Videokonferenzen: Pforzheimer Firma setzt KI gegen Zoom-Fatigue ein
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 20:01 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Pforzheimer Casablanca.AI GmbH setzt auf den Einsatz von künstlicher Intelligenz, um der zunehmenden Erschöpfung durch Videokonferenzen entgegenzuwirken.
Die im Jahr 2020 gegründete Firma hat eine Software entwickelt, die während digitaler Meetings in Echtzeit einen künstlichen Blickkontakt herstellt. Dabei wird die Kameraperspektive rechnerisch hinter die Augen des jeweiligen Gesprächspartners verschoben, um das Phänomen der sogenannten Zoom-Fatigue abzumildern.
Mangelnder Blickkontakt als Stressfaktor in Videocalls
Nach Angaben des Chief Operating Officers von Casablanca.AI, Markus Vollmer, stellen Videokonferenzen eine technisch anstrengendere Belastung dar als persönliche Treffen vor Ort. Das Ausbleiben eines direkten Blickkontakts könne zu Fehlentscheidungen, erhöhtem Stress und einem Anstieg des Reizpegels führen. Laut dem Freud-Modell vollziehe sich die menschliche Kommunikation zu 80 Prozent auf nonverbaler Ebene.
Das Phänomen der Zoom-Fatigue geht laut Unternehmensangaben mit einer Reihe körperlicher und psychischer Symptome einher. Dazu zählen Konzentrationsverlust, Reizbarkeit, Kopf-, Rücken- und Magenschmerzen sowie Störungen des Schlafs und des Sehvermögens.
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Mit den negativen Auswirkungen und Ursachen von Videocalls befassen sich unter anderem wissenschaftliche Untersuchungen der Stanford University, der Universität Göteborg sowie des Instituts für Beschäftigung und Employability. Auch am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) werden die negativen Folgen virtueller Besprechungen analysiert.
Augenbelastung am Arbeitsplatz und Entlastungsstrategien
Die Seh- und Belastungsprobleme durch Bildschirmarbeit sind ein weit verbreitetes Phänomen. Laut der Erhebung Transitions Workplace Wellness Survey 2025 verbringt mehr als die Hälfte der Beschäftigten täglich über sechs Stunden vor Monitoren.
Rund 92 Prozent der Befragten berichten demnach zum Ende eines Arbeitstages über Lichtempfindlichkeit, trockene Augen und verschwommenes Sehen. Zudem geben 71 Prozent an, sich durch Augenermüdung oder Lichtempfindlichkeit in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt zu fühlen, während 42 Prozent einen Produktivitätsrückgang verzeichnen.
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Aus Sicht von Fachgesellschaften wie der American Academy of Ophthalmology rührt digitaler Augenstress jedoch nicht primär vom Blaulicht der Monitore her, sondern hängt vor allem von der Gerätenutzung und den individuellen Gewohnheiten ab. Auch Zubehör wie Monitor-Lichtleisten stelle kein Heilmittel gegen die Belastung dar.
Als grundlegende Entlastungsmethode gilt im ergonomischen Umfeld die sogenannte 20-20-20-Regel, nach der Beschäftigte alle 20 Minuten für mindestens 20 Sekunden auf ein Objekt in mindestens 20 Fuß Entfernung blicken sollen, was rund sechs Metern entspricht. Dieser Abstand entspricht optischer Unendlichkeit und entspannt den Ziliarmuskel des Auges.
Neben gezielten Bildschirmpausen empfehlen Experten und medizinische Einrichtungen unter anderem einen Bildschirmabstand von rund 50 bis 63 Zentimetern, eine Positionierung der Monitoberkante auf oder leicht unterhalb der Augenhöhe sowie eine an das Raumlicht angepasste Displayhelligkeit, um Reizungen und dem Syndrom des trockenen Büroauges vorzubeugen.
