Volkswagen-Krise, Blume

Volkswagen-Krise: Blume erklärt 140.000 Jobverluste ab August

Veröffentlicht: 19.07.2026 um 07:21 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Volkswagen-Chef Oliver Blume informiert Mitarbeiter über Sparpläne. Betriebsrat fürchtet massiven Stellenabbau und Werkschließungen.

VW-Krise: Blume vor Belegschaft – 140.000 Jobs in Gefahr
Eine leere, moderne Automobilfabrik mit stillstehenden Produktionslinien, die Überkapazitäten und Arbeitsplatzabbau symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Konzernchef Oliver Blume wird Ende August vor die Mitarbeiter treten. Er muss die Pläne für massive Stellenstreichungen und mögliche Werkschließungen erklären.

Der Betriebsrat warnt vor dem Verlust von bis zu 140.000 Arbeitsplätzen. Das Management verweist auf drastische Überkapazitäten und zu hohe Kosten. Die Auseinandersetzung über die künftige Ausrichtung steuert auf einen ersten Höhepunkt zu.

Blume tourt durch die Werke

Am 25. und 26. August stellt sich Blume bei Betriebsversammlungen in Wolfsburg, Zwickau und Emden den Fragen der Mitarbeiter. Insgesamt sind zwischen dem 25. und 31. August neun solcher Versammlungen an verschiedenen Standorten geplant.

Der Betriebsrat wirft der Konzernführung eine mangelhafte Informationspolitik vor. Die Arbeitnehmervertreter bereiten sich auf einen umfassenden Abwehrkampf vor. Ihre Kalkulation: 50.000 Stellenstreichungen in Deutschland bis 2030 sind bereits beschlossen. Weitere 50.000 Stellen weltweit sollen folgen. Zudem seien rund 40.000 Arbeitsplätze an vier deutschen Standorten ab 2030 durch unsichere Belegung gefährdet.

500.000 Fahrzeuge Überkapazität

Blume bezifferte den potenziellen zusätzlichen Stellenabbau zuletzt auf theoretisch 50.000 Stellen weltweit. Voraussetzung: Es gelingt nicht, die Arbeitskosten signifikant zu senken.

Die Gründe für den harten Sparkurs liegen auf dem Tisch. Die europäischen Werke haben eine Überkapazität von rund 500.000 Fahrzeugen. Die Gemeinkosten liegen etwa 20 Prozent über dem Niveau der wichtigsten Wettbewerber.

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Das wirtschaftliche Ziel des Vorstands ist klar: eine operative Umsatzrendite von 8 bis 10 Prozent. 2025 lag sie bei mageren 2,8 Prozent. Um das Ziel zu erreichen, steht die Auslastung mehrerer Werke zur Disposition. Für Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm gebe es laut Blume derzeit keine wettbewerbsgerechte Belegung für die 2030er-Jahre. In Emden ist unter anderem die Produktion der Modelle ID.4 und Tiguan nicht dauerhaft gesichert.

Auch internationale Werke im Visier

Neben den vier deutschen Kernstandorten rücken internationale Werke in den Fokus. Der Konzern prüft langfristig die Schließung des Audi-Werks im ungarischen Gy?r sowie des Škoda-Werks im tschechischen Kvasiny ab 2035.

Besonders komplex ist die Lage in Osnabrück. Dort läuft die Produktion des T-Roc Cabrio im Sommer 2027 aus. Die wirtschaftliche Existenz des Werks ist bei jährlichen Betriebskosten von rund 130 Millionen Euro bedroht.

Ein möglicher Ausweg: Der Rüstungskonzern Rafael möchte in Osnabrück Komponenten für das Luftverteidigungssystem Iron Dome fertigen. Doch der Deal wird blockiert. Grund ist der Widerstand des VW-Großaktionärs Katar, der 17 Prozent der Stimmrechte hält und Kooperationen mit israelischen Rüstungsunternehmen ablehnt. Das Land Niedersachsen prüft derzeit Modelle zur Rettung des Standorts – darunter eine Aufteilung in zwei Gesellschaften oder eine komplette Übernahme des Werks durch das Land.

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Trotz der harten Sparvorgaben betont Blume: Intelligente Lösungen seien besser als reine Werkschließungen. In Sachsen wird über neue Wege für den Standort Zwickau nachgedacht. Der dortige Wirtschaftsminister brachte ein Joint Venture zur Produktion chinesischer Elektromodelle in Europa ins Gespräch.

Derweil bleibt die Position des Personalvorstands weiter unbesetzt. Eine mögliche externe Kandidatin soll blockiert sein. An der Börse reagierten die Anleger verhalten: Die Volkswagen-Aktie notierte zuletzt bei 73,18 Euro – ein leichtes Minus.

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