Volkswagen kündigt zehn Tarifverträge: 130.000 Beschäftigte betroffen
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 02:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Automobilkonzern Volkswagen hat zehn von 13 Tarifverträgen seines Haustarifs gegenüber der IG Metall zum 31. Dezember 2026 gekündigt. Wie aus Berichten von Anfang Oktober 2026 hervorgeht, ist von diesem Schritt unter anderem der Manteltarifvertrag betroffen. Damit zeichnet sich für die kommenden Monate eine grundlegende Auseinandersetzung über Arbeitsbedingungen und Vergütungsstrukturen im Konzern ab.
Weitreichende Folgen für rund 130.000 Beschäftigte in Deutschland
Von den Kündigungen sind rund 130.000 Beschäftigte der Volkswagen AG an den deutschen Standorten betroffen. Dies umfasst die Kernmarken Pkw und Nutzfahrzeuge, die Komponentensparte sowie zentrale Unternehmensbereiche. Die Konzerntöchter Audi und Porsche sind von dem Schritt hingegen ausgenommen.
Neben dem Manteltarifvertrag kündigte das Unternehmen unter anderem den Entgelttarifvertrag, den Rahmentarifvertrag zur Eingruppierung, Regelungen zu tariflichen Zulagen und Zusatzvergütungen, Vereinbarungen zur Leistungs- und Personalbemessung, besondere Arbeitszeitmodelle sowie Teile des Ausbildungstarifvertrags und den TarifPlus-Rahmenvertrag.
Der Manteltarifvertrag regelt zentrale Arbeitsbedingungen wie Wochenarbeitszeit, Urlaubsansprüche, Schutzrechte für ältere Mitarbeiter, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie die Übernahme von Auszubildenden.
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Aufgrund der gesetzlichen Nachwirkung gelten die bestehenden Bestimmungen zunächst weiter, bis neue Vereinbarungen in Kraft treten. Die IG Metall rechnet jedoch ab Januar 2027 mit spürbaren Einschnitten beim Einkommen.
Der Zukunftstarifvertrag 2024 bleibt von der Kündigung unberührt; dieser schließt betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2030 aus und sieht den sozialverträglichen Abbau von 35.000 Arbeitsplätzen in Deutschland vor. Für das Werk Baunatal gilt die Beschäftigungssicherung über werksspezifische Vereinbarungen ebenfalls weiter bis 2030.
Arbeitgeberseite verweist auf verändertes Marktumfeld
Volkswagen begründet die Maßnahmen mit einer angespannten Wettbewerbslage und einem sich gravierend verschärfenden wirtschaftlichen Umfeld. Personalvorstand Arne Meiswinkel erklärte, dass die Marktveränderungen tiefgreifend und strukturell seien, während insbesondere chinesische Anbieter mit preisgünstigen Exporten nach Europa drängten.
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Konzernchef Oliver Blume verwies darauf, dass die Arbeitskosten in Deutschland rund doppelt so hoch lägen wie an anderen europäischen VW-Standorten. Vor diesem Hintergrund brachte die Unternehmensführung eine Anhebung der Wochenarbeitszeit über die bestehende 35-Stunden-Woche hinaus ohne Lohnausgleich sowie die Streichung von Urlaubstagen ins Gespräch.
Bereits am 3. September 2026 hatten Vertreter der Gewerkschaft und des Betriebsrats im Aufsichtsrat dem Zukunftsplan 2030 zugestimmt, der eine Erhöhung der Rendite von 3,8 auf 9 Prozent und den Abbau weiterer 50.000 Stellen weltweit vorsieht. Etwa die Hälfte davon könnte auf Deutschland entfallen.
Scharfe Kritik von Betriebsrat und IG Metall
Arbeitnehmervertreter wiesen das Vorgehen des Vorstands entschieden zurück. IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger sprach von einem in der VW-Geschichte einmaligen Vorgang und warf dem Management eine Zerrüttung der Sozialpartnerschaft vor. Die Kündigung sei während laufender Gespräche über die Medien bekannt geworden.
Die Gewerkschaft beharrt auf ihrer Forderung nach einer Entgelterhöhung um 5 Prozent in der laufenden Tarifrunde. Die Friedenspflicht endet am 31. Dezember 2026, weshalb die Gewerkschaft für den Jahresbeginn 2027 mit Arbeitskämpfen droht.
Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo warf der Konzernspitze einen Erpressungsversuch vor und kündigte harten Widerstand um den Jahreswechsel an. Zudem widersprachen Betriebsrat und Gewerkschaft Darstellungen zu angeblich 36 Urlaubstagen.
Regulär bestünden bei einer Fünf-Tage-Woche 30 Urlaubstage; sechs weitere freie Tage seien nur über den Verzicht auf Teile der tariflichen Zusatzvergütung möglich.
An Standorten wie Zwickau, wo die langfristige Auslastung ungeklärt ist, verließen Beschäftigte aus Protest vorzeitig Betriebsversammlungen. Die Verhandlungen zwischen beiden Parteien sollen in der zweiten Oktoberhälfte fortgesetzt werden.
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