Volkswagen, Gewinnprognose

Volkswagen Gewinnprognose 2026: Milliardenschwere Abschreibung auf Porsche drückt Rendite

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 20:23 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Volkswagen rechnet für 2026 nur noch mit einer minimalen Gewinnmarge und schreibt den Firmenwert der Sportwagentochter Porsche in Milliardenhöhe ab. Zusätzlich belasten der Konzernumbau und schwache China-Geschäfte die Bilanz des Autobauers.

  • Bei Volkswagen läuft es schlechter als erwartet. (Archivbild) - Bild: Moritz Frankenberg/dpa
    Bei Volkswagen läuft es schlechter als erwartet. (Archivbild) - Bild: Moritz Frankenberg/dpa
  • VW-Konzernchef Oliver Blume erwartet deutlich weniger Gewinn. (Archivbild) - Bild: Johannes Neudecker/dpa
    VW-Konzernchef Oliver Blume erwartet deutlich weniger Gewinn. (Archivbild) - Bild: Johannes Neudecker/dpa
  • Die Krise bei Porsche belastet VW in Milliardenhöhe. (Archivbild) - Bild: Hannes P. Albert/dpa
    Die Krise bei Porsche belastet VW in Milliardenhöhe. (Archivbild) - Bild: Hannes P. Albert/dpa
Bei Volkswagen läuft es schlechter als erwartet. (Archivbild) - Bild: Moritz Frankenberg/dpa VW-Konzernchef Oliver Blume erwartet deutlich weniger Gewinn. (Archivbild) - Bild: Johannes Neudecker/dpa Die Krise bei Porsche belastet VW in Milliardenhöhe. (Archivbild) - Bild: Hannes P. Albert/dpa

Volkswagen erwartet für das Geschäftsjahr 2026 nur noch eine minimale Gewinnmarge und senkt seine operative Prognose deutlich.

VW reduziert operative Zielrendite

Der Konzern rechnet nun damit, dass vom Umsatz höchstens ein Prozent als operativer Gewinn übrig bleibt. Zuvor hatte Volkswagen eine Umsatzrendite von 4,0 bis 5,5 Prozent angepeilt, nachdem im vergangenen Jahr noch 2,8 Prozent erreicht worden waren. Die Korrektur führt der Autobauer vor allem auf ein verschärftes Marktumfeld, insbesondere in China, sowie eine schnellere Verschiebung der Nachfrage hin zu Elektroautos zurück.

E-Autos bringen weniger Gewinn als Verbrenner

Die zunehmende Nachfrage nach E-Autos wirkt sich für Volkswagen zunächst negativ auf das Ergebnis aus, weil der Konzern mit diesen Modellen derzeit weniger verdient als mit klassischen Verbrennern. Zusammen mit der Schwäche in wichtigen Märkten bleibe die Entwicklung hinter den bisherigen Erwartungen zurück, insbesondere bei den Marken Audi und Volkswagen Pkw.

Milliardenabschreibung auf Porsche

Zusätzlich belasten hohe Sondereffekte das Ergebnis. Insgesamt rechnet VW im laufenden Jahr mit Sonderkosten von rund zehn Milliarden Euro, wovon rund 900 Millionen Euro bereits im ersten Halbjahr verbucht wurden. Besonders ins Gewicht fällt eine Abschreibung von rund sechs Milliarden Euro auf den Firmenwert der Sportwagentochter Porsche. Die Wertberichtigung ist nicht zahlungswirksam, mindert aber den operativen Gewinn im dritten Quartal und beruht auf niedrigeren Erwartungen an die künftige Entwicklung der Luxusmarke.

Krise bei der Luxusmarke Porsche

Porsche, lange als Gewinnbringer im Konzernverbund angesehen, steckt bereits seit einiger Zeit in der Krise. Belastend wirken ein deutlicher Absatzrückgang in China, die US-Zollpolitik sowie Kurskorrekturen bei der Elektrostrategie. Diese Faktoren tragen dazu bei, dass die ursprünglichen Wachstums- und Margenerwartungen nicht mehr erfüllt werden.

Teure Strukturreformen und Stellenabbau

Weitere Belastungen entstehen durch Maßnahmen zum Konzernumbau. Im Rahmen einer Ende 2024 erzielten Einigung mit den Arbeitnehmervertretern sind zusätzliche Vorruhestandsregelungen vorgesehen. Bis 2030 plant Volkswagen den konzernweiten Abbau von 50.000 Stellen in Deutschland, davon 35.000 bei der Kernmarke und der Rest bei Tochterunternehmen. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben. Pläne des Vorstands, weitere 50.000 Stellen weltweit zu streichen, sind hiervon nicht umfasst und müssen noch verhandelt werden.

Werk Osnabrück vor Verkauf

Belastend wirkt auch der angestrebte Verkauf des Werks Osnabrück an den Finanzinvestor Aurelius und das Land Niedersachsen, die den Standort künftig auf Rüstungsproduktion ausrichten wollen. Zudem erwartet Volkswagen nicht zahlungswirksame Wertberichtigungen bei Gesellschaften in China. Zusammengenommen sollen diese drei Effekte das zweite Halbjahr mit rund zwei Milliarden Euro belasten.

Auswirkungen auf Umsatz und Kennzahlen

Volkswagen geht davon aus, dass der größte Teil der zusätzlichen Sondereffekte im dritten Quartal erfolgswirksam erfasst wird. Ohne diese Sonderbelastungen läge die operative Umsatzrendite 2026 nach Konzernangaben bei etwa 4,0 Prozent. Der Umsatz soll im kommenden Jahr rund 315 Milliarden Euro erreichen und damit im Bereich der bisherigen Prognosebandbreite liegen.

Gedämpfte Umsatzprognose

Bereits im Juli hatte der Konzern seine Umsatzerwartungen zurückgenommen. Statt eines Zuwachses von bis zu 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr rechnet Vorstandschef Oliver Blume im besten Fall nur noch mit einer stabilen Entwicklung. Möglich seien aber auch bis zu 3 Prozent weniger Erlöse als 2025, als der Umsatz 321,9 Milliarden Euro erreichte.

Finanzziele und Risikohinweise

An den Zielen für den Geldzufluss und die Netto-Liquidität im Automobilbereich hält Volkswagen fest. Die aktualisierte Prognose steht unter der Annahme, dass die derzeitige Zollsituation im internationalen Handel unverändert bleibt; mögliche Folgen weiterer geopolitischer Eskalationen sind nicht eingepreist. Die Neun-Monats-Zahlen will der Konzern am 29. Oktober vorlegen.

Porsche SE passt Erwartungen an

Auch die VW-Dachgesellschaft Porsche SE reagiert auf die gesenkten Erwartungen. Die Holding rechnet nun mit einem Konzernergebnis zwischen minus 0,5 und plus 1,5 Milliarden Euro und damit jeweils zwei Milliarden Euro weniger als bisher erwartet. In der in Stuttgart ansässigen Gesellschaft bündeln die Familien Porsche und Piëch ihre Anteile an Volkswagen und Porsche und investieren darüber hinaus in weitere Bereiche.

Strategische Herausforderungen für VW und Porsche

Die deutlich gesenkte Gewinnprognose zeigt, wie stark Volkswagen aktuell unter strukturellen Veränderungen der Automobilbranche steht. Der Konzern muss gleichzeitig den Umstieg auf Elektromobilität stemmen, in einem von Überkapazitäten und hartem Wettbewerb geprägten Markt bestehen und seine interne Kostenbasis senken. Besonders die Entwicklung in China, lange wichtigster Wachstumstreiber, wirkt sich unmittelbar auf Profitabilität und strategische Spielräume aus.

Die milliardenschwere Abschreibung auf Porsche verdeutlicht, dass frühere Annahmen über die künftige Ertragskraft der Sportwagenmarke nicht mehr haltbar sind. Einbrechende Nachfrage in China, handelspolitische Unsicherheiten und Anpassungen der Elektrostrategie zwingen das Management, die Erwartungen an Margen und Wachstum zu korrigieren. Für Anleger ist wichtig: Die Abschreibung ist zwar nicht zahlungswirksam, sie legt aber offen, dass der Konzern die Perspektive einer seiner wichtigsten Luxusmarken neu bewertet.

Umbau, Arbeitsplatzabbau und Standortdebatten

Parallel dazu treiben umfangreiche Personalmaßnahmen und Strukturreformen die Kosten in die Höhe. Der bereits vereinbarte Abbau von Zehntausenden Stellen in Deutschland und geplante zusätzliche Einschnitte weltweit stehen für einen tiefgreifenden Umbau des Konzerns. Für Beschäftigte und Regionen mit VW-Standorten bedeutet dies anhaltende Unsicherheit, zugleich hofft das Management mittelfristig auf deutlich niedrigere Fixkosten.

Der geplante Verkauf des Werks Osnabrück an einen Finanzinvestor und das Land Niedersachsen mit Ausrichtung auf Rüstungsproduktion zeigt, wie VW sich aus weniger profitablen Aktivitäten zurückzieht. Zugleich wird der Übergang hin zu neuen industriellen Schwerpunkten an einem Traditionsstandort sichtbar. Für die Leser wird damit klar: Die Gewinnwarnung ist nicht nur eine Zahl im Geschäftsbericht, sondern Ausdruck eines umfassenden Transformationsprozesses, der Arbeitsplätze, regionale Wirtschaftsstrukturen und die strategische Rolle von VW und Porsche im deutschen Industriegefüge berührt.

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