Varta-Insolvenz: Investorenlösung für Batteriehersteller in den nächsten Monaten erwartet
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 11:27 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der Insolvenzverwalter des Batterieherstellers Varta rechnet trotz des Insolvenzverfahrens in den kommenden Monaten mit einer Lösung durch Investoren.
Interesse an Technologie bleibt bestehen
Tobias Wahl von der Kanzlei Anchor teilte in Ellwangen mit, das Interesse an den technologischen Kernkompetenzen von Varta sei im Markt unverändert vorhanden. Ein erfolgreicher Abschluss des Verkaufsprozesses werde noch in den kommenden Monaten angestrebt.
Ob sich unter den Interessenten Finanzinvestoren oder auch Industrieunternehmen befinden, konnte ein Sprecher Wahls nicht sagen. Ziel des Verfahrens sei eine zukunftssichere Fortführungslösung, die den Erhalt des Unternehmens sichere.
Insolvenzverfahren offiziell eröffnet
Das Amtsgericht Stuttgart eröffnete am 1. Oktober die Insolvenzverfahren über die Varta AG als Konzernmuttergesellschaft und drei weitere Einheiten. Varta hatte Mitte Juli zunächst für diese vier Gesellschaften ein Verfahren in Eigenverwaltung beantragt; der Geschäftsbereich mit den Haushaltsbatterien ist davon nicht betroffen.
Nach Angaben des Insolvenzverwalters konnte der Geschäftsbetrieb während des vorläufigen Insolvenzverfahrens stabilisiert werden. Bei den vier betroffenen Unternehmen arbeiten demnach rund 2.300 Menschen.
Fabrik in Nördlingen schließt
Für die Varta Microbattery bleibt es beim bereits im Frühjahr beschlossenen Produktionsaus in Nördlingen. Wegen des Wegfalls des wichtigsten Kunden werde die Fabrik wie geplant geschlossen.
Rund 350 Menschen verlieren dadurch ihren Arbeitsplatz. Die Schließung war Mitte Mai angekündigt worden. Der Großkunde will Batterien der neuen Generation dem Vernehmen nach künftig aus China beziehen.
Insolvenz trifft den Batteriestandort
Mit der Eröffnung der Insolvenzverfahren beginnt für die vier betroffenen Varta-Gesellschaften die nächste, rechtlich formale Phase der Sanierung. Entscheidend ist nun, ob ein Investor die technologischen Kernbereiche übernimmt und daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickelt. Für die rund 2.300 Beschäftigten hängt daran die Perspektive ihrer Arbeitsplätze und Standorte.
Nördlingen als besonders harter Einschnitt
Die Schließung der Varta-Microbattery-Fabrik in Nördlingen steht davon getrennt fest. Rund 350 Beschäftigte verlieren dort ihren Arbeitsplatz, nachdem der wichtigste Kunde weggefallen ist. Dass Batterien einer neuen Generation künftig aus China bezogen werden sollen, verweist auf den internationalen Kostendruck und die starke Abhängigkeit einzelner Zulieferer von Großkunden.
Arbeitsmarkt kann Verluste teilweise auffangen
Für die Region kommt die Nachricht in einer vergleichsweise robusten Arbeitsmarktlage. Der schwäbische Arbeitsmarkt gilt als besonders stabil; Arbeitsplatzverluste im Maschinenbau und bei Varta werden nach Einschätzung der Arbeitsagenturen regelmäßig von mittelständischen Handwerks- und Industriebetrieben aufgefangen. Das erleichtert die Vermittlung, ersetzt aber nicht automatisch spezialisierte Industriearbeitsplätze und die Wertschöpfung am Standort.
Investorenentscheidung bestimmt Zukunft
Für Varta bleibt deshalb die Suche nach einem Käufer der zentrale Hebel. Ein Finanzinvestor könnte vor allem auf Sanierung und Rendite zielen, ein Industrieunternehmen möglicherweise auf die Einbindung in ein größeres Batterie- oder Elektronikgeschäft. Ob eine solche Lösung zustande kommt und welche Gesellschaften sowie Standorte sie umfasst, soll sich in den kommenden Monaten klären.
