Volkswagen-China-Strategie, Hefei

Volkswagen exportiert China-Technik in neue Märkte

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 09:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Volkswagen will in China entwickelte Fahrzeugtechnik künftig stärker exportieren und damit neue Märkte im Globalen Süden erschließen. Der Schritt folgt auf sinkende Verkäufe und wachsenden Wettbewerbsdruck im chinesischen Automarkt.

Volkswagens China-Technik für globale Märkte

  • Volkswagen will mit Gemeinschaftsunternehmen in China künftig Südostasien, das südliche Afrika und Südamerika bedienen.
  • Im dritten Quartal sanken die Volkswagen-Verkäufe in China um 38,5 Prozent auf 405.800 Fahrzeuge.
  • Noch vor Ende dieses Jahrzehnts soll Südamerika als erste Region in China entwickelte Technologien ins lokale Portfolio aufnehmen.
Volkswagen will mehr aus China heraus exportieren. - Bild: Katharina Kausche/dpa

Volkswagen baut China zum Exportstandort aus

Volkswagen ändert angesichts des schwachen chinesischen Automarktes und des wachsenden Wettbewerbs seine China-Strategie. Der Konzern will unter dem Motto „In China, Beyond China“ mit in China entwickelten Fahrzeugen und Technologien künftig auch Märkte außerhalb der Volksrepublik bedienen.

Globaler Süden im Fokus

Volkswagen teilte im ostchinesischen Hefei mit, dass Gemeinschaftsunternehmen in China perspektivisch Märkte in Südostasien, dem südlichen Afrika und Südamerika beliefern sollen. Bereits heute exportiert der Konzern Fahrzeuge aus China unter anderem in den Nahen Osten sowie nach Kasachstan und Usbekistan.

Die in China entwickelte Technologie soll die Grundlage für Verbrenner-, Elektro- und Hybridfahrzeuge für den Globalen Süden bilden. Volkswagen kündigte an, dass Südamerika noch vor Ende dieses Jahrzehnts als erste Region entsprechende Technologien in ihr lokales Portfolio aufnehmen werde.

Verkäufe in China gehen zurück

Volkswagen hatte seine Produktion in China bisher vor allem auf den dortigen Markt ausgerichtet. Nun setzt der Konzern zusätzlich auf Exporte, weil chinesische Marken den Konkurrenz- und Preisdruck erhöhen und der Automarkt schwächelt.

Nach Daten des chinesischen Pkw-Verbandes CPCA sanken die Verkaufszahlen im Gesamtmarkt in den ersten neun Monaten um 21,7 Prozent. Zugleich stiegen die Exporte chinesischer Hersteller im September um 73,7 Prozent.

VW entwickelt Technik in Hefei

Auch Volkswagen verzeichnete im China-Geschäft deutliche Rückgänge. Im dritten Quartal verkaufte der Konzern dort 405.800 Fahrzeuge, 38,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum; auf China entfielen damit mehr als 80 Prozent des gesamten Absatzminus.

Am Forschungs- und Entwicklungsstandort Hefei stellte Volkswagen das Technologiesystem Vega vor. Es bündelt nach Konzernangaben eine in China entwickelte Elektronikarchitektur, Fahrzeugplattformen und Fahrerassistenzsysteme.

China soll globaler Innovationsknoten werden

Volkswagen begründet den Strategiewechsel mit niedrigeren Entwicklungskosten und kürzeren Zeiten bis zur Markteinführung in China. Konzernchef Oliver Blume bezeichnete das Land als Innovationsmotor sowie als Produkt- und Technologiezentrum für globale Märkte.

China-Konzernchef Ralf Brandstätter erklärte, Vega solle Spitzentechnologien schneller und kosteneffizienter entwickeln, integrieren und skalieren. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte den Standort Hefei am Vortag während seiner laufenden China-Reise besucht.

Volkswagens Strategiewechsel fällt in eine Phase, in der sich der chinesische Automarkt und die globale Wettbewerbsordnung der Branche stark verändern. Chinesische Hersteller bauen ihre Ausfuhren aus und treten damit nicht mehr nur im heimischen Markt, sondern auch in Regionen außerhalb Chinas gegen etablierte Marken an.

Für Volkswagen verbindet der neue Ansatz deshalb zwei Ziele: Der Konzern will Entwicklungsaufwand und Markteinführungszeiten in China nutzen und zugleich zusätzliche Absatzmärkte erschließen. Besonders der Globale Süden gilt als Wachstumsraum, in dem Fahrzeuge mit Verbrenner-, Hybrid- und Elektroantrieben je nach Infrastruktur und Kaufkraft parallel gefragt sein können.

Technologiezentrum Hefei

Hefei gewinnt dabei als Entwicklungsstandort an Bedeutung. Dort arbeiten laut aktuellen Berichten rund 3000 Ingenieure und Technologiespezialisten an vernetzten Elektrofahrzeugen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier warb bei seinem Besuch für technologische Zusammenarbeit; Entwicklungen aus China könnten bei Erfolg auch nach Deutschland und Europa übernommen werden.

Die Strategie birgt zugleich wirtschaftliche und politische Herausforderungen. Volkswagen muss in neuen Märkten gegen chinesische Anbieter bestehen, während der Einsatz in China entwickelter Technologien in Europa Fragen nach Kosten, Softwarearchitektur, Daten und Abhängigkeiten aufwirft. Für Kunden bedeutet der Kurs langfristig, dass Modelle und digitale Funktionen stärker aus internationalen Entwicklungsnetzwerken stammen könnten.

Ausblick auf neue Absatzmärkte

Mit dem Schritt verschiebt sich die Rolle Chinas im Volkswagen-Konzern: Das Land soll nicht mehr nur Absatzort und Produktionsbasis für den lokalen Bedarf sein, sondern auch Ausgangspunkt für Produkte und Technologien in anderen Weltregionen. Ob daraus schnell spürbare Verkaufserfolge entstehen, hängt von Preisen, lokaler Anpassung, Vertrieb und Regulierung in den Zielmärkten ab.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Stern: „Steinmeier wirbt für Zusammenarbeit mit China bei Entwicklung von E-Autos“ (27.10.2026)

Der Artikel ordne Steinmeiers Besuch im VW-Entwicklungszentrum in Hefei als Plädoyer für engere technologische Zusammenarbeit ein. Im Mittelpunkt stehe dort die mögliche Übernahme erfolgreicher chinesischer Entwicklungen in Deutschland und Europa, während die dpa-Meldung vor allem Volkswagens Exportstrategie beschreibe.

n-tv: „Volkswagen: Günstige China-Software könnte Einsparungen in Milliardenhöhe bringen“ (27.10.2026)

Der Beitrag stelle eine mögliche Nutzung in China entwickelter Software in europäischen Volumenmodellen und das damit verbundene Sparpotenzial heraus. Damit ergänze er den strategischen Exportansatz um die Kosten- und Softwareperspektive; offen bleibe, ob der intern diskutierte Vorschlag umgesetzt werde.

Beide Beiträge rückten Hefei und chinesische Technologie als wichtige Bestandteile von Volkswagens künftigem Geschäftsmodell in den Mittelpunkt. Der Schwerpunkt unterscheide sich jedoch: Während der Stern die politische und technologische Kooperation betone, konzentriere sich n-tv auf Kostendruck und mögliche Softwareentscheidungen.

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