Vattenfall-Sicherheit: Deutschlandchef fordert klarere Zuständigkeiten für Schutz der Energie-Infrastruktur
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Vattenfall-Deutschlandchef Robert Zurawski sieht angesichts geopolitischer Konflikte eine veränderte Bedrohungslage für die Energie-Infrastruktur und fordert mehr Unterstützung durch die Politik.
Vattenfall investiert in Schutz der eigenen Standorte
Zurawski erklärte, das Unternehmen habe seine Sicherheitsmaßnahmen deutlich ausgeweitet. Vattenfall investiere nach seinen Worten sowohl in die IT-Sicherheit als auch in den Schutz der physischen Standorte, einschließlich der Offshore-Anlagen. Die veränderte Lage erfordere, dass der Konzern seine Aufgaben ernst nehme und eigenständig für robuste Schutzvorkehrungen sorge.
Zugleich machte Zurawski klar, dass Unternehmen allein die Sicherheit nicht gewährleisten könnten. Er verwies darauf, dass die Verantwortung des Konzerns an den Grenzen der eigenen Standorte ende und darüber hinaus geklärt werden müsse, welche staatlichen Stellen zuständig seien.
Forderung nach klaren Zuständigkeiten des Staates
Der Vattenfall-Manager drängte auf eine eindeutige Regelung, wer außerhalb der Firmengelände für den Schutz der Energie-Infrastruktur verantwortlich ist. Die Frage, wer jenseits des Werkszauns eingreife, müsse nach seiner Auffassung verbindlich beantwortet werden. Aus seiner Sicht müsse der Staat stärker in die Pflicht genommen werden.
Zurawski schlug vor, dass Unternehmen und öffentliche Akteure gemeinsam konkrete Sicherheitsfragen beraten. Er plädierte dafür, alle beteiligten Stellen an einen Tisch zu bringen, um Zuständigkeiten und Maßnahmen zu definieren.
Großprojekt Nordlicht vor der Küste Borkums
Vattenfall arbeitet derzeit rund 85 Kilometer vor der Nordseeinsel Borkum an dem Offshore-Windprojekt Nordlicht. Geplant sind dort die beiden Windparks Nordlicht I und Nordlicht II, die zusammen auf eine Leistung von mehr als 1,6 Gigawatt kommen sollen. Die Anlagen sollen einen spürbaren Beitrag zum Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland leisten.
Mit Projekten dieser Größenordnung wächst nach Unternehmensangaben die Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingungen für Sicherheit und Kooperation zwischen staatlichen Stellen und privaten Betreibern.
Gestiegene Risiken in Nord- und Ostsee
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 sehen europäische Staaten eine deutlich erhöhte Bedrohungslage in Nord- und Ostsee. Recherchen skandinavischer Medien haben in den vergangenen Jahren Hinweise verdichtet, dass Russland unter anderem Forschungsschiffe einsetzt, um kritische Infrastruktur in den nordeuropäischen Gewässern auszuspionieren.
Unter kritischer Infrastruktur werden Lebens- und Versorgungsbereiche verstanden, deren Ausfall oder Beeinträchtigung weitreichende Folgen hätte. Dazu zählen etwa Energieversorgung, Informations- und Kommunikationstechnik sowie Transport und Verkehr.
Nato-Überwachung und russische Schattenflotte
Die Nato hat ihre Präsenz in der Ostsee verstärkt und patrouilliert dort auch mit Beteiligung der Bundeswehr. Im Mittelpunkt steht dabei unter anderem die sogenannte russische Schattenflotte, häufig ältere Öltanker, mit denen nach Angaben westlicher Staaten Sanktionen umgangen werden.
Im Zusammenhang mit dieser Schattenflotte geht es auch um mögliche Sabotageakte. Dabei geraten vor allem am Meeresgrund verlegte Datenkabel und Stromleitungen in den Fokus, die bereits beschädigt wurden und als besonders gefährdet gelten.
Verschärfte Sicherheitsdebatte um Energie-Infrastruktur
Die Hinweise auf Sabotageakte gegen Unterwasser-Infrastruktur in Nord- und Ostsee haben die politische Debatte über den Schutz kritischer Anlagen deutlich intensiviert. Unterseekabel, Pipelines und Offshore-Windparks gelten als besonders verwundbar, weil sie in großer räumlicher Ausdehnung und meist fern der Küste verlaufen. Vattenfall reiht sich mit der Forderung nach klaren Zuständigkeiten in eine wachsende Zahl von Unternehmen ein, die einen stärkeren staatlichen Rahmen für Prävention, Überwachung und Krisenreaktion erwarten.
Nordlicht als Symbolprojekt der Energiewende
Das Offshore-Windprojekt Nordlicht mit den geplanten Windparks Nordlicht I und II steht exemplarisch für den Ausbau der erneuerbaren Energien, von denen die Stromversorgung der kommenden Jahre wesentlich abhängen wird. Mit mehr als 1,6 Gigawatt geplanter Leistung geht es nicht nur um ein einzelnes Industrievorhaben, sondern um ein Vorzeigeprojekt der Energiewende mit entsprechender systemischer Bedeutung. Je stärker solche Anlagen zur Grundversorgung beitragen, desto größer ist ihr Gewicht im sicherheitspolitischen Kalkül von Staat und Unternehmen.
Gemeinsame Verantwortung von Staat und Unternehmen
Die von Vattenfall eingeforderte Klarheit bei Zuständigkeiten verweist auf die Schnittstelle zwischen betrieblicher Sicherheit und staatlicher Gefahrenabwehr. Unternehmen können physische und digitale Schutzmaßnahmen an ihren Standorten ausbauen, doch Bedrohungen durch fremde Staaten, Schattenflotten oder militärische Drohnen berühren die Kompetenzen von Sicherheitsbehörden und Bündnispartnern. Für Leserinnen und Leser bedeutet dies, dass Fragen der Energieversorgung zunehmend auch sicherheitspolitische Dimensionen haben und Entscheidungen über Schutzkonzepte und Kostenverteilung in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen dürften.
