Vaeridion, Elektroflugzeug

Vaeridion erhält über 120 Millionen Euro für Elektroflugzeug

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 09:10 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Das Münchner Start-up Vaeridion will mit privatem Kapital einen zulassungsfähigen Prototyp bauen. EU-Mittel sollen anschließend Endmontage und Produktionsaufbau in Oberpfaffenhofen ermöglichen.

Vaeridions nächste Entwicklungsschritte

  • Das Münchner Start-up Vaeridion entwickelt den neunsitzigen Elektroflieger Microliner für regionale Strecken.
  • Die Europäische Kommission stellt 94,5 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds bereit.
  • Mit 30 Millionen Euro Investorengeld soll ein zulassungsfähiger Prototyp entstehen.
Vaeridion will 130 Elektroflugzeuge bauen - Bild: -/Vaeridion/dpa

Vaeridion finanziert Elektroflugzeug mit EU- und Investorengeld

Die EU und Investoren geben über 120 Millionen Euro für die Entwicklung eines Elektroflugzeugs an das fünf Jahre alte Münchner Start-up Vaeridion. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben bereits Kaufzusagen für 130 Flugzeuge erhalten.

Vaeridion teilte mit, in einer Finanzierungsrunde 30 Millionen Euro von Risikokapitalgebern eingeworben zu haben; zuvor stellte die Europäische Kommission 94,5 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds bereit.

Prototyp soll zulassungsfähig werden

Mit dem Investorengeld will Vaeridion einen zulassungsfähigen Prototyp des neunsitzigen Elektroflugzeugs Microliner bauen. Das EU-Geld ist nach Unternehmensangaben für die Endmontage und den Aufbau der Produktion am Flughafen Oberpfaffenhofen vorgesehen.

Oberpfaffenhofen gilt als Zentrum der deutschen Luftfahrtforschung und -entwicklung. Dort befindet sich eine große Niederlassung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, in deren Nachbarschaft sich mehrere Unternehmen angesiedelt haben.

Microliner für regionale Strecken

Vaeridion-Gründer und Chef Ivor von Dartel ist ehemaliger Airbus-Manager. Das Unternehmen zielt auf den regionalen Flugverkehr und nennt weltweit mehr als 21.000 kleine Turbopropflugzeuge, die im Schnitt 23 Jahre alt seien.

Der Microliner soll eine Reichweite von 400 Kilometern haben und ohne Kerosin auskommen. Nach Berechnungen des Unternehmens sollen die Tickets ungefähr so viel kosten wie Fahrkarten der ersten Klasse im ICE.

Erstkunde kommt aus Belgien und den Niederlanden

Als Erstkunden nennt Vaeridion die ASL Group, einen Geschäftsflug-Betreiber in Belgien und den Niederlanden. Das Unternehmen will Regionalflüge in Europa und für Betreiber weltweit wieder wirtschaftlich und zugänglich machen.

Deutsche Konkurrenz ist bereits gescheitert

In Deutschland sind zwei zwischenzeitlich bekannte Elektroflugzeug-Start-ups gescheitert. Das Münchner Unternehmen Lilium ging zweimal insolvent und gab danach endgültig auf; Volocopter aus Baden-Württemberg wurde nach der Pleite an chinesische Investoren verkauft.

Das bayerische Start-up ERC System entwickelt weiterhin ein Flugzeug mit Hybridmotor für Krankentransporte und andere Zwecke.

Elektrische Regionalflugzeuge gelten als besonders anspruchsvolles Segment der Luftfahrt. Anders als größere Verkehrsflugzeuge müssen sie mit begrenzter Batteriekapazität, hohem Gewicht und kurzen Reichweiten wirtschaftlich betrieben werden. Vaeridion konzentriert sich deshalb auf ein neunsitziges Modell für kurze Strecken und positioniert den Microliner nicht als Ersatz für große Jets, sondern für regionale Verbindungen.

Die Finanzierung verbindet zwei unterschiedliche Entwicklungsstufen: Privates Kapital soll den zulassungsfähigen Prototyp ermöglichen, während die EU-Förderung den Aufbau von Endmontage und Produktion unterstützen soll. Damit rückt neben der technischen Entwicklung auch die industrielle Skalierung in den Mittelpunkt. Kaufzusagen können dabei Planungssicherheit schaffen, ersetzen aber weder die Zulassung noch den Nachweis eines verlässlichen Flugbetriebs.

Regionale Luftfahrt im Wandel

Für Betreiber wären niedrigere Energiekosten und ein geringerer Wartungsaufwand grundsätzlich attraktiv. Zugleich hängen die tatsächlichen Betriebskosten von Batteriepreisen, Ladeinfrastruktur, Lebensdauer der Akkus und der Auslastung der Flugzeuge ab. Die angekündigte Reichweite von 400 Kilometern begrenzt das Einsatzfeld auf entsprechend kurze Strecken.

Der Standort Oberpfaffenhofen bündelt Forschung, Entwicklung und industrielle Luftfahrtkompetenz. Für Vaeridion kann die Nähe zu diesen Strukturen den Übergang vom Prototyp zur Serienfertigung erleichtern. Die Erfahrungen gescheiterter deutscher Flugzeug-Start-ups zeigen zugleich, dass Finanzierung, Zertifizierung und Produktion über Jahre zusammenpassen müssen.

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