 sank der Nettogewinn des Konzerns im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 28,4 % auf 1,564 Milliarden Euro.
Der Umsatz ging um 2 % auf 75,7 Milliarden Euro zurück, womit die Erwartungen der Analysten von 77,6 Milliarden Euro Umsatz und 1,732 Milliarden Euro Gewinn verfehlt wurden. Der Finanzvorstand teilte mit, dass die Kosten bereits um fast 1 Milliarde Euro reduziert werden konnten.
Im Bereich der Personalkosten greifen bereits erste Sparmaßnahmen. Ein Tarifkompromiss aus dem Jahr 2024 sieht vor, dass die im Mai fälligen Gewinnbeteiligungen für die Jahre 2026 und 2027 entfallen. Stattdessen wird im Mai 2026 eine Sonderprämie in Höhe von 1.250 Euro ausgezahlt. Die jährliche Zahlung im November in Höhe von rund 1.900 Euro bleibt bestehen.
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Darüber hinaus verhandeln Volkswagen und die IG Metall seit November 2025 über ein neues Entgeltsystem, das zum 1. Januar 2027 eingeführt werden soll. Ziel ist eine Senkung der Entgeltsumme um 6 % für die rund 100.000 vom Haustarif betroffenen Beschäftigten.
Während die Anzahl von 20 Entgeltstufen erhalten bleibt, sollen obere Stufen künftig langsamer erreichbar sein. Eine Besitzstandswahrung soll sicherstellen, dass keine Mitarbeiter schlechter gestellt werden als bisher.
Produktivität und Sonderfaktoren an weiteren Standorten
Auch andere Standorte stehen unter Druck. Im Werk Hannover liegen die Fabrikkosten pro Fahrzeug im Jahr 2026 teilweise im fünfstelligen Bereich, während der interne Benchmark bei 3.000 Euro angesetzt ist.
Die Produktion sank von 200.000 Einheiten im Jahr 2017 auf 113.500 Fahrzeuge im Jahr 2025. Besonders die Fertigung des ID.Buzz blieb mit über 60.000 Fahrzeugen im Jahr 2025 hinter den Erwartungen von 100.000 Einheiten zurück. Die Marge der Nutzfahrzeugsparte lag im ersten Halbjahr 2026 bei 3,3 %, weit entfernt vom Zielwert von 6,5 %.
Am Standort Osnabrück sorgt zudem ein blockiertes Rüstungsprojekt für Unsicherheit. Der Anteilseigner Katar verhinderte einen entsprechenden Auftrag für das Jahr 2026. Das Werk in Osnabrück beschäftigt 2.300 Mitarbeiter, wobei die reguläre Produktion dort im Jahr 2027 enden soll.
