Vereinsbesteuerung, Freibetrag

Vereinsbesteuerung: Freibetrag sinkt von 5.000 auf 1.000 Euro ab 2027

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 19:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bundesfinanzministerium kürzt Freibeträge für Vereine drastisch. Profisport und nicht gemeinnützige Organisationen müssen mit erheblichen Steuermehrbelastungen rechnen.

Vereinsbesteuerung: Finanzministerium plant drastische Einschnitte für Profisport
Ein nächtlich beleuchtetes Profifußballstadion, das die wirtschaftliche Bedeutung des professionellen Sports symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das Bundesfinanzministerium will die steuerlichen Regeln für Vereine grundlegend umkrempeln. Vor allem nicht gemeinnützige Organisationen und Profisportvereine müssen sich auf massive Mehrbelastungen einstellen. Finanzminister Lars Klingbeil verspricht sich davon höhere Steuereinnahmen.

Freibetrag sinkt von 5.000 auf 1.000 Euro

Der Kern der Reform: Der Freibetrag für steuerpflichtige Körperschaften soll drastisch gekürzt werden. Statt wie bisher 5.000 Euro sollen künftig nur noch 1.000 Euro steuerfrei bleiben. Ab 2027 soll dieser Betrag zudem nicht mehr als Freibetrag, sondern als Freigrenze gelten. Die Folge: Überschreitet ein Verein die Grenze, muss er sein gesamtes Einkommen ab dem ersten Euro versteuern.

Betroffen wären vor allem Organisationen ohne Gemeinnützigkeit. Klassische Breitensport-, Musik- oder Umweltvereine bleiben von den Verschärfungen unberührt. Der professionelle Sportsektor hingegen würde voll getroffen. Das Ministerium erwartet durch diese Maßnahme jährliche Mehreinnahmen von rund 45 Millionen Euro.

Weitere Vergünstigungen fallen weg

Anzeige

Wer sich mit den neuen steuerlichen Verschärfungen befasst, sollte auch die Digitalisierung der Steuerprozesse im Blick behalten. Dieses kostenlose E-Book erklärt Schritt für Schritt, wie Sie das Finanzportal MeinElster richtig nutzen und bares Geld sparen. So erledigen Sie Ihre Steuererklärung mit MeinElster schneller als je zuvor

Doch damit nicht genug: Auch bei Betriebsveräußerungen und Anteilsverkäufen streicht der Gesetzgeber bisherige Privilegien. Freibeträge für Gewinne aus der Veräußerung oder Aufgabe von Betrieben – bislang bis zu 45.000 Euro – sollen ersatzlos entfallen. Gleiches gilt für Freibeträge beim Verkauf von Anteilen.

Die Maßnahmen richten sich gezielt gegen gewerbliche Strukturen in der Vereinslandschaft. Die Bundesregierung kalkuliert hier mit zusätzlichen Einnahmen von rund 300 Millionen Euro. Der Referentenentwurf befindet sich derzeit in der Abstimmung.

Entlastungen und Gegenfinanzierung im Paket

Die Vereinsbesteuerung ist Teil eines größeren Reformpakets. Für 2027 und 2028 sind Anpassungen beim Kindergeld geplant: Es steigt zunächst um 8 Euro, im Folgejahr um weitere 5 Euro auf dann 272 Euro. Auch der Grundfreibetrag soll schrittweise auf 12.900 Euro angehoben werden.

Anzeige

Angesichts immer komplexerer steuerlicher Vorgaben und verstärkter Prüfungen ist eine fehlerfreie Dokumentation für alle Steuerpflichtigen unerlässlich. Ein kostenloser Report zeigt, wie Sie sich rechtzeitig absichern und eine Betriebsprüfung deutlich verkürzen können. 12-Punkte-Selbstcheck für die Betriebsprüfung kostenlos als PDF

Die Gegenfinanzierung umfasst mehrere Bausteine:

  • Eine verschärfte Reichensteuer ab 2027: 45 Prozent ab 250.000 Euro Einkommen, 47 Prozent ab 280.000 Euro
  • Die Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen sinkt von 20 auf 15 Prozent
  • Die Pauschalsteuer für Minijobs steigt von 2 auf 5 Prozent
  • Krypto-Gewinne sollen künftig wie Kapitalerträge besteuert werden – das Aus für die bisherige einjährige Haltefrist

Kritik aus der Opposition und Petition gegen Krypto-Pläne

Die Pläne sorgen für Widerstand. Die Union spricht von einem „fatalen Signal“ und warnt vor Gefahren für die wirtschaftliche Stabilität im Profisport.

Gegen die Abschaffung der Haltefrist bei Kryptowährungen regt sich ebenfalls Protest: Eine Petition hat bereits die Marke von 30.000 Unterschriften überschritten – eine öffentliche Anhörung im Bundestag steht damit bevor. Experten schätzen die möglichen Mehreinnahmen bei einer konsequenten Umsetzung im zweistelligen Milliardenbereich. Das Ministerium rechnet nach Abzug aller Gegenfinanzierungen mit einem Netto-Entlastungsvolumen von rund 4,9 Milliarden Euro über die nächsten zwei Jahre.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 69928510 |