Vermögenssteuer: DIW fordert 2% Abgabe auf 20-Millionen-Vermögen
04.06.2026 - 10:04:22 | boerse-global.deDIW-Präsident Marcel Fratzscher schlug am Mittwoch eine Abgabe von zwei Prozent auf Nettovermögen über 20 Millionen Euro vor – das könnte jährlich rund 42 Milliarden Euro einbringen.
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Die Forderung kommt zu einem brisanten Zeitpunkt. Die schwarz-rote Koalition verhandelt über eine Einkommensteuerreform, die am 1. Januar 2027 in Kraft treten soll. Ziel ist die Entlastung von Gering- und Mittelverdienern sowie die Beseitigung des sogenannten „Mittelstandsbauchs" – jenem Bereich, in dem der Steuersatz für mittlere Einkommen steil ansteigt.
Die Kosten der Reform
Experten schätzen die jährlichen Kosten der Steueranpassungen auf 20 bis 30 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der aktuelle Grundfreibetrag liegt 2026 bei 12.348 Euro, der Spitzensteuersatz von 42 Prozent greift ab 69.879 Euro Jahreseinkommen. Die „Reichensteuer" von 45 Prozent wird ab 277.826 Euro fällig.
Die Koalition will sich bis zur parlamentarischen Sommerpause Mitte Juli 2026 einigen. Doch wie die Einnahmeausfälle ausgeglichen werden sollen, ist heftig umstritten.
Zwei Modelle für die Vermögensbesteuerung
Das DIW ist nicht allein mit seiner Forderung. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) legte Anfang Juni ein eigenes Konzept vor: Vermögen ab einer Million Euro (bei Ehepaaren ab zwei Millionen) sollen besteuert werden. Zusätzlich schlägt der DGB eine einmalige Vermögensabgabe von zehn Prozent auf Werte über zehn Millionen Euro vor – zahlbar über 20 Jahre.
Die Diskussion wird durch neue Zahlen zur Vermögensverteilung befeuert. Laut einem BCG-Bericht stieg die Zahl der „Superreichen" in Deutschland – Personen mit Vermögen über 100 Millionen Dollar – 2025 um rund 1.100 auf etwa 5.000. Gleichzeitig wuchs die Zahl der armutsgefährdeten Menschen um 300.000, wie die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Anfang des Jahres meldete.
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Alternative Finanzierungsvorschläge
Neben der Vermögenssteuer liegen weitere Modelle auf dem Tisch:
- Steuertarif-Verschiebung: Die Union schlägt vor, den Spitzensteuersatz erst ab 85.000 Euro greifen zu lassen, dafür die Reichensteuer auf 47,5 Prozent ab 210.000 Euro zu erhöhen.
- Subventionskürzungen: Politiker Jens Spahn fordert einen pauschalen Kahlschlag von fünf Prozent bei allen staatlichen Subventionen.
- Ehegattensplitting-Deckelung: In einem offenen Brief an Kanzler und Vizekanzler vom 2. Juni 2026 plädieren namhafte Wirtschaftsforscher für eine Begrenzung des Splittingvorteils auf 13.805 Euro. Das freiwerdende Geld könnte in höhere Kindergeldzahlungen fließen.
- Mehrwertsteuer: Das Ifo-Institut bringt eine Anpassung der Umsatzsteuersätze ins Spiel.
Fratzscher selbst räumt ein, dass höhere Einkommensteuersätze die Hälfte der Finanzierungslücke schließen könnten. Doch für langfristige fiskalische Stabilität sei die Vermögenssteuer der beste Weg. Seit 1997 wird sie in Deutschland nicht mehr erhoben.
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