Unternehmensausfallrate, Höchste

Unternehmensausfallrate 2,08%: Höchste Krise seit Finanzkrise

04.06.2026 - 03:33:07 | boerse-global.de

Mehrere namhafte Unternehmen melden Insolvenz an. Creditreform prognostiziert die höchste Ausfallrate seit der Finanzkrise.

Unternehmensausfallrate 2,08%: Höchste Krise seit Finanzkrise - Bild: über boerse-global.de
Unternehmensausfallrate 2,08%: Höchste Krise seit Finanzkrise - Bild: über boerse-global.de

Gleich mehrere namhafte Firmen haben in den ersten Junitagen 2026 Insolvenz angemeldet oder stehen vor der Zerschlagung. Branchenberichte sprechen von der höchsten Pleitewelle seit zwei Jahrzehnten.

Anzeige

Betriebsbedingte Kündigungen und Umstrukturierungen verunsichern derzeit viele Belegschaften. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Betriebsräten, wie sie bei Sozialplänen ihre Mitbestimmungsrechte optimal nutzen und faire Lösungen für betroffene Kollegen verhandeln. Kostenlosen Ratgeber für gerechte Sozialpläne herunterladen

Gastgewerbe und Einzelhandel besonders betroffen

Die REVO Hospitality Group (ehemals HR Group) wird nach ihrer Insolvenz zu Beginn des Jahres nun endgültig abgewickelt. Am 2. Juni kündigte das Unternehmen den Abbau von 450 Stellen in der Berliner Zentrale an. Rund 5.450 Arbeitsplätze in den einzelnen Hotels sollen zwar erhalten bleiben, die Konzernstruktur jedoch wird aufgelöst.

Bereits Anfang Juni waren 45 der 250 Hotels verkauft. Weitere 120 Häuser sollen bis zur Monatsmitte an fünf verschiedene Käufer übergehen – darunter Motel One, Proark, Dormero und Wyndham. Der Kollaps folgt auf eine Phase aggressiver Expansion und technischer Probleme, darunter der zeitweise Ausschluss aus den Buchungssystemen von Accor.

Auch im Einzelhandel kriselt es gewaltig: Die Deko-Kette Depot (GDC Deutschland GmbH) meldete im Mai die Insolvenz in Eigenverwaltung an. Betroffen sind 155 Filialen und 1.200 Mitarbeiter. Das Management nennt Zölle, die Konkurrenz durch Online-Plattformen wie Temu und die allgemeine Konsumzurückhaltung als Hauptgründe.

Traditionsunternehmen in der Krise

Selbst alteingesessene Firmen bleiben nicht verschont. Am 3. Juni meldete der Chemnitzer Textilmaschinenbauer STC Spinnzwirn Insolvenz an – nach 160 Jahren Firmengeschichte. Das Unternehmen, das Komponenten für Kunstrasen produziert, verzeichnet einen Auftragsrückgang und steigende Rohstoffkosten infolge geopolitischer Spannungen. Die Löhne der 140 Beschäftigten sind noch bis Juli gesichert, das offizielle Insolvenzverfahren soll am 1. August starten.

Die Logistikbranche ächzt unter ähnlichem Druck. Bei Betz International, einer Spedition aus Baden-Württemberg, wurde am 1. Juni das Insolvenzverfahren eröffnet. Einst mit Tausenden Mitarbeitern unterwegs, arbeitet die Firma heute mit 140 Angestellten und 72 Fahrzeugen – und sucht dringend Investoren. Die Gründe: niedrige Margen und hohe Dieselpreise.

In Ganderkesee schwebt die Zukunft des Baggerherstellers Atlas in der Schwebe. Der kanadische Konzern Buhler Versatile (Teil der ASKO Group) will am 8. Juni in Hamburg einen notariellen Kaufvertrag unterzeichnen. Doch die IG Metall warnt: Unter dem neuen Eigentümer könnten bis zu 200 der 400 Arbeitsplätze wegfallen.

Anzeige

Wenn Stellenstreichungen drohen, ist die Verhandlung eines Interessenausgleichs für Arbeitnehmervertreter entscheidend. Erfahren Sie in diesem Gratis-E-Book, wie Sie als Betriebsrat den Sozialplan aktiv gestalten und folgenschwere Fehler bei der Sozialauswahl vermeiden. Gratis-Report: Mitbestimmung beim Sozialplan sichern

Biotech und Industrie im Abwärtstrend

Die Pleitewelle erreicht auch die Hightech-Branche. Molecular Health GmbH aus Heidelberg, mehrheitlich im Besitz von Dietmar Hopps Dievini-Holding, hat am 1. Juni Insolvenz angemeldet. Der Verlust eines Großkunden zwang das Biotech-Unternehmen in die Knie. Rund 30 der 60 Stellen sind gefährdet. Ende Juli soll eine Gläubigerversammlung über einen möglichen Teilverkauf an internationale Investoren entscheiden.

In Sachsen stellte Duralin Leichtmetall GmbH Anfang Juni die Zahlungen ein – nachdem die Muttergesellschaft Petzold Management GmbH bereits im Mai Insolvenz angemeldet hatte. Der Aluminium-Spezialist mit 21 Mitarbeitern durchläuft derzeit ein vorläufiges Sanierungsverfahren. Auslöser sind Kreditlasten aus einer früheren Übernahme.

Düstere Prognosen für den Rest des Jahres

Die Ratingagentur Creditreform erwartet keine schnelle Besserung. Ihre Studie für 2026 prognostiziert eine Unternehmensausfallrate von 2,08 Prozent – der erste Wert über zwei Prozent seit der globalen Finanzkrise. Besonders gefährdet: kleine und mittlere Unternehmen sowie junge Firmen.

Die Arbeitsmarktzahlen untermauern den Negativtrend. Deutschland verlor in den drei Monaten bis Mai 2026 insgesamt 486.000 Industriearbeitsplätze. Große Arbeitgeber wie BioNTech, Commerzbank, ContiTech und Wacker Chemie haben in den vergangenen Wochen Tausende Stellenstreichungen angekündigt. Hohe Energiekosten und eine stagnierende Konjunktur setzen der gesamten Wirtschaft massiv zu.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | wirtschaft | 69480072 |