Verdi, Warnstreiks

Verdi ruft zu Warnstreiks auf: 7 Prozent Lohnforderung im Handel

Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 22:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Süßwarenindustrie und WDR erzielen Tarifabschlüsse, während Verdi Warnstreiks im Handel und Verfassungsklage gegen Bayerns Ladenschlussgesetz ankündigt.

Tarifkonflikte in Deutschland: Einigungen und neue Streiks
Hände schütteln über Dokumenten in einem modernen Büro als Symbol für eine erfolgreiche Tarifverhandlung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die deutsche Tariflandschaft zeigt Ende Juli ein gespaltenes Bild. Während Süßwarenindustrie und WDR Tarifabschlüsse vermelden, kündigt Verdi für die kommenden Tage großflächige Warnstreiks im Einzel- und Großhandel an. Parallel dazu zieht die Gewerkschaft gegen Bayerns neues Ladenschlussgesetz vors Bundesverfassungsgericht.

Süßwarenindustrie: 6 Prozent mehr in Niedersachsen und Bremen

Einigung am 30. Juli 2026: Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und die Arbeitgeber haben sich auf eine schrittweise Erhöhung der Entgelte verständigt. Über zwei Jahre steigen die Bezüge für mehr als 3.600 Beschäftigte in drei Stufen um insgesamt gut 6 Prozent.

Ursprünglich hatte die Arbeitnehmerseite 5,8 Prozent bei einer Laufzeit von nur zwölf Monaten gefordert. Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) betont, mit diesem Abschluss sei die finanzielle Belastungsgrenze der Unternehmen erreicht.

Bereits am Vortag gab es eine ähnliche Einigung für Hessen. Rund 6.000 Beschäftigte – unter anderem bei Ferrero und Intersnack – erhalten in drei Stufen 6,1 Prozent mehr. Zusätzlich gibt es steuerfreie Erholungsbeihilfen.

In Nordrhein-Westfalen sah die Lage anders aus: Mitarbeiter eines Intersnack-Werkes in Grevenbroich traten am späten Abend des 29. Juli in einen 24-stündigen Warnstreik.

WDR: 4,73 Prozent plus – aber mit Bedingungen

Auch beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) liegt ein Tarifergebnis vor. Die Einigung für Festangestellte und Auszubildende sieht eine Erhöhung in drei Stufen vor – rückwirkend zum 1. Februar 2026. Sicher ist ein Plus von 4,73 Prozent.

Weitere Steigerungen sind an Bedingungen geknüpft: eine ARD-weite Einigung zur Personalgestellung und die Entwicklung des Rundfunkbeitrags. Die Laufzeit beträgt 35 Monate. Positiv für den Nachwuchs: Die Übernahmegarantie für Auszubildende wurde bis Ende 2029 verlängert.

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Verdi ruft zu Warnstreiks in Berlin und Hessen auf

Ganz anders die Lage im Einzel- und Großhandel. Verdi hat für den 31. Juli und 1. August 2026 zu Warnstreiks in Berlin und Brandenburg aufgerufen. Die Gewerkschaft fordert 7 Prozent mehr Gehalt, mindestens jedoch 222 Euro – bei einer Laufzeit von einem Jahr.

Eine Kundgebung am Berliner Wittenbergplatz ist geplant. Auch Politiker Gregor Gysi will teilnehmen.

In Hessen ruft Verdi für den 31. Juli zu landesweiten Streiks auf. Der Druck vor den nächsten Verhandlungsrunden Mitte August steigt. Als Orientierung dient ein Abschluss in Bayern: 2,9 Prozent im ersten Jahr, weitere 2,1 Prozent ab Mai 2027 bei zweijähriger Laufzeit.

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Verfassungsklage gegen Bayerns Ladenschluss-Gesetz

Ein weiterer Konfliktherd: Am 30. Juli 2026 reichte Verdi Klage beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe gegen die Lockerung des Ladenschlusses in Bayern ein. Das Gesetz aus dem Sommer 2025 erlaubt unter anderem personalfreie Automatensupermärkte an sieben Tagen pro Woche sowie bis zu 40 verkaufsoffene Sonn- und Feiertage in Ausflugsorten.

Verdi-Landesleiterin Luise Klemens spricht von einem massiven Eingriff in die Arbeitsbedingungen und einem Angriff auf die verfassungsrechtlich geschützte Sonn- und Feiertagsruhe. Die Gewerkschaft wirft der bayerischen Staatsregierung vor, einseitig die Interessen von Handelskonzernen zu unterstützen.

Bayerns Arbeitsministerin Ulrike Scharf weist die Kritik zurück. Die Neuregelung sei ein notwendiger Kompromiss zwischen Verbraucherbedürfnissen und Arbeitnehmerschutz. Eine Entscheidung des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs zu einer bereits im Januar 2026 eingereichten Popularklage steht noch aus.

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