Unternehmensnachfolge, Frauenanteil

Unternehmensnachfolge: Frauenanteil sinkt auf 18,9 Prozent – ein Tiefstand

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Nachfolgemonitor zeigt weniger Unternehmerinnen, eine alternde Übergabegeneration und unterschiedliche Ergebnisentwicklungen nach dem Eigentümerwechsel.

Unternehmensnachfolge in Deutschland: Übergaben 2024 auf historischem Tief
Leere Industriehalle mit unbenutzten Maschinen in natürlichem Licht als Symbol für den Investitionsstau im Mittelstand. Illustration mit AI erstellt.

Die Zahl der vollzogenen Unternehmensübergaben in Deutschland ist deutlich eingebrochen. Wie aus dem Nachfolgemonitor 2026 hervorgeht, über den am 13. Oktober 2026 berichtet wurde, erreichten die Unternehmensnachfolgen im Jahr 2024 einen historischen Tiefstand.

Die Erhebung, die gemeinsam vom Verband Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB), der Creditreform Rating AG, dem KCE KompetenzCentrum für Entrepreneurship & Mittelstand der FOM Hochschule sowie der FH Salzburg vorgelegt wurde, zeigt zudem eine anhaltende Alterung an der Spitze mittelständischer Betriebe: Das Medianalter der Übergebenden lag im Jahr 2025 bei 64 Jahren und bewegt sich damit seit 2016 unverändert in der Spanne zwischen 63 und 64 Jahren.

Verschiebungen bei Übernehmenden und historischer Tiefstand bei Frauen

Mehr als die Hälfte der im Monitor erfassten Übergaben fand im Alter zwischen 60 und 69 Jahren statt. Im Einzelhandel belief sich das durchschnittliche Übergabealter im Zehnjahresvergleich auf gut 61 Jahre.

Auf der Seite der Nachfolgerinnen und Nachfolger dominierten Einzelpersonen, auf die im Jahr 2025 ein Anteil von 81,2% aller Übernahmen entfiel. Mehr als vier von zehn Übernehmenden waren dabei zwischen 30 und 39 Jahre alt.

Gleichzeitig verzeichnete der Report einen deutlichen Rückgang bei den Unternehmerinnen: Der Frauenanteil unter den Übernehmenden lag 2025 bei lediglich 18,9% und sank damit erstmals unter die Marke von einem Fünftel. Im Jahr 2017 hatte dieser Wert noch 22,9% betragen. Auf regionaler Ebene fiel der Wert in Hessen mit 13,3% besonders niedrig aus.

Nachholbedarf bei Investitionen drückt das Betriebsergebnis

Handwerk, wirtschaftsnahe Dienstleistungen und die Industrie machten gemeinsam rund zwei Drittel aller erfassten Übergaben aus. Während Kleinstbetriebe für Interessenten zunehmend unattraktiv blieben, gewannen Kleinbetriebe mit 10 bis 49 Beschäftigten an Bedeutung.

Im Einzelhandel gingen die erfassten Übergabezahlen im Zeitraum von 2016 bis 2025 zurück, was im Bericht unter anderem mit dem Druck durch den Online-Handel sowie fehlenden digitalen Zukunftskonzepten begründet wird. Das Handwerk zeigte sich dagegen vergleichsweise robust.

Anzeige

Wer sich mit Unternehmensnachfolgen und Investitionen befasst, sollte die steuerlichen Rahmenbedingungen genau kennen. Dieser kostenlose PDF-Ratgeber erklärt Schritt für Schritt, wie Immobilienbesitzer und Gewerbetreibende von der degressiven AfA profitieren können. Maximalen Steuervorteil durch Abschreibungen sichern

Finanziell bildete der Kaufpreis mit 77% den weitaus größten Posten des erfassten Gesamtfinanzierungsbedarfs. Bei der Ertragsentwicklung nach dem Eigentümerwechsel zeigte eine Auswertung von 1.553 zwischen 2014 und 2022 übergebenen Unternehmen ein zweigeteiltes Bild: Bei 54,1% der Betriebe lag der EBIT zwei Jahre nach der Nachfolge unter dem Wert von zwei Jahren vor der Übergabe.

Als Grund dafür werden nachgeholte Modernisierungsinvestitionen und die damit verbundenen Abschreibungen angeführt. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) stieg hingegen bei 52,9% der Firmen an.

Anzeige

Oftmals entscheiden die richtigen steuerlichen Weichenstellungen darüber, wie viel Liquidität für notwendige Modernisierungen im Unternehmen verbleibt. Erfahren Sie in diesem gratis Leitfaden, wie Sonderabschreibungen Ihre finanzielle Flexibilität dauerhaft verbessern können. Kostenlosen PDF-Ratgeber zur Steueroptimierung herunterladen

Zugleich verbesserte sich bei mehr als der Hälfte der Betriebe mit vormals schwacher Bonität die Einstufung nach dem Eigentümerwechsel. Für den Übergabejahrgang 2024 lag der nominale Umsatz der untersuchten Betriebe im Median um 17% über dem Niveau von drei Jahren zuvor.

Wachsende Schere zwischen Angebot und Nachfolge

Die Befunde des Monitors reihen sich in übergreifende Daten zur Situation im Mittelstand ein. Dem DIHK-Nachfolgereport zufolge standen 2024 doppelt so viele übergabewillige Unternehmen bereit, wie es potenzielle Nachfolger gab. Laut dem DIHK-Unternehmensnachfolge-Report 2025 hat sich dieser Abstand zwischen verfügbaren Betrieben und geeigneten Interessenten im Zeitraum von 2019 bis 2024 nahezu verdoppelt.

Gemeinsame Auswertungen der Creditreform Wirtschaftsforschung und des ZEW belegen zudem, dass 2025 rund 188.000 Unternehmensschließungen gezählt wurden, was einem Anstieg von 10% gegenüber dem Vorjahr entsprach.

Fast ein Drittel aller freiwilligen Schließungen erfolgte dabei aus Altersgründen. Die registrierten 23.900 Insolvenzen des Jahres 2025 machten hingegen lediglich etwa 13% aller Schließungen aus, während im ersten Halbjahr 2026 weitere 12.900 Insolvenzen registriert wurden.

Laut der Creditreform-Herbstumfrage 2026 unter rund 1.200 kleinen und mittleren Unternehmen liegt die allgemeine Investitionsbereitschaft gegenwärtig auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren, während ein Drittel der Firmen über eine Eigenkapitalquote von unter 10% verfügt.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70317001 |